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Müll-Wirtschaft : Wissen aus Borgstedt für Jordanien

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Wie die Abfallwirtschaftsgesellschaft dem Land im Nahen Osten in puncto Kompostierung hilft.

shz.de von
erstellt am 27.Okt.2017 | 12:43 Uhr

Papiermüll, gelber Sack, Restmüll, braune Tonne: In Rendsburg-Eckernförde gehört Mülltrennung zum guten Ton. Doch was den Menschen hierzulande wie selbstverständlich von der Hand geht, ist woanders noch vollkommenes Neuland. Wie zum Beispiel in Jordanien. Das Land im Nahen Osten macht derzeit die ersten Schritte in Richtung einer moderneren Abfallwirtschaft und bekommt dabei Hilfe aus Rendsburg-Eckernförde: Die hiesige Abfallwirtschaftsgesellschaft (AWR) will schon im kommenden Jahr einige jordanische Ingenieure in Borgstedt im Umgang mit verschiedenen Maschinen schulen. Diese werden in der Kompostierung eingesetzt. Die Initiative für diesen Know-how-Transfer kommt von Hans-Jörg Lüth, dem stellvertretenden Vorsitzenden der SPD-Kreistagsfraktion.

Unterstützt werden Kommunen, die unmittelbare Entwicklungshilfe leisten wollen, von „Engagement Global“. Die gemeinnützige Gesellschaft arbeitet im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und hilft deutschen Kommunen zu helfen – wie etwa bei den Themen Abfallwirtschaft, Wasser- und Energieversorgung oder kommunale Verwaltung. Diese Initiative nennt sich „Kommunales Know-how für Nahost“. Die AWR will ihr Wissen nun vor allem in puncto Kompostierung vermitteln. Partnergemeinde hierfür ist Kerak im Westen Jordaniens. Gestern Nachmittag informierten sich Serpil Midyatli und Dr. Kai Dolgner – SPD-Landtagsabgeordnete – über die Initiative.

„Die Maschinen sind bereits vor Ort. Es handelt sich um Hightech-Geräte, die die Bundesregierung Jordanien geschenkt hat“, berichtet AWR-Geschäftsführer Ralph Hohenschurz-Schmidt. Weil die Bedienung der Maschinen nicht ohne Weiteres zu leisten sei, kommen im nächsten Jahr einige Ingenieure, um sich in Borgstedt an gleichen Geräten einweisen zu lassen. „Meiner Meinung nach sind diese Maschinen für dortige Verhältnisse übertechnisiert. Einen Schredder zum Beispiel braucht man nicht, weil es dort kaum Holz gibt. Außerdem hätte man vieles durch manuelle Arbeit leisten können und somit sogar noch Arbeit für die Flüchtlinge vor Ort geschaffen“, kritisiert der Fachmann und erhält Zustimmung von den beiden Politikern. Zum Hintergrund: Jordanien gehört neben dem Libanon und der Türkei zu den wichtigsten Erstaufnahmeländern seit Beginn des Syrien-Krieges.

Rund 70 000 Menschen leben laut Hohenschurz-Schmidt rund um Kerak und könnten künftig von der Kompostierungsanlage profitieren. Generell habe die Gegend viel Potenzial in Sachen Müllverwertung. So sei Plastik ein großes Problem und auch Papier und Pappe werden bisher kaum wiederverwertet – Dinge, die sich künftig ändern könnten. Midyatli und Dolgner jedenfalls versprachen der AWR wo immer möglich ihre Unterstützung: Es sei eine gute Sache, das große Know-how, das Deutschland bei der Müllverarbeitung aufgebaut habe in andere Länder zu exportieren. Die AWR-Mitarbeiter sind schon jetzt motiviert.

> Infos unter www.initiative-nahost.de. Es werden nach wie vor interessierte Kommunen gesucht.

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