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Oldenhütten : Wo die cleveren Bisamratten leben

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Oldenhüttener fängt die Nagetiere, um die örtlichen Klärwasserteiche zu schützen. Seit mehr als drei Monaten hat er keinen Erfolg mehr.

shz.de von
erstellt am 07.Apr.2016 | 10:04 Uhr

Ihr Körper ist etwa 35 Zentimeter lang, sie hat dichtes Fell, ist optimal an das Leben im Wasser angepasst und eigentlich ein ganz possierliches Tierchen, wie Heinz Sielmann sagen würde. Und doch wird die Bisamratte vielerorten bejagt – so auch in Oldenhütten. Dort ist Manfred Hartmann damit betraut, den Nagern rund um die örtlichen Klärteiche auf den Pelz zu rücken.

„Die Bisamratten graben sich in den Uferzonen Gänge und Unterschlüpfe. Dort kann dann das Wasser reinlaufen, der Wasserstand der Teiche sinkt und die Klärteiche könnten auf Dauer leer laufen“, skizziert der 75-Jährige das Szenario, das es zu verhindern gilt. Vor etwa drei Jahren hat er die Aufgabe übernommen, Jagd auf die Bisamratten zu machen. „Mein Vorgänger ist umgezogen. Da wir in direkter Nähe zu den Teichen leben, hat er mich gefragt, ob ich seine Tätigkeit übernehmen möchte.“ Probleme mit den Bisamratten gebe es in dem Ort solange es die Klärteiche gibt – seit 1986. Die Tiere halten sich überwiegend im Wasser auf und leben sowohl an Fließ- als auch Stillgewässern. „Sie vermehren sich wie die Kaninchen“, erzählt Hartmann.

Dementsprechend schwierig sei es, der Lage Herr zu werden – zumal Bisamratten offensichtlich auch noch ziemlich schlau sind: „Die Köder in den Fallen sind angebissen, eine Bisamratte habe ich aber seit drei Monaten schon nicht mehr gefangen“, beklagt Hartmann. Seine Theorie: Die Tiere haben das System der Drahtreusenfallen durchschaut und öffnen mit ihren langen Zähnen oder den Pfoten die Fallenklappen, nachdem sie sich an den Äpfeln satt gefressen haben. „Eine andere Möglichkeit wäre, dass sie zu zweit kommen und eine am Eingang der Falle wartet, um die Klappe offen zu halten, während die andere frisst. Ist die eine fertig, geht dann die andere rein“, spekuliert der 75-Jährige, was sich in den Schächten der Klärwasserteiche zutragen könnte.

Wenn der Erfolg dauerhaft ausbleibt, müsse sich die Gemeinde seiner Meinung nach über neue Fangmethoden beziehungsweise andere Fallen Gedanken machen. Die Klappen unter mehr Spannung zu setzen, damit sie von innen nicht mehr so leicht zu öffnen sind, mache in jedem Fall keinen Sinn, weil die Tiere sie dann auch von außen nicht gut aufdrücken können. In den vergangenen drei Jahren hat Manfred Hartmann insgesamt 16 Bisamratten gefangen. Früher habe es eine Prämie von fünf Mark pro Biberschwanz gegeben, heute bekomme man kein Geld für die erlegten Tiere, die Tätigkeit ist rein ehrenamtlich. Mitunter könne das sehr zeitaufwendig sein: „Wenn die Äpfel angefressen wurden, kontrolliere ich die Fallen natürlich jeden Tag. Außerdem befreie ich die Schächte von Gräsern, die die Tiere dort unten zum Nestbau hinschleppen. So verhindere ich, dass sie verstopfen.“ Im Winter sei der Kontrollgang hin und wieder ein Angang. „Im Sommer aber bin ich ja sowieso gern draußen, da macht mir das nichts aus.“

Landet eine Bisamratte in der Falle, macht Hartmann kurzen Prozess mit ihr – sie wird ertränkt. Sie woanders auszusetzen würde aus seiner Sicht keinen Sinn machen: „Dann sucht sie sich das nächste Gewässer. Und nirgendwo will jemand Bisamratten haben.“ Er habe aber durchaus Mitleid mit den Tieren, die er selbst auch als possierlich bezeichnet. „Aber es bringt ja nichts – sie zerstören sonst auf Dauer unsere Klärteiche.“

Doch bis die nächste Bisamratte dran glauben muss, wird wohl noch ein bisschen Zeit vergehen – zumindest, wenn sie so clever sind, wie Manfred Hartmann vermutet.

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