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Rendsburg-Eckernförde : Zahl der minderjährigen Flüchtlinge verdreifacht sich

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Rendsburger Erstaufnahmelager sorgt für sprunghaften Anstieg. Kreis auf der Suche nach Vormündern.

shz.de von
erstellt am 19.Sep.2015 | 06:00 Uhr

Im Kreis Rendsburg-Eckernförde kommen immer mehr junge Flüchtlinge unter 18 Jahren ohne Begleitung eines Erwachsenen an. Das stellt das Jugendamt vor Probleme, denn das ist eigentlich auf eine ganz andere Klientel eingestellt. Es muss die Jugendlichen, die aus dem nahen Osten, Afrika oder Afghanistan kommen, aber in seine Obhut nehmen. Darauf wies der Leiter des Fachbereich „Jugend und Familie“, Norbert Schmidt, jetzt im Jugendhilfeausschuss hin. Zudem steigen die Kosten für diese Hilfe immens.

Bis Mitte dieser Woche wuchs die Zahl minderjähriger Flüchtlinge laut Norbert Schmidt ohne Begleitung auf 63 an. Das ist ein sprunghafter Anstieg um 44 Kinder und Jugendliche, denn: „Im laufenden Jahr hat das Kreisjugendamt Rendsburg-Eckernförde bis zum August insgesamt 19 unbegleitete junge Flüchtlinge in Obhut genommen“, berichtete Schmidt dem Ausschuss.

„Die wachsende Zahl junger Flüchtlinge ist eine Herausforderung für die Jugendhilfe“, so der Fachbereichsleiter. Vor allem, weil die Neuankömmlinge „gekommen sind, um zu bleiben“. Bis in den August hinein sei die Situation noch anders gewesen: Bei den jungen Flüchtlingen handelte es sich vor allem um Durchreisende, die an der Autobahn 7 in den Hüttener Bergen oder allein im Zug auf dem Weg nach Skandinavien aufgegriffen worden seien. Die Betreuungszeit sei daraufhin meistens sehr kurz. „Die haben sich von allein wieder auf den Weg gemacht“, sagte Schmidt. Es bestehe schließlich kein Zwang, in der Betreuung des Jugendamtes zu bleiben.

Hauptgrund für den jüngsten Zuwachs ist die Einrichtung des zentralen Aufnahmelagers in Rendsburg. Norbert Schmidt ist sich sicher, dass dort nicht nur Kinder und Jugendliche ankommen, die über die Landesverwaltung zugewiesen werden. Das Lager entwickle auch für ungesteuerten Zuzug eine Anziehungskraft. Somit sei es eine gezielte Anlaufstelle – ob für junge Flüchtlinge auf eigene Faust oder sogar für Schlepper, darüber wollte Norbert Schmidt nicht spekulieren. „In aller Regel handelt es sich um junge Männer zwischen 16 und 18 Jahren, die allein unterwegs sind“, erklärte er. Deren Betreuung stellt die Mitarbeiter in den Jugendhilfeeinrichtungen vor neue Herausforderungen. Denn die sind auf Kinder und Jugendliche eingestellt, bei denen es in der Familie Schwierigkeiten bei der Erziehung gab. Stattdessen müsse die Hilfe-Struktur auf Integration ausgerichtet werden. Zudem gebe es in den von zumeist freien Trägern betriebenen Einrichtungen nicht genug Kapazitäten. Erste Lösungen waren bereits gefunden worden, als bekannt wurde, dass in Rendsburg ein Aufnahmelager errichtet wird. So wurden zum Beispiel Wohnungen angemietet. Vor allem dieser Punkt habe auch finanzielle Konsequenzen. Laut Landrat Dr. Rolf-Oliver Schwemer auf Nachfrage der Landeszeitung sei mit einem Anstieg der Kosten für die Jugendhilfe um 2,2 Millionen Euro zu rechnen.

Eine weitere Schwierigkeit zeige sich laut Norbert Schmidt darin, dass für die jungen Flüchtlinge Vormünder gebraucht werden. Die seien schon für deutsche Kinder und Jugendliche kaum zu finden. Bei den Neuankömmlingen kommen noch sprachliche und kulturelle Unterschiede hinzu.

„Das alles macht derzeit richtig Stress“, sagte Schmidt. Doch er sehe „Licht am Ende des Tunnels“. Denn eine Gesetzesänderung bewirke, dass minderjährige unbegleitete Flüchtlinge ab 2016 nach einem Schlüssel auf die Länder verteilt werden sollen. Schleswig-Holstein will dann mehrere zentrale Inobhutnahmestellen schaffen, wo unter anderem bereits Herkunft und Fluchtgründe geklärt sowie gesundheitliche Untersuchungen vorgenommen werden. „Wenn sie dann zu uns kommen, können wir uns auf die Integration konzentrieren.“

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