Naturpark Aukrug : Wo die Fledermaus ganz in Ruhe abhängen kann

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Fledermausbeauftragter des Landes übernahm die „Volkszählung“ im Naturpark Aukrug.

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14. Januar 2015, 06:00 Uhr

Insgesamt 109 Fledermäuse nutzen derzeit die optimalen Überwinterungsquartiere, die sie im alten Ziegeleistollen in Innien und in den ehemaligen Lagergängen der Fachklinik Aukrug in Tönsheide vorfinden. Diese neue Rekordzahl ist das Ergebnis der „Volkszählung“, die der Fledermausbeauftrage des Landes Schleswig-Holstein, Matthias Göttsche, gestern vorgenommen hat. Im Rahmen eines Monitoring-Projekts werden alle größeren Fledermaus-Winterquartiere einmal im Jahr inspiziert. „Das sind in Schleswig-Holstein etwas mehr als 70 Objekte, wo insgesamt mehrere Tausend Fledermäuse überwintern“, erläutert Göttsche.

Die Fledermaus ist ein echter Winterschläfer mit einer ziemlich ausgedehnten Schlafenszeit, die von Ende September bis Mitte März andauert. „Zwischendurch wacht sie nur mal auf, um sich zu putzen, und sie kann bei Bedarf auch mal den Ort wechseln“, berichtet Göttsche.

Die Angewohnheit, ein halbes Jahr lang den Stoffwechsel herunterzufahren, wertet der Fledermausexperte als „intelligente Überwinterungsstrategie“: „Andere Tiere können ja in strengen Wintern mit Nahrungsengpässen zu kämpfen haben.“ Das kann der Fledermaus nicht passieren. „Sie frisst sich im Sommer genug Fett an, um sicher über den Winter zu kommen.“ Als Insektenfresser kann man im Winter ja sowieso nicht auf Beutejagd gehen. „Die Insektenfresser unter den Vögeln fliegen ja zum Beispiel im Winter in die südliche Sahara, wobei sie auf ihrer Reise großen Gefahren ausgesetzt sind“, merkt Naturschutzring-Geschäftsführer Niklas Zander an. Auch bei den Fledermäusen gibt es „Zugvögel“: Der kleine Abendsegler überwintert in Spanien. Die Aukruger Fledermäuse hingegen fressen sich im Sommer das nötige Fettpolster an, um den Winter gut zu überstehen. Der Ziegeleistollen in Innien und die alten Lagergänge der Fachklinik in Tönsheide sind bewährte frostfreie Winterquartiere, die vom Naturschutzring in den vergangenen Jahren mit Mitteln aus dem Artenhilfsprogramm des Landes „ordentlich aufgepeppt“ (Zander) wurden.

Diese frostfreien unterirdischen Quartiere nutzen die Fledermäuse bevorzugt in strengen Wintern, während sie bei mildem Wetter auch gern in ihren gewohnten Baumstammhöhlen bleiben. „Im Prinzip ist es ja egal, wo man hängt“, meint Göttsche mit Blick auf die Quartierwahl seiner Schützlinge, „und die Tiere wissen nicht, wie das Wetter werden wird – die haben ja keine Wetter-App.“ Niklas Zander hätte vermutet, dass die Fledermausbilanz in den frostfreien Quartieren angesichts der aktuellen Wetterlage deutlich geringer ausfallen würde als in den Vorjahren: „Wenn wir heute weniger Tiere zählen, wäre das ganz normal und dem milden Wetter geschuldet.“

Tatsächlich zählte Göttsche gestern in Aukrug aber so viele Winterschläfer wie noch nie, nämlich in Tönsheide (92) und Innien (17) insgesamt 109 Exemplare: 48 Wasserfledermäuse, 18 Braune Langohren und 43 Fransenfledermäuse. Die neue Rekordzahl deutet darauf hin, dass sich der „Komfort“, den die Quartiere in Tönsheide und Innien zu bieten haben (Ziegelsteinhaufen und künstliche Hohlbetonhöhlen) in Fledermauskreisen herumgesprochen hat. „Im Herbst fliegen die Fledermäuse herum und gucken sich mögliche Winterquartiere an“, weiß Zander, der sich über die gesunden Bestände im Naturpark freut: „Wir haben hier in Aukrug zwei landesweit bedeutende Fledermaus-Winterquartiere.“

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