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Landeszeitung

22. Oktober 2017 | 22:09 Uhr

Rendsburg : Wo Platt-Profis noch dazulernen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Welche Grundregeln gelten für das Schreiben in plattdeutscher Sprache? Diese Frage wurde im Tagesseminar „Plattdüütsch Schrieven“ beantwortet. 27 Teilnehmer waren nach Rendsburg gekommen.

shz.de von
erstellt am 03.Feb.2014 | 06:15 Uhr

Eigentlich ist Plattdeutsch ganz leicht: Wie man spricht, so schreibt man auch. Oder doch nicht? Gibt es Regeln für das korrekte Übersetzen von hochdeutschen Texten? Und welche Grundregeln gelten für das Schreiben in plattdeutscher Sprache? Diesen Fragen ging das Tagesseminar „Plattdüütsch Schrieven“ des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes (SHHB) nach.

27 Teilnehmer aus ganz Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen kamen nach Rendsburg, um sich im Martinshaus von Seminarleiter Peter Nissen (Textmanufaktur Hamburg) und Marianne Ehlers (Referentin für Niederdeutsch beim SHHB) in die plattdeutschen Schreibregeln einweihen zu lassen. Viele von ihnen sprechen Niederdeutsch von Kindheit an, für sie ist Hochdeutsch erste Fremdsprache. Einige spielen plattdeutsches Theater oder verfassen als Autor Bücher in niederdeutscher Sprache. Platt-Profis, sollte man meinen, doch selbst die waren überrascht, dass es sich beim Schreiben nicht ganz so einfach verhält, wie man annimmt: „Grundsätzlich werden nur solche Schriftzeichen verwandt, die auch im Hochdeutschen gebräuchlich sind. Das heißt, was wir vom Hochdeutschen kennen, machen wir im Plattdeutschen auch so“, startete Peter Nissen seine Reise durch die plattdeutsche Rechtschreibung. Das sei die Grundidee, wie man sie auch im neuen Sass-Plattdeutsch-Wörterbuch finde.

Doch keine Regel ohne Ausnahme. Zwar gehöre Deutsch zu den wenigen Sprachen, wo die Schrift die Sprache abbilde, erklärt Nissen. Aber um im Plattdeutschen zum Beispiel die Länge eines Vokals zu verdeutlichen, weiche die Sass-Vereinbarung von der eigenen Grundidee ab. Und an dieser Stelle fängt es an, etwas kompliziert zu werden. Denn es geht um offene und geschlossene Silben, um Doppel- und Einfachvokale. Zum Beispiel „Straat“ (Straße) und „Straten“ (Straßen). „Straat“ endet mit dem Konsonanten „t“ und ist somit eine geschlossene Silbe, die Länge des Vokals wird daher mit dem doppelten „aa“ bezeichnet. Endet die erste Silbe mit einem Vokal, wie bei „Straten“, wird das „a“ nicht durch eine Verdoppelung gekennzeichnet. Gesprochen wird das „a“ im Plattdeutschen übrigens wie ein „o“.

Peter Nissen spricht bei den doppelten Vokalen von einer „Erbsünde“ und hält die Regel für „bekloppt, aber es muss einfach zu lesen sein, auch wenn es keinen Sinn macht“. Er halte sich dennoch an diese Vorgaben, denn wenn man sich erst einmal an die Schreibweisen gewöhnt habe, ginge es. Bei manchem Wort wird das hart klingende „t“ am Ende in der Mehrzahl zu einem inliegenden weichen „d“ wie etwa bei „goot“, aber „gode“, „Tiet“, aber „Tieden“.

Manchmal haben gleiche Wörte unterschiedliche Bedeutungen. Wer niederdeutsch als „doof“ bezeichnet wird, muss nicht zwingend blöd sein, sondern ist einfach nur taub. Auch gibt es im Plattdeutschen viel mehr Wörter als im Hochdeutschen, erfahren die Zuhörer, doch manchmal lässt sich für hochdeutsche Begriffe kein plattdeutsches Gegenstück finden.

Schwierig wird es zum Beispiel für denjenigen, der eine plattdeutsche Todesanzeige aufgeben will. Vergeblich wird er im Wörterbuch nach Übersetzungen für „Beileidsbekundung“, „Urnenbeisetzung“ oder „Kaffeetafel“ suchen. Da helfen oft nur Umschreibungen.

Nach so viel Theorie dürfen die Teilnehmer selber kreativ werden. Nachdem Familienanzeigen auf die gelernten Schreibweisen hin korrigiert wurden, formulieren sie in Gruppenarbeit selber Danksagungen, Hochzeits- oder Jubiläumsanzeigen. Nach dem Mittagessen folgt noch eine kleine Grammatik-Einheit zum Thema Steigerung von Adjektiven, bevor es an das Dichten von japanischen Haikus (Kurzgedichte mit bestimmter Silbenabfolge) geht. „Dat hett bannig Spaaß makt un wi hebbt veel mitnahmen“, lautete dann auch das Fazit der Teilnehmer. Einen Tag lang nur Platt schnacken und sich untereinander in der Heimatsprache unterhalten, das gefiel allen sehr gut. „Das vermisse ich sehr im Alltag“, sagte Britta Poggensee. Die 24-Jährige studiert Friesische Philologie und Skandinavistik in Kiel. Gerne würde sie sich mehr mit ihren Mitstudenten auf Platt unterhalten und nicht nur zuhause auf Eiderstedt mit ihrer Familie. „Aber leider spricht in meinem Alter kaum einer Plattdeutsch“, bedauert sie.

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