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Relikte aus dem alten rendsburg : Zeitzeuge aus Sandstein gerettet

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Das ehemalige „Hospital-Gasthaus 1841“ an der Marienkirche ist abgerissen worden. Der Eigentümer des Grundstücks überlässt der Stadt eine historische Platte mit Inschrift – sie soll später im Museum gezeigt werden.

shz.de von
erstellt am 17.Mai.2017 | 00:00 Uhr

Ein Berg aus Schutt und Trümmern – das blieb vom Haus mit der Adresse An der Marienkirche 18 übrig. Zu Wochenbeginn war ein Abrissbagger angerückt. Schweres Gerät zerlegte das einstige Gasthaus des Heiligen-Geist-Hospitals in seine Einzelteile. Bereits gestern Nachmittag waren die meisten Überbleibsel des Gebäudes verschwunden. Ein besonderes Stück landete jedoch nicht im Container eines Abbruchunternehmens, sondern auf einem Lastwagen der Stadt. Es liegt jetzt trocken und sicher beim Umwelt- und Technikhof an der Kieler Straße. Der etwa 1,20 Meter breite und 40 Zentimeter hohe Quader war Teil der gemauerten Giebelfront und trägt die Inschrift „Hospital-Gasthaus 1841“. Die Platte soll später dem Museum übergeben werden.

Allen voran Stadthistoriker Alfred Gudd und der ehemalige sh:z-Chefredakteur Stefan Lipsky hatten sich für den Erhalt des Blocks aus Sandstein eingesetzt. Lipsky koordiniert derzeit die Produktion eines Architekturführers für Rendsburg und Büdelsdorf, in dem renommierte Autoren zu Wort kommen. Das Werk erscheint Ende Juni. Zur Steinplatte sagte Lipsky, dieses alte Stück Rendsburg dürfe nicht verloren gehen oder „in irgendeinem Partykeller“ verschwinden – eine Anspielung auf den rätselhaften Verlust seltener Ornamente bei Abrissarbeiten in Rendsburg. 2014 beispielsweise wurde ein „Engelskopf“, der die Fassade eines Hauses an der Wallstraße verzierte, von Unbekannten entwendet. Dieses Schicksal kann der Platte aus der Altstadt nun nicht mehr widerfahren.

„Diese Steine zeigen die Geschichte Rendsburgs in allen Einzelheiten auf und werden gerne geklaut“, erklärte Gudd. Ute Goßmann von der Bauaufsicht im Rathaus wies auf den historischen Wert hin. Die Fachdienstleiterin erschien persönlich an der Baustelle, um sich vom Zustand des mehrere Zentner schweren Klotzes zu überzeugen. „Er spiegelt Stadtgeschichte wider und zeigt einen historisch bedeutsamen Ort“, so etwas müsse bewahrt werden.

Bei dem abgerissenen Bau handelt es sich um das ehemalige Gasthaus des Heiligen-Geist-Hospitals, errichtet an der Stelle des Vorgängerbaus („St. Spiritus“) aus dem Jahr 1465. „Die Bewohner dieses abgebrochenen Hauses, die Bewohner eines vorherigen, an der Schiffbrücke gelegenen ,Gasthauses‘ und die Insassen des sogenannten ,Steinkellers‘ wurden 1841 in dem Neubau zusammengefasst“, schrieb Alfred Gudd in seinem 2009 veröffentlichten Buch „Der Adel an der scharfen Ecke“. Hinweise auf Einrichtungen des „Heilig-Geist-Hospitals“ habe es in Rendsburg schon Ende des 13. Jahrhunderts gegeben. „Konkret erwähnt wurden sie aber erstmals 1334. Ungefähr ab 1350 stand ein erstes ,Gasthaus‘ an der Schiffbrücke, etwa dort, wo heute die Volksbank-Raiffeisenbank am unteren Ende der Hohen Straße steht.“

Auf dem jetzt frei gewordenen Grundstück zwischen Marienkirche und Eisenbahnstraße lässt ein Investoren-Ehepaar aus Schacht-Audorf ein Mehrfamilienhaus mit fünf barrierefreien Wohnungen errichten. Noch ist der Architekt Fadil Isovic Eigentümer des Areals. Der Schacht-Audorfer freute sich, den Stein der Stadt zu überlassen. „Ich bin froh, damit einen Beitrag zur Bewahrung der Geschichte Rendsburgs leisten zu können.“

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