Rendsburg-Eckernförde : Wohin mit 300 000 Euro aus dem Windkraftausgleich?

Der Forstwirt Falk Hurrelmann ist seit dem 1. Dezember neuer Leiter der Unteren Naturschutzbehörde.
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Der Forstwirt Falk Hurrelmann ist seit dem 1. Dezember neuer Leiter der Unteren Naturschutzbehörde.

Die Verwaltung will Initiativen vor Ort in die Planung von Naturschutzmaßnahmen einbinden.

shz.de von
20. Januar 2015, 12:15 Uhr

Wo Mensch und Natur von Windkraftanlagen betroffen sind, sollen künftig auch die Ausgleichsgelder hinfließen, die für deren Bau geleistet werden. Dafür gibt sich der Kreis derzeit ein Konzept und will die Bevölkerung dabei stärker einbeziehen. Initiativen vor Ort sind gefragt, ihre Ideen einzubringen. Der neue Leiter der Unteren Naturschutzbehörde, Falk Hurrelmann, stellt die Pläne heute in der gemeinsamen Sitzung des Regionalentwicklungs- mit dem Umwelt- und Bauausschuss vor.

Im vergangenen Jahr hat die Verwaltung 780  000 Euro von Windkraft-Betreibern im Kreis abgerufen. Laut Bundesnaturschutzgesetz muss das Geld für Naturschutz und Landschaftspflege verwendet werden – und das „möglichst im betroffenen Naturraum“. Deshalb sind 480  000 Euro davon für den Kauf von 19 Hektar Flächen ausgegeben worden, etwa in Haby und Aukrug. Auch in Groß Wittensee hat der Kreis eine Fläche gekauft – insgesamt fünf Hektar. Hintergrund ist die Verbesserung der Wasserqualität des Wittensees. Dazu sollen zwei Drittel des Durchflusses der Habyer Au in ein Retensionsbecken geleitet werden, bevor das Wasser in den See fließt. Auf diese Weise sollen sich laut Michael Wittl, Leiter des Fachdienstes Umwelt, die Sedimente und damit auch Nährstoffe wie Phosphor und Stickstoff absetzen. „Dadurch wird verhindert, dass bis zu 100 Kilogramm Phosphor pro Jahr in den See gelangen. Das würde ihm sehr helfen“, so Wittl. Baubeginn sei jedoch frühestens im kommenden Jahr.

Wie die restlichen 300  000 Euro aus 2014 verwendet werden, ist derzeit noch offen. Zudem sind laut Hurrelmann und Wittl in den nächsten Jahren rund zwei Millionen Euro aus vier genehmigten Vorhaben zu erwarten. „Nach Abruf hat der Kreis zwei Jahre Zeit, um das Geld sinnvoll einzusetzen, sonst fällt es dem Umweltministerium zu“, erklärt Michael Wittl. Deshalb sei es wichtig, die Mittel erst abzurufen, wenn klar ist, dass sie auch eingesetzt werden können. Allein der Ankauf von Flächen sei durch hohe Bodenpreise derzeit schwierig.

Deshalb möchte der Kreis die Gemeinden, Vereine und Verbände sowie Einzelakteure einbinden. „Die Betroffenen vor Ort sollen einen Nutzen von den Maßnahmen haben“, sagt Falk Hurrelmann. Davon verspricht sich die Verwaltung mehr Akzeptanz. Gemeinsam könnten Ideen zur Verwendung der Gelder gesammelt werden. Möglich sei auch ein „Ersatzgeldforum“, in dem etwa über neue Biotope, Arten- und Gewässerschutz sowie die Aufwertung von Flächen beraten werde. Damit wolle die Behörde jedoch nicht in Konkurrenz zur Landwirtschaft treten. Deshalb stehen vorrangig um Standorte mit armen Böden oder extrem feuchten Wiesen im Fokus.

Wegen des jüngsten Urteils des Oberverwaltungsgerichts Schleswig (siehe auch Artikel rechts) rechnet Falk Hurrelmann künftig damit, dass der Kreis mehr Ausgleichszahlungen erhält. Die Sitzung findet heute um 17 Uhr im Kreistagssitzungssaal an der Kaiserstraße 8 in Rendsburg statt.

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