Nortorf : Wütender Gatte biss Nebenbuhler ins Gesicht

Der Bürgermeister bittet Zeugen, sich bei ihm oder der Polizei zu melden.
Der Bürgermeister bittet Zeugen, sich bei ihm oder der Polizei zu melden.

Amtsgericht stellt Verfahren gegen einen 46-Jährigen gegen Auflagen ein: Angeklagter muss insgesamt 3000 Euro zahlen.

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20. Dezember 2017, 08:55 Uhr

Am frühen Morgen des 29. November 2016 schickte Mahamudi L. seinem Bekannten Amir M. per Whatsapp zunächst eine Drohbotschaft. Gegen sieben Uhr tauchte der 46-Jährige dann in der Wohnung von Amir M. in Nortorf auf. Er trat die Tür ein und ging in die Wohnung – bewaffnet mit einer Axt. Doch Amir M. reagierte schnell, rannte auf den Eindringling zu und packte die Waffe. Es folgte ein Handgemenge, in dessen Verlauf die beiden Kontrahenten zu Boden gingen. Mahamudi L. biss den 27-Jährigen Studenten dabei drei Mal – davon einmal ins Gesicht. Schließlich griffen Nachbarn ein und alarmierten die Polizei. Gestern wurde der Fall vor dem Rendsburger Schöffengericht verhandelt. Ein Urteil wurde nicht gefällt. Das Verfahren wurde gegen Auflage eingestellt. Der Beschuldigte muss 2000 Euro an den Geschädigten zahlen und weitere 1000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung.

Der Grund für den Angriff war, dass Mahamudi L. in dem Studenten einen Nebenbuhler sah. Er verdächtigte ihn, ein Verhältnis mit seiner von ihm mittlerweile getrennt lebenden Ehefrau zu haben. Der 46-Jährige, der beim Arbeitsamt arbeitet, gab im Prozess an, die beiden mehrfach miteinander gesehen zu haben. Zu wissen, dass seine Frau sich heimlich mit einem anderen Mann trifft, machte Mahamudi L. fast verrückt. „Ich hätte nie gedacht, dass sie fremd geht. Ich war schockiert“, berichtete er. Gemeinsam mit seiner Gattin hat er zwei Kinder im Alter von elf und sieben Jahren. Dass seine Ehe, auf die er immer „sehr stolz“ gewesen war, auf einmal kaputt gehen sollte, wollte er nicht zulassen.

„Ich wollte meine Ehe retten – auch meine Kinder“, gab er vor dem Schöffengericht als Motiv an. Außerdem wollte er nicht, dass Amir M. mit seinem Verhalten ungeschoren davonkommt. „Ich wollte ihm zeigen, dass er mein Leben und das meiner Kinder zerstört“, sagte der Angeklagte. Dieses Bedürfnis nach Vergeltung konnte er an besagtem Morgen nicht zurückhalten. Auf dem Weg zur Arbeit drehte er plötzlich um und fuhr zur Wohnung von Amir M. Vorher legte er noch einen Zwischenstopp bei sich zu Hause ein, um eine Axt mitzunehmen – nach eigener Aussage lediglich, um sich Zutritt zur Wohnung des Studenten zu verschaffen.

Amir M. wurde in der Verhandlung als Zeuge gehört. Er bestätigte, ein sexuelles Verhältnis zur Frau des Angeklagten unterhalten zu haben. Essentiell für den Ausgang des Verfahrens war seine Aussage, dass Mahamudi L. die Axt lediglich ruhig vor dem Körper hielt, als er in die Wohnung eindrang. In der Vernehmung hatte der Student noch angegeben, sein Kontrahent habe versucht, ihn mit der Axt zu schlagen, berichtete Staatsanwältin Miriam Münstermann. Diese neue Information hat die Anklage „sehr relativiert“, sagte Gerhard Hillebrand, Anwalt des Beschuldigten. Zugunsten des Beschuldigten sprach zudem, dass er bislang ein unbescholtener Bürger war. Mahamudi L. selbst bezeichnet sich als „Beispiel für gelungene Integration“. Vor 24 Jahren kam er als Asylbewerber nach Deutschland. Mittlerweile hat er ein abgeschlossenes Studium vorzuweisen, engagiert sich als Fußballtrainer und hat einen Job beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in Aussicht.

Zudem zeigte er Reue. „Was geschehen ist, tut mir wirklich leid. Aber in dem Moment, in dem das passiert ist, wollte ich jemandem die Schuld geben“, sagte er. Aggressivität und Streitlustigkeit gehörten nicht zu seiner „Lebensart“, beteuerte er. Richterin Birka Knuth wies zwar daraufhin, dass ein Mensch sich auch in Krisensituationen im Griff haben müsse, doch am Ende entschieden sie und die beiden Schöffen sich, dem Antrag von Verteidiger Hillebrand auf eine Einstellung des Prozesses gegen Auflage stattzugeben. „Das ist eine riesengroße Chance“, sagte sie in Richtung von Mahamudi L. Sie mahnte aber auch: Wenn die auferlegten Zahlungen nicht vollzogen würden, „sehen wir uns wieder. Und dann haben Sie ein Urteil zu erwarten.“

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