Rendsburg : Wochenmarkt in der Nordmarkhalle: Viel mehr als Obst und Gemüse

Auch das ist die Nordmarkhalle: Söster-Ferun Ortlam repariert auf dem Wochenmarkt die Hose eines Stammkunden.
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Auch das ist die Nordmarkhalle: Söster-Ferun Ortlam repariert auf dem Wochenmarkt die Hose eines Stammkunden.

Der Wochenmarkt in der Nordmarkhalle hat eine ganz besondere Auswahl und Atmosphäre. Trotzdem kommen immer weniger Kunden.

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14. April 2018, 09:00 Uhr

Rendsburg | Betritt man das ehrwürdige Gebäude, riecht es nach Oliven und Blumen, nach Knoblauch und Kräutern. Wer am Freitagnachmittag (13 bis 18 Uhr) die historische Nordmarkhalle am Willy-Brandt-Platz besucht, trifft auf Leidenschaft, viel Besonderes und eine eingeschworene Gemeinschaft.

Hajo Hebenstreit kennt viele seiner Kunden persönlich.
Foto: Sauerland
Hajo Hebenstreit kennt viele seiner Kunden persönlich.
 

Einer, der hier zu den Urgesteinen zählt, ist Hajo Hebenstreit. Seit 29 Jahren bietet der 62-jährige Imker die Erzeugnisse seiner Bienenvölker an. Dass er in der Nordmarkhalle schon beinahe zum Inventar gehört, merkt man dem herzlichen Bünsdorfer an, wenn er mit Kunden und Standnachbarn witzelt. Hebenstreit hat viel über den Markt zu sagen. „Am Anfang stand ich da hinten im Durchgang “, erzählt er und deutet zu einem der Eingänge, die zum ehemaligen Güterbahnhof führen. „Diese große Halle, die kleine nebenan, der Platz draußen – alles war voller Stände“, berichtet Hebenstreit aus der Glanzzeit. „Das waren mindestens doppelt so viele wie jetzt.“

Tatsächlich sind die vielen Lücken zwischen den einzelnen Tischen nicht zu übersehen. „Zurzeit sind 40 Händler in der Nordmarkhalle gemeldet, vor fünf Jahren waren es zehn mehr“, so Jennifer Bock aus dem Rathaus. Die Nachfrage sinkt. „Der Tunnel ist ein großes Problem“, meint Hebenstreit. Viele Kunden aus den Dörfern südlich des Kanals haben wegen der Bauarbeiten keine Lust mehr, die Fahrt auf sich zu nehmen. Doch Käufer aus dem Umland sind für die Händler in der Nordmarkhalle besonders wichtig: „Die Rendsburger gehen eher auf den Schiffbrückenplatz. Von unserem Wochenmarkt wissen viele nicht einmal“, berichten sie einstimmig. Außerdem beklagen viele die Konkurrenz durch den Discounter in der Nähe.

„Für uns ist der Supermarkt kein Ersatz“, sind sich Barbara und Hans-Dieter Simunek aus Fockbek einig. Seit über 20 Jahren kommen sie regelmäßig in die Halle, um ihren Einkauf für die Woche zu ergänzen. „Das Ambiente und die Händler hier sind einfach besonders.“

Außergewöhnliche Dienstleister sind das Alleinstellungsmerkmal des Wochenmarkts in der Nordmarkhalle. Zu ihnen gehört Söster-Ferun Ortlam. Seit zwölf Jahren sitzt die 75-Jährige mit ihrer Nähmaschine in der Nähe des Hintereingangs und „erfüllt Kundenwünsche“, wie sie selbst sagt. „Ich nähe auf Wunsch, flicke Löcher und repariere Reißverschlüsse“, sagt die Rendsburgerin, die gerade die Hose eines Kunden unter der Nadel hat. Für Nachhaltigkeit engagiert sich auch Mona Schmidt. Die Rendsburgerin mit dem kunterbunten Stand schneidert aus alten Kleidern Neues. „Die Leute schmeißen so viel weg, ich möchte etwas dagegen tun“, sagt die 71-Jährige.

Neue Mode aus alten Stoffen gibt es bei Mona Schmidt.
Foto: Sauerland
Neue Mode aus alten Stoffen gibt es bei Mona Schmidt.

Für die Nordmarkhalle hat sie eine besondere Vision: „Ich wünsche mir, dass mehr Leute erkennen, wie toll diese Halle und die Gemeinschaft hier ist. Schön wäre etwas mehr Multikulti – afrikanische oder türkische Spezialitäten zum Beispiel.“ Egal, wen man in der Nordmarkhalle befragt, in einem sind sich alle einig: Ihr Wochenmarkt liegt den Menschen hier am Herzen.

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