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Aquarellmalerei : Zeichnen, Zeichnen, Zeichnen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Im Nordkolleg fand ein grafisches Trainingslager mit Tom Breitenfeldt und Wolf-Rüdiger Marunde statt. Die Ergebnisse können am Sonnabend in einer Werkschau Begutachtet werden.

shz.de von
erstellt am 30.Aug.2013 | 08:00 Uhr

Auf dem Tisch stapeln sich alte Fondueteller. Die hat sich Wolf-Rüdiger Marunde gewünscht, und das Nordkolleg hat sie besorgt. Marunde, bekannt durch seine Cartoons zum Landleben, unterrichtet am Kanal Aquarellmalerei. In den Tellern werden die Farben angemischt. Cartoons und Aquarell – nein, das schließt einander nicht aus, sagt Marunde. „Ich habe 1980 mit Aquarell angefangen.“ Damit konnte der gelernte Presse-Illustrator große Formate anfertigen. „Es war ein Experiment“ sagt er zu den ersten malerischen Cartoons in der „Brigitte“. Eines, das zum Erfolgsmodell wurde.

Genau wie das Grafische Trainingslager am Nordkolleg: Vor 24 Jahren wurde es von F.W. Bernstein, dem Meister der komischen Kunst, ins Leben gerufen. Seitdem besuchen etliche Profi- wie Hobbykünstler das Seminar immer wieder, inzwischen sind es 30 Teilnehmer pro Veranstaltung. „Sie kommen, um zu vergessen“, beschreibt der gebürtige Flensburger Illustrator Tom Breitenfeldt die Intention. Viele Profis würden sich dabei ertappen, irgendwann nur noch die Standards „herunterzureißen“. Sie wollen die Routine durchbrechen und einmal neue Techniken kennen lernen.

Breitenfeldt ist jetzt im vierten Jahr Leiter des Kurses und freut sich über die Unterstützung durch einen bekannten Kollegen. „Es ist für mich eine große Ehre und ein Vergnügen“, sagt er, der bis 2007 regelmäßig in der „Frankfurter Rundschau“ vertreten war, über den Einsatz von Marunde. Der wiederum freut sich, dass er endlich mal Zeit gefunden hat, denn von dem Trainingslager hatten ihm Kollegen schon vorge-schwärmt.

Marunde ist gebürtiger Hamburger (Jahrgang 1954), hat eine Zeitlang in Schleswig-Holstein gelebt und ist jetzt auf einem ehemaligen Bauernhof im niedersächsischen Landkreis Lüchow-Dannenberg zu Hause. „Ein großer al-ter Hof mit Garten, Streuobstwiesen, aber ohne Tiere“, erzählt er und fügt hinzu: „In dieser Umgebung fühle ich mich wohl.“ In der Stadt habe er nie gelebt. Diese würde ihn auch nicht inspirieren. Aber immer wieder Wolken und Landschaften – das sei malerisch sehr befriedigend. Außerdem habe er unter den Landwirten viele Freunde. Die erzählen ihm lustige oder skurrile Begebenheiten, die er dann in seinen großartigen Cartoons umsetzt – meist in der Aquarelltechnik, zu 20 bis 30 Prozent in Öl und manchmal auch am Computer. Die Ergebnisse erscheinen seit einigen Jahren wöchentlich in der „Hör Zu“; aber auch in Buchform.

Aquarell ist eine „tolle Technik, die zu selten ausgeübt wird“, meint Wolf-Rüdiger Marunde. Er hat sich in über 30 Jahren einen Fundus von Tricks und Kniffen erarbeitet, von dem er in Rendsburg einiges weiter geben möchte. „Die meisten wissen relativ wenig über die Aquarelltechnik“, so der bekannte Cartoonist. Sie als illustrative und nicht als künstlerische Technik einzusetzen, sei zudem selten. „Man muss bereit sein, sich von der Vorzeichnung zu verabschieden“, erklärt er und manchmal „das Wasser einfach laufen lassen“.

Zwar wird intensiv gearbeitet, auch schon mal bis in die Nacht, doch es ist „eine kulturelle Pfadfinderatmosphäre“, beschreibt Marunde die entspann-te Stimmung. Außerdem schätzen die Teilnehmer das Seminar, um sich untereinander zu helfen, sich auszutauschen – denn ansonsten sind die Zeichner Einzelkämpfer. Die Werkschau am Sonnabend – zu der interessierte Gäste herzlich willkommen sind – ist dann „ein kleines Ritual, um eine energiereiche Woche abzuschließen,“ erklärt Tom Breitenfeldt. Zahlreiche Bilder werden die Stellwände zieren – nicht alle fertig, aber darum ist es ja auch keine Ausstellung.

Breitenfeldt wird danach in den Künstlerort Daugast am Jadebusen zu-rück kehren, wo er seit einigen Jahren lebt. Nein, nicht nach Oldenburg. Das steht zwar als Wohnort auf seiner Internet-Seite, „aber die ist schon seit Jahren eine Baustelle“, gesteht er verschämt.

Marunde reist schon vorher ab – im Gepäck jedoch Phlox-Ableger aus dem Nordkolleg-Garten, die ihm Gärtner Jochen Bock eigenhändig ausgegraben hat.

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