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Kreis Rendsburg-Eckernförde : Zähe Verhandlungen um die Leitstelle

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Durch Neubau der Zentrale in Kiel steigen die Kosten. Rendsburg-Eckernförde fordert Einsatz- statt Einwohnerzahlen als Berechnungsgrundlage.

Die Einsatzzahlen von Feuerwehr und Rettungsdiensten steigen stark – deshalb gerät auch die Leitstelle in Kiel an ihre Grenzen. Von dort aus werden jährlich rund 2200 Feuerwehreinsätze sowie fast 28 000 Rettungs- und Krankentransporte in Rendsburg-Eckernförde koordiniert, zur Zufriedenheit der Kreisverwaltung. Durch den Neubau der Integrierten Regionalleitstelle Mitte kommen jedoch höhere Kosten auf den Kreis zu (wir berichteten). Um die abzufedern soll eine andere Berechnungsgrundlage angewendet werden.

Wenn Oliver Karsten (30) in der Leitstelle Notrufe über die 112 annimmt, muss er sekundenschnell entscheiden, was zu tun ist. „Am Haus gegenüber qualmt es“, meldete etwa gestern gegen elf Uhr eine Anruferin. Doch Karsten schickte nicht die Feuerwehr, sondern bat erst einmal die Polizei, eine Streife zu entsenden. Durch geschicktes Fragen hatte er festgestellt, dass es sich kaum um ein größeres Feuer handeln konnte. Zudem wären um die Uhrzeit vermutlich mehr Anrufe eingegangen, wenn es wirklich gebrannt hätte. Kurze Zeit später Entwarnung durch die Polizei: Jemand hatte im Hinterhof einen Grill entzündet. Nicht alle der rund 2000 Anrufe am Tag verlaufen so ruhig, berichtet Henrik Lehn, der Leiter der Leitstelle. „Wir haben oft Anrufer, die nur schreien. Trotzdem muss der Disponent schnell erfahren, was los ist“, sagt er. „Hinter jedem Anruf steckt eine Dramatik.“ Etwa, wenn eine Mutter wegen ihres leblosen Säuglings den Notruf wähle: „Dann muss der Disponent Anleitung zur ersten Hilfe geben und gleichzeitig den Rettungsdienst koordinieren.“ Danach warte dann oft der nächste Anruf mit einer völlig anderen Problematik. „Eine Reanimationsanleitung per Telefon geben wir mindestens einmal am Tag“, sagt Lehn. Das zeige, wie anspruchsvoll die Arbeit der Disponenten ist.

30 Mitarbeiter können in den Zwölf-Stunden-Schichten rund um die Uhr eingesetzt werden, immer sieben gleichzeitig. Die sind dann laut Lehn für 660 000 Menschen in den Kreisen Rendsburg-Eckernförde und Plön sowie in der Landeshauptstadt Kiel zuständig. Während der Urlaubssaison im Sommer seien es erheblich mehr. Bis 2025 werde wegen des demografischen Wandels zudem mit einer Steigerung der Einsatzzahlen um 20 bis 30 Prozent gerechnet. Deshalb wird mit mehr Arbeitsplätzen in der neuen Leitstelle geplant. Zudem erfordern zeitgemäße Technikausstattung und neue Vorschriften mehr Platz. Für einen Arbeitsplatz wie den des Disponenten Oliver Karsten mit allein vier Bildschirmen werden 20 Quadratmeter Fläche benötigt, rechnet Henrik Lehn vor. Im neuen Gebäude, das Ende 2017 fertig sein soll, werden 13 dieser Plätze zur Verfügung stehen.

Dr. Thilo Rohlfs von der Kreisverwaltung bestätigt: „Wir halten die Bestimmungen im Arbeitsschutz jetzt schon nicht ein.“ Ihm zufolge könne der Kreis allein aus finanziellen Gründen keine eigene Leitstelle mehr tragen. Insgesamt überweise die Verwaltung jährlich rund eine Million Euro für den Betrieb nach Kiel.

Das gesamte Investitionsvolumen für den Neubau beträgt fünf Millionen Euro, getragen von der Landeshauptstadt. Die holt sich die Anteile der Kreise über jährliche Mieten zurück. Der Anteil Rendsburg-Eckernfördes liegt demnach bei rund 100 000 Euro – berechnet nach dem Anteil der Einwohner des Kreises am Einzugsgebiet der Leitstelle. Für die alte, längst abgeschriebene Leitstelle sind es nur 4300 Euro. Die Krankenkassen erstatten dem Kreis jeweils 60 Prozent der Kosten.

Auf Antrag des Hauptausschusses berät eine Arbeitsgruppe der drei Verwaltungen derzeit jedoch, ob als Kostenschlüssel die Einsatzzahlen zugrunde gelegt werden können. Demnach müsste Rendsburg-Eckernförde nicht rund 40 Prozent der Kosten tragen, sondern knapp über 30 Prozent. In Kiel ereignet sich demnach mehr als die Hälfte der Einsätze, im Kreis Plön über 15 Prozent. „Die Verhandlungen sind zäh“, sagte Thilo Rohlfs in der vergangenen Hauptausschuss-Sitzung. In den nächsten Wochen wird ein Vorschlag erwartet.

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erstellt am 28.Okt.2014 | 13:34 Uhr

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