Solarpark-Gelände Rendsburg : Wurden 300 Kiefern unerlaubt gefällt?

Viel Holz: Einige der gerodeten Kiefern auf dem ehemaligen Kasernenareal. Foto: Höfer
Viel Holz: Einige der gerodeten Kiefern auf dem ehemaligen Kasernenareal. Foto: Höfer

Das Abholzen von Bäumen auf dem Gelände der ehemaligen Schmid-Kaserne in Rendsburg sorgt für Ärger. War dieser Kahlschlag überhaupt genehmigt?

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24. März 2012, 11:51 Uhr

Rendsburg | Auf dem Gelände der ehemaligen Schmid-Kaserne soll noch in diesem Jahr ein Solarpark entstehen und ans Netz gehen. Hinter dem Zaun entlang der Schleswiger Chaussee liegen seit kurzem mehrere hundert Kiefern. Alle fielen der Motorsäge zum Opfer. Einige der Stämme haben einen geschätzten Durchmesser von 60 bis 70 Zentimetern, der Großteil ist etwa halb so dick. War dieser Kahlschlag auf einer Länge von rund 200 Metern im nordöstlichsten Winkel des ehemaligen militärischen Areals genehmigt?
Antwort: möglicherweise nicht. Zwar gibt es eine amtliche Erlaubnis für das Abholzen von Bäumen und Hecken auf dem ausgedienten Kasernengelände. Nach Auskunft der zuständigen Unteren Naturschutzbehörde (UNB) des Kreises wurde diese Lizenz am 12. März erteilt, obwohl für den Solarpark noch kein rechtskräftiger B-Plan vorliegt. Grund für die Ausnahme war die Frist zur Knickpflege. Sie erlaubt Baumfällungen aus Naturschutzgründen nur bis zum 15. März. Allerdings: In einer UNB-Akte wird das besagte Kieferngehölz an der Schleswiger Chaussee als schützenswert dargestellt. Es durfte nicht gerodet werden. "Ich weiß jedoch nicht, ob dies noch dem aktuellen Stand entspricht, wir werden das prüfen", sagte Dr. Alexander Herzog, Fachdienstleiter Bauaufsicht und Naturschutz bei der Unteren Naturschutzbehörde. Bereits gestern habe sich einer seiner Mitarbeiter vor Ort ein Bild vom Ausmaß der Baumfällungen gemacht - auch weil es Anfragen von besorgten Bürgern gegeben habe. "Uns liegen weitere Hinweise auf Verstöße gegen das Naturschutzrecht vor, dem gehen wir nach", so Herzog. Im B-Plan, auf den sich die Fällgenehmigung bezieht, ist von 300 Kiefern die Rede, acht Meter hoch, Stammstärke zehn bis 25 Zentimeter. Geprüft werde auch, so Herzog, ob die jetzt gefällten Bäume diesen Angaben entsprechen oder womöglich deutlich größer sind.
Eigentümer des ehemaligen Kasernengeländes ist seit Ende Januar die Thielen Projektträgergesellschaft mit Sitz in Goch, Nordrhein-Westfalen. Unter dem Namen "Oktogon" sollen das 43-Hektar-Kasernenareal und die brach liegende Kleingartenanlage "Erholung" in ein Gewerbequartier mit dem Schwerpunkt Energie verwandelt werden. Dazu zählt ein Solarpark, der als erster Bauabschnitt auf einem 15 Hektar großen Teilareal entstehen soll. Auf der durch die Baumfällung freigewordenen Fläche sind zwei jeweils etwa Fußballfeld-große Photovoltaik-Module einen Steinwurf neben der Schleswiger Chaussee vorgesehen. Geplant ist, dass der Solarpark ab dem Sommer Strom produziert.

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