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Bundesbehörde in Ex-Kaserne : Wo sich Schicksale entscheiden

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge unterhält seit dem Sommer eine Außenstelle in Rendsburg. In einem ehemaligen Bundeswehr-Gebäude wird über tausende Asylanträge entschieden.

shz.de von
erstellt am 06.Dez.2016 | 06:17 Uhr

In diesem Haus wird über Lebenswege entschieden. Darf der Asylsuchende in Deutschland bleiben oder muss er zurück in seine Heimat? Bekommt ein Flüchtling den vollen oder nur untergeordneten, den sogenannten subsidiären Schutz? Darüber und über andere Fragen befinden ausgewählte Mitarbeiter des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, kurz Bamf. Seit dem Sommer unterhält die Bundesbehörde eine Außenstelle in Rendsburg. 41 Mitarbeiter sind in einem ehemaligen Bundeswehr-Gebäude an der Schleswiger Chaussee tätig.

Noch Anfang 2015 hatte das Bundesamt 2350 Mitarbeiter, inzwischen sind es rund 10  000. Mit großem Personalaufwand und einer veränderten Struktur soll der Berg an Asylanträgen aus der Flüchtlingswelle im vergangenen Jahr abgetragen werden. Im hohen Norden ist zumindest der erste Schritt zu diesem Ziel geschafft. „In Schleswig-Holstein haben alle Flüchtlinge, die 2015 zu uns gekommen sind, inzwischen einen Asylantrag gestellt“, sagt Thomas Wehner, Leiter der Außenstelle. Sie ist auf dem Gelände der einstigen Feldwebel-Schmid-Kaserne (heute Oktogon-Gewerbepark) untergebracht. Seit Mitte Juni wurden in Rendsburg rund 4000 Anträge entgegen genommen.

Doch ein Schutzgesuch, das formell eingereicht wurde, ist noch längst nicht bearbeitet. Dieser Prozess kann wenige Tage, aber auch mehrere Wochen oder sogar Monate dauern. Komplexer gelagerte Fälle erfordern eine mitunter aufwändige Recherche. Wichtigster Teil der Entscheidungsfindung ist das persönliche Gespräch. Jeder Asylsuchende muss zum Interview in Rendsburg erscheinen. „Die Anhörung ist das Herzstück des Asylverfahrens“, erklärt Bamf-Sprecher Thomas Ritter. Das Gespräch, auf das Flüchtlinge oft viele Monate warten müssen, soll klären, ob der Antragsteller zu Recht Schutz vor Verfolgung beanspruchen kann. „Wir möchten herausfinden, ob das, was die Antragsteller uns schildern, auch der Wahrheit entspricht. Die Geschichte muss in sich stimmig sein“, so Referatsleiter Wehner. Dabei setzen die Behördenmitarbeiter auch Kontrollfragen ein. Sie erkundigen sich zum Beispiel nach Details, die Ortskenntnisse in dem jeweiligen Herkunftsland erfordern. Wehner: „Wenn jemand flüssig erzählt, was er nur aus eigenem Erleben wissen kann, dann spricht das für ihn.“ Anerkannte Übersetzer helfen bei dem nicht immer leichten Austausch. Das Gespräch wird protokolliert und auf Wunsch in die Muttersprache des Ankömmlings zurückübersetzt.

Vor ihrer ersten Anhörung durchlaufen die Bamf-Bediensteten, von denen einige aus der Telekom-Auffanggesellschaft „Vivento“ kommen, eine sechswöchige Ausbildung und werden von erfahrenen Kollegen unterstützt. In Rendsburg sind 13 Mitarbeiter befugt, am Ende des Verfahrens das letzte Wort im Einzelfall zu sprechen. Sie nennen sich „Entscheider“.

Den kürzesten Weg zur Anhörung haben jene Migranten, die in der benachbarten Erstaufnahmeeinrichtung untergebracht sind. Derzeit ist sie nur zu 13 Prozent ausgelastet (Landesdurchschnitt: 22 Prozent). 196 Frauen, Männer und Kinder sind registriert. Fast alle wohnen in festen Unterkünften. Die mobilen Container auf dem ehemaligen Hubschrauberlandeplatz der Ex-Kaserne stehen größtenteils leer.

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