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Hohenwestedt : Zeitmesser bis zum Weihnachtsfest

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Im Hohenwestedter Heimatmuseum werden Adventskalender aus 90 Jahren vorgestellt. Sogar Schallplatten-Cover gab es In Kalenderform.

Mehr als 80 Exemplare aus den vergangenen 90 Jahren sorgen dafür, dass man im Hohenwestedter Heimatmuseum derzeit die Kulturgeschichte des Adventskalenders anschaulich studieren kann. Hobby-Volkskundlerin Angelika Salzwedel aus Itzehoe hat unterschiedliche Formen des „Zeitmessers für die Tage bis zum Weihnachtsfest“ zusammengetragen. Die Ausstellung „Warten auf Weihnachten“ ist noch bis zum 16. Januar im Heimatmuseum in der Friedrichstraße zu Gast.

Der Adventskalender als „Zeichen der herannahenden Weihnacht“ hat sich Angelika Salzwedel zufolge aus „Zählbräuchen vom 1. bis 24. Dezember“ entwickelt, die es in protestantischen Gegenden seit Mitte des 19. Jahrhunderts gibt. Von Johann Hinrich Wichers (1808-1881), dem Leiter des 1833 gegründeten „Rauhen Hauses“ für elternlose Knaben in Hamburg-Horn, ist die früheste Form dieses Zählens der Tage bis zum Heiligen Abend überliefert. Wichers zündete in der Vorweihnachtszeit jeden Tag eine neue Kerze zum gemeinsamen Gebet an. „Daraus entstand unser Adventskranz und auch der Adventskalender als Zeitmesser für die Tage bis zum Weihnachtsfest“, sagt Angelika Salzwedel. Eine Vorstufe des Adventskalenders war die „Weihnachtsuhr“. „Was lag näher, als den Kindern eine Uhr zu basteln, auf der von 13 bis 24 Uhr die Tage bis Weihnachten stehen? Dann gab es noch eine Uhr von 1 bis 12 Uhr, also für die ersten zwölf Tage.“ Die ersten gedruckten Adventskalender wurden ab 1908 von der Firma „Reichhold & Lang“ in München produziert. „Der Verlagsleiter bezeichnete sich als Erfinder des Adventskalenders“, weiß Angelika Salzwedel. Mädchen und Jungen von heute wären wahrscheinlich ziemlich enttäuscht, wenn sie die Zeit bis Weihnachten mit einem Adventskalender von vor 100 Jahren zubringen müssten. Hinter den Fenstern und Türen dieser Kalender verbargen sich nämlich keineswegs Süßigkeiten oder gar Spielzeug. Es handelte sich vielmehr um „hübsch illustrierte bunte Kalender mit aufklappbaren Fensterchen, hinter denen Tag für Tag ein neues kleines Bildchen erschien.“ Oder nicht mal Bildchen, sondern erbauliche Weisheiten. „Es gab Kalender, hinter deren Fenstern religiöse Sprüche zu Tage traten“, berichtet Angelika Salzwedel, „zum Teil waren dies aufklappbare Kalender, hinter die man eine Kerze stellen konnte, um alles zu erleuchten.“

Eine der bekanntesten Illustratorinnen von Adventskalendern in den 1920er und 30er Jahren war die Künstlerin Dora Baum. Im Hohenwestedter Heimatmuseum ist ein Reprint (1990) des legendären dreidimensionalen Adventshäuschens ausgestellt, das Dora Baum 1925 illustrierte. Die ältesten Originalkalender, die Angelika Salzwedel zeigt, stammen aus den 30er Jahren. Stolz ist die Itzehoerin ebenfalls auf die DDR-Adventskalender, die sie in ihrer Ausstellung präsentieren kann. „In der DDR gab es keine Engel, sondern Jahresend-Flügelfiguren, und wenn man genau hinsieht, findet man auch einen kleinen Weihnachtsmann.“

Im Rahmen ihrer volkskundlichen Forschung stieß Angelika Salzwedel unter anderem auch auf rund 50 Jahre alte „Langspielplatten mit Weihnachtsliedern, deren Hüllen als Adventskalender dienten“. Zwei dieser LPs sind im Museum in der Friedrichstraße zu bewundern. „In den 70er bis 90er Jahren besann man sich dann auf Handarbeiten. Die Adventskalender wurden selbst gestaltet – mit Stickbildern und Ringen für Päckchen und kleine Geschenke.“ Etwa 20 Jahre alt ist ein Holz-Schneemann mit Schubladen zum Befüllen, den Angelika Salzwedel zeitweise einsetzte, um auch ihrem Hund die Zeit bis Weihnachten mit täglichen Leckerlis zu verkürzen.

„Heute gibt es Adventskalender mit viel Schokolade von allen namhaften Schokoladenherstellern, in enorm großen Aufmachungen. Ich frage mich nur: Wann soll ein Kind das alles essen?“ Ein neuer Trend sind zum Beispiel Aufstellkalender mit kleinen Büchlein für jeden Tag. „Das finde ich sehr nett“, vermerkt Angelika Salzwedel, „hier müssen die Eltern sich hinsetzen und dem Kind einen kleinen Vers oder ein paar Sätze vorlesen. So einen Kalender habe ich meinem Enkel auch geschenkt, wobei er mir aber mit seinen dreieinhalb Jahren auch sagte, dass er noch gern einen mit ‚Schoko‘ dazu hätte.“





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