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Landeszeitung

21. September 2017 | 23:32 Uhr

„Zeitzeugen kommen zu Wort“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Ein geschichtsträchtiges Projekt: Das Landestheater begibt sich am Sonntag mit vier Busfahrten auf fiktive Feldforschung

von
erstellt am 09.Apr.2014 | 11:17 Uhr

Das Landestheater erinnert an den Deutsch-Dänischen Krieg von 1864 mit einem ungewöhnlichen Projekt. Der erste Schuss des Krieges fiel beispielsweise in Rendsburg. Sabine Sopha sprach mit den Initiatoren darüber, was die Teilnehmer der fiktiven Feldforschung erwartet.

Am Sonntag (13.4.) bricht das Landestheater zur „Expedition Düppel“ auf. Geht es auch zum Schlachtfeld?
Regisseur Nadim Hussain: Nein. Der Anlass ist die Schlacht an den Düppeler Schanzen, die sich am 18. April zum 150. Mal jährt. Wir suchen im Raum Schleswig und Rendsburg nach den Spuren des Deutsch-Dänischen Krieges, nach Orten, die einen historischen Bezug haben.

Welche Orte sind das?
Dramaturgin Franziska Lüdtke: Das verraten wir nicht. Es gibt vier Busfahrten an diesem Tag. Die Fenster der Busse werden von innen mit Informationen beklebt sein – mit Bildern und Texten zum Deutsch-Dänischen Krieg. Sowohl die Busse aus Schleswig als auch aus Rendsburg fahren die gleiche Strecke. Sie erreichen die einzelnen Stationen zeitversetzt. Dort sind dann Szenen mit realen oder fiktiven Zeitzeugen zu sehen.

Wer sind die Zeitzeugen?
Lüdtke: Es gibt unglaublich viele Leute, die ihre Erinnerungen aufgeschrieben haben: Militärpastoren oder freiwillige Krankenpflegerinnen oder der Dichter Theodor Fontane. Hussain: Auch Feldärzte und Soldaten. Dadurch, dass wir unterschiedliche Zeitzeugen haben, haben die Texte eine unterschiedliche Qualität. Eine Person schilder sehr persönliche Empfindungen. Eine andere nimmt eine sehr sachliche, medizinische Haltung ein.

Sie haben also eine Fülle von Material gesichtet.
Hussain: In der Summe waren das gut und gerne 5000 Seiten aus den verschiedensten Archiven. Nicht nur hier aus Deutschland, sondern zum Beispiel auch online von der Universität Boston.

Welchen Part haben die Schüler vom Helene-Lange-Gymnasium übernommen?
Rebecca: Das Geschichtsprofil hat mit seinem Lehrer Michael Derner das Thema Deutsch-Dänischer Krieg besprochen. Und wir waren im Stadtarchiv. Svenja: Dort haben wir viele Dokumente, Bilder und Zeitungen abfotografiert.

Die kommen in den Bussen zum Einsatz?
Hussain: Genau. Aber wir haben die Busse nicht nur mit Informationen verkleidet. Wir sind ein fahrendes Hörbuch. Wir spielen vorproduzierte Texte von Protagonisten ein, so dass das Publikum auch eine akustische Ebene erlebt. Lüdtke: Rebecca ist eine der Sprecherinnen. Rebecca: Es hat mich interessiert, weil ich viel mit meiner Stimme arbeite. Ich bin im Chor, beim Musical mache ich mit und ich wollte gerne einmal ein Tonstudio von innen kennenlernen.

Der Deutsch-Dänische Krieg dauerte nur ein Jahr. Aber er war einer jener Kriege, die zur deutschen Einheit führten. War er auch besonders grausam?
Lüdtke: Es war schlimm, weil es ein sehr kalter Winter war. Es war schlimm, weil es extrem blutige Schlachten gab. Das war der Fall, weil zum ersten Mal neue Kanonen von Krupp eingesetzt wurden, die dann in den nachfolgenden Kriegen auch eine Rolle gespielt und die Verletzungen hervorgerufen haben, die bis dahin niemand kannte. Es war eine Zeit, in der ganz viel Neues passierte. Da traten zum ersten Mal Frauen aus besseren Familien auf, die sich patriotisch engagieren wollten, die dort in den Lazaretten als Krankenschwestern arbeiteten. Bis dahin gab es so etwas nicht.

Es ist also ein vielschichtiges Thema.

Hussain: Natürlich können wir es im Rahmen einer solchen Veranstaltung nicht erschöpfend behandeln. Aber es soll auch dazu führen, dass der eine oder andere neugierig wird auf das Thema und auf die Orte. Ich kann jedem, der sich für die dänische Seite und dänische Sicht interessiert, empfehlen, am 18. April nach Sonderburg/Düppel zu fahren. Dort wird eine mehrtägige Veranstaltung stattfinden – mit dem Nachspielen historischer Szene, mit Workshops von Essen im Felde bis hin zum Kanonenkugeln gießen.

Es soll auch eine Zusammenarbeit mit der A.P.-Møller-Skolen gegeben haben?

Lüdtke: Ja. Wir haben diese Woche Texte auf Dänisch und Links auf dänische Webseiten erhalten. Die konnten wir aber aufgrund des Zeitmangels und fehlender Sprachkenntnis nicht mehr auswerten. Deswegen werden wir jetzt leider nicht so viel aus dänischer Sicht haben, wie wir es uns erhofft hatten.

Herr Hussain, Sie stammen aus dem Rheinland und haben einen pakistanischen Hintergrund. Wie sind Sie zu demThema gekommen?
Ich interessiere mich für Geschichte. Seit vergangenem Sommer bin ich am Landestheater. Durch die Überlandfahrten habe ich die Landschaft gesehen – eine interessante, alte Kulturlandschaft. Da war mir klar, dass wir mit diesem Projekt raus müssen.


>Sonntag, 13. April: 15 und 17.30 Uhr ab Kammerspiele Rendsburg / 15.30 und 18 Uhr Uhr ab TraumInsel Schleswig

Karten ausschließlich im Vorverkauf an den Theaterkassen. Nicht barrierefrei – festes Schuhwerk und angemessene Kleidung werden empfohlen. Infos Jahrestag Düppel: www.dueppel2014.de






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