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Rendsburg-Eckernförde : Zahl der Asylbewerber verdoppelt sich

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Kreisverwaltung erhöht ihre Prognose von 900 auf 1800 Neuankömmlinge in diesem Jahr. Kritik an der Zuteilungspraxis des Landes.

Die Zahl der Flüchtlinge im Kreis Rendsburg-Eckernförde erreicht eine nie gekannte Höhe: Die Verwaltung hat ihre Prognose für dieses Jahr gerade verdoppelt. Demnach rechnet der Kreis mit insgesamt 1800 Asylbewerbern und Spätaussiedlern in diesem Jahr. Vor zwei Monaten war noch von rund 900 Neuankömmlingen bis Ende Dezember die Rede. Die Steigerung um 100 Prozent erhöht den Druck auf die Ämter und Gemeinden weiter. Sie müssen nun für Unterkünfte für viel mehr Flüchtlinge sorgen, als sie bisher geplant haben (siehe Infokasten). Erstmals muss sich auch die Stadt Rendsburg über die Gemeinschaftsunterkunft hinaus daran beteiligen. Ihr werden voraussichtlich 100 Asylbewerber zusätzlich zugewiesen.

Gestern sind die Städte, Ämter und Gemeinden von der Kreisverwaltung über die Neuberechnung informiert worden. „Aufgrund der bisherigen Zugangsentwicklung werden die Zuweisungen von 900 Personen auf 1800 für dieses Jahr korrigiert“, heißt es in dem Schreiben. Die Prognose beruht laut Dr. Thilo Rohlfs auf einer eigenen Berechnung des Kreises. „Wir haben uns nie auf die Zahlen vom Bund und vom Land verlassen. Unsere eigene Prognose halten wir für realistischer, das hat sich bereits in der Vergangenheit gezeigt“, sagte der Fachdienstleiter der Allgemeinen Ordnungsverwaltung. Beide haben ihm zufolge immer zu wenige Flüchtlinge angekündigt. In den vergangenen drei Jahren haben die Zugangszahlen von Januar bis März im Mittel bei knapp 18 Prozent der im Gesamtjahr aufgenommenen Menschen gelegen. Bis Ende dieses Monats werden es laut Rohlfs 326 sein. Daraus ergebe sich eine Prognose von 1821 Flüchtlingen bis Ende des Jahres.

„Die Unterbringung von Asylbewerbern ist nach wie vor eine riesige Herausforderung für die Ämter und Gemeinden“, sagte Rohlfs. Obwohl der Kreis im Januar angekündigt hatte, strenger nach der Einwohnerquote zuzuweisen, werde weiterhin versucht, auf die Wohnraum-Kapazitäten vor Ort Rücksicht zu nehmen. Es sei aber klar, dass auch der Bund und das Land helfen müssen. „Wir brauchen jetzt die Erweiterung der Gemeinschaftsunterkunft in Rendsburg“, sagte er. Der Bund müsse dem Kreis entgegen kommen. Eine Entscheidung des Haushaltsausschusses im Bundestag steht jedoch noch immer aus (wir berichteten). Dort soll entschieden werden, ob und in welcher Höhe ein Preisnachlass auf das Gebäude der ehemaligen Bundeswehr-Standortverwaltung an der Kaiserstraße gegeben wird. Nur nach der Erweiterung auf 90 Plätze entspanne sich die Situation für die Gemeinden etwas, denn dadurch werde etwas Zeit gewonnen, bevor die Asylbewerber weiterverteilt werden. Das sei derzeit nicht möglich, weil alle 66 Plätze belegt seien.

Zudem bestärkte Rohlfs seine Kritik an der Praxis des Landes, die Flüchtlinge aus der Erstaufnahmeeinrichtung in Neumünster in die Kreise weiterzuschicken, bevor die überhaupt einen Antrag auf Asyl gestellt haben. Dadurch müsse mühsam eine Bleibe für Menschen gefunden werden, die von vorn herein keine Aussicht auf Gewährung eines Asylantrags haben. Zudem belaste es die Neuankömmlinge, wenn sie zur Antragstellung und zur Anhörung noch zwei Mal nach Neumünster reisen müssen. Die Unterbringungssituation sei derzeit zwar angespannt, aber nicht aussichtslos. „Die Ämter und Gemeinden haben viel getan“, sagte Rohlfs. Die Zusammenarbeit mit der Kreisverwaltung funktioniere gut.

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erstellt am 25.Mär.2015 | 06:00 Uhr

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