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Bergenhusen : Wo Meister Adebar Touristen lockt

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Der Landgasthof „Hoier-Boier“ in Bergenhusen ist nach dem Storch benannt. Das Geschäft im Herzen des Ortes gibt es seit 1826.

shz.de von
erstellt am 22.Jun.2015 | 17:00 Uhr

Treffpunkt der Dorfbewohner und Heimstatt auf Zeit für Durchreisende – in den Gasthöfen der Region kommen seit jeher viele Menschen zusammen. Wir stellen die Häuser mit Geschichte in einer Serie vor. Heute: „Hoier-Boier“ in Bergenhusen.

 

Störche bringen Glück und Kindersegen – und im Fall von Bergenhusen auch noch zahlreiche Touristen. Kein Wunder also, dass der größte Gasthof im Ort nach dem langbeinigen Vogel benannt ist: „Hoier-Boier“ ist das plattdeutsche Wort für Storch.

Die Gaststätte gibt es bereits seit 1826, anfangs jedoch unter dem Namen „Hoff’s Gasthof“. „Ursprünglich befand sich hier eine Viehwaage, wo die Tiere einmal in der Woche gewogen und an Händler verkauft wurden“, weiß der Besitzer des Hauses in der Dörpstroot, Wolfgang Medau. Bis die Papiere fertig waren, wurden die Bauern in einer kleinen Gaststube mit Kaffee und Bier versorgt. Eigentlich handelte es sich aber um das Wohnhaus der Familie Hoff. „Bis 1955 gehörte hier auch Landwirtschaft dazu“, so Medau. Danach wurde das Gebäude verpachtet – unter anderem an eine Getränkefirma, die die Räumlichkeiten umbaute. 1984 gab es dann ein verheerendes Feuer, bei dem das Haus niederbrannte. Doch schon im Jahr darauf konnte die Gastronomie ihren Betrieb wieder aufnehmen.

Seit Dezember 2011 sind Christine und Peter Niemeyer Pächter des „Hoier-Boiers“. Der Koch und die Hotelfachfrau blicken auf mehr als 25 Jahre in der Gastronomie zurück. Bevor es sie in das Storchendorf verschlug, waren sie unter anderem in Kiel und Bad Segeberg selbstständig. „Wir kannten Bergenhusen von Motorradtouren, die wir gemacht haben. Wir sind sogar hier eingekehrt“, erinnert sich Peter Niemeyer. Sowohl der Ausflug als auch der Ort gefiel dem Ehepaar. Als es die Möglichkeit gab, den Landgasthof zu übernehmen, überlegten die beiden nicht lange. „Wir kannten den ‚Laden‘ ja, die Entscheidung fiel nicht schwer.“

Einst selbst als Tourist in den Ort gekommen, zählen heute besonders die auswärtigen Besucher zu den Gästen der Niemeyers. „Die Störche ziehen die Touristen regelrecht an. Die meisten kommen aus allen Teilen Schleswig-Holsteins, aus Hamburg und Niedersachsen. Und die Dänen lieben die Störche auch.“ Die meisten Vogelfreunde besuchen Bergenhusen auf Radtouren oder mit Busgesellschaften. „Viele kehren hier ein, so dass wir über den ganzen Tag eine Beköstigung anbieten“, so Christine Niemeyer. Nach Anmeldung bereiten sie und Ehemann Peter für größere Gruppen Frühstück zu. Mittagessen, Kaffee und Kuchen sowie Abendessen gibt es auch ohne Anmeldung. „Wir legen großen Wert auf eine frische Küche, so Peter Niemeyer. So sind nicht nur Kuchen und Torten hausgemacht, sondern auch Soßen und Suppen, Nudeln und Kroketten. So viel Mühe wird belohnt: Niemeyers Essen wurde unter anderem schon von Fernsehkoch Tim Mälzer gelobt. „Er hat vor einem Dreh auf sein Kamerateam gewartet und ist hier eingekehrt“, erinnert sich Peter Niemeyer. Mälzer aß – und war begeistert: „Wenn ich Lust habe in Hamburg zu arbeiten, kann ich mich bei ihm melden, hat Tim gesagt. Was ich hier anbiete, findet er erste Sahne“, freut sich der Gastronom. Während im Sommer oft zwischen 200 und 300 Storchen-Touristen täglich den „Hoier-Boier“ besuchen, gehören in der Nebensaison vor allem die vielen Vereine aus Bergenhusen und der Umgebung zu den Gästen. „Die Vereine haben keine eigenen Vereinsheime, so dass viele Versammlungen und Bälle hier stattfinden“, erklärt Peter Niemeyer. Darüber freut sich auch Bürgermeister Helmut Schriever: „Der ‚Hoier-Boier‘ ist der einzige Gastronomiebetrieb im Ort mit einem Saal und somit für größere Veranstaltungen unserer Vereine sehr wichtig.“ Er freue sich, dass die alte Gaststätte mit Bezug zum Storch gut laufe.

Ohne die Federtiere sei Bergenhusen mit seinen etwa 700 Einwohnern ein ruhiges, beschauliches Dörfchen, finden die Niemeyers. Im Laufe der vergangenen Jahre haben sie sich viel Wissen über Meister Adebar angeeignet. „Viele unserer Gäste stellen Fragen zu den Störchen. So hat man solche Informationen wie Anzahl der Paare, Jungen und der Nester ständig parat.“ Für das kommende Jahr plant Peter Niemeyer, eine Kamera auf das Nest auf dem Dach des „Hoier-Boiers“ zu richten. „Auf einem Bildschirm im Gastraum kann man dann das Geschehen beobachten.“

 

> Weitere Informationen über den „Hoier-Boier“ finden sich im Internet unter www.hoier-boier.de.

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