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Interview mit WFG-Geschäftsführer : Wirtschaftsberater mit eigenen Häfen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Rendsburg-Eckernförde feiert 25-jähriges Bestehen. Ein Gespräch mit Kai Lass.

Mit 150 Gästen aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung feierte die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises (WFG) gestern einen besonderen Geburtstag. Seit einem Vierteljahrhundert kümmert sie sich darum, die Bedingungen für die Wirtschaft zu verbessern und neue Firmen anzusiedeln. Auf welche Weise das gelingt und wo gleichzeitig der Schuh drückt, erklärt Geschäftsführer Kai Lass im Gespräch mit unserem Redaktionsmitglied Dirk Jennert.

Herr Lass, auf Ihrer Internetpräsentation werben Sie mit dem Slogan „Wir entwickeln Wirtschaft“. Was konkret ist damit gemeint?

Kai Lass: Es gibt ja derzeit einige Claims, die für Aufmerksamkeit sorgen. Denken Sie an „Der echte Norden“ für Schleswig-Holstein oder „Wir Dienen Deutschland“ von der Bundeswehr. Wir haben uns aktuell auch damit befasst und uns dabei die Frage gestellt, was wir eigentlich erreichen möchten oder womit wir uns beschäftigen. Wir wollen damit ein Stück weit deutlich machen, dass unsere Arbeit weit über die reine Beratungstätigkeit hinausgeht. Wir sind im positiven Sinne ein Gemischtwarenladen.

Wen beraten Sie, was entwickeln Sie?

Wir haben zwei Gründerzentren, in denen wir Existenzgründer begleiten und beraten. Aktuell betreuen wir dort etwa 60 Firmen. Wir sind sehr stark in dem Bereich Hafenwirtschaft aktiv. Uns gehört der Kreishafen. Am Schwerlasthafen sind wir zu einem Drittel beteiligt. Und wir besuchen Unternehmen, um zu sehen, wo der Schuh drückt.

Als die WFG gegründet wurde, lautete die Grundidee, Firmen in der Region zu halten und neue in die Region zu locken. Ist das auch heute noch das wichtigste Ziel?

An dem Ziel hat sich nichts geändert. Aber Wirtschaftsförderung, wie wir sie verstehen, ist heute weit mehr, als auf Messen vertreten zu sein oder Anrufe entgegenzunehmen. Wir sind aktiv dabei, Voraussetzungen für eine gute Wirtschaftsentwicklung zu schaffen. Wir bemühen uns stark darum, die Infrastruktur aus Sicht der Unternehmen zu verbessern. Die beiden Häfen sind das beste Beispiel. Der Schwerlasthafen hat nicht nur hier ansässige Firmen gesichert, sondern auch neue wie beispielsweise Bögl angelockt. Um die Vermarktung des dahinterliegenden Gewerbegebietes kümmern wir uns ebenfalls. Zudem fungiert die WFG als Bindeglied zwischen Wirtschaft, Politik und Verwaltung.

Wie können Sie Firmen helfen?

Da gibt es völlig verschiedene Bereiche. Mal geht es direkt um eine Beratung zu Arbeitsplätzen, mal darum, Erweiterungsflächen zu finden oder sich Fördermittel zu erschließen. Letzteres ist ein sehr wichtiger Aspekt unserer Arbeit geworden.

Ein aktuelles Beispiel, bitte.

Wir haben vor kurzem einen auf große Qualität setzenden Landgasthof dabei begleitet, Zuschüsse für eine große Erweiterung zu bekommen. Die Betreiberin erhält jetzt mit unserer Hilfe Mittel aus dem Landesprogramm Wirtschaft. Sie hat einen sechsstelligen Betrag investiert. Davon übernimmt die öffentliche Hand etwa 65  000 Euro. Wichtig war den Zuschussgebern der Aspekt, dass sie Arbeitsplätze schaffen will. Das ist hier eindeutig der Fall, zumal die Betreiberin den Landgasthof um ein neues Segment ergänzt. Sie will künftig Zimmer vermieten.

Die Unternehmerin hätte sich ja auch selbst um Zuschüsse kümmern können, oder?

Wenn sie von den Fördermöglichkeiten gewusst hätte, sicherlich. Aber es ist für Außenstehende ja unglaublich schwer, diese Fülle an Landes-, Bundes- und EU-Programmen zu überblicken. Wir beschäftigen uns täglich damit und haben diesen Überblick. Wir kennen auch die Bedingungen und können Unternehmer entsprechend beraten. Das gilt auch für die Förderanträge, die man stellen muss und die durchaus zehn Seiten und mehr umfassen können. Das alles ist sehr aufwändig.

Wirtschaftsförderung kostet die öffentliche Hand normalerweise viel Geld. Bei Ihnen ist das anders. Sie verdienen Geld und überweisen das an den Kreishaushalt. Wie kommt das?

Das ist unserer besonderen Struktur zu verdanken. Der Kreis Rendsburg-Eckernförde hat bei uns seine Hansewerk-Aktien eingestellt, die jedes Jahr eine Dividende erbringen. Außerdem verdienen wir Geld mit unseren Häfen. Insgesamt beläuft sich der jährliche Überschuss der WFG auf etwa zwei Millionen Euro.

Wenn Sie auf Messen auf den Kreis Rendsburg-Eckernförde aufmerksam machen: Womit werben Sie?

Das kommt immer auf die Zielgruppe an. Manchmal stehen vor allem Aspekte wie die Höhe der Gewerbesteuer oder der Quadratmeterpreis in Gewerbegebieten im Mittelpunkt. Wenn ein Unternehmer bei der Standortwahl grundsätzlich flexibel ist, überzeugt ihn, dass unsere Grundstückspreise deutlich niedriger sind als im Raum Hamburg. In unserer Region liegt die Spanne zwischen 20 und 40 Euro. In Hamburg können auch mal dreistellige Beträge aufgerufen werden. Überregional werbe ich mit „Leuchttürmen“ wie Senvion, Bögl oder Denker & Wulf, wenn es um Ansiedlungen im Bereich der erneuerbaren Energien geht. Zudem spielt das Drumherum eine immer größere Rolle. Da geht es um den Freizeitwert, Kita-Plätze, Nord- und Ostsee, aber auch um Grundstückspreise für den Häuslebau.

Und welche Negativ-Aspekte der Region machen Ihnen zu schaffen?

Das sind eindeutig unsere Verkehrsprobleme. Ich hatte neulich mit einem Investor aus Dänemark zu tun, der sich das Gewerbegebiet südlich des Kanals ansehen wollte. Der stand eine Stunde vor der Rader Hochbrücke im Stau. Das ist keine gute Werbung. Ich stelle fest, dass selbst Gesprächspartner aus dem Süden der Republik von unseren Verkehrsproblemen wissen. Das habe ich zuletzt auf einer Messe in München erlebt. Mein Argument ist dann: Ja, im Moment ist nicht alles optimal, aber es wird auf absehbare Zeit optimal. Der Kanaltunnel wird 2020 hoffentlich fertig werden, die Planung für die Rader Hochbrücke steht, an der A7 wird dank der Deges fleißig gebaut.

Wenn man Geburtstag hat wie jetzt die WFG, darf man sich etwas wünschen. Welchen Wunsch hätten Sie an die Politik?

Ich würde mir schnellere Entscheidungen wünschen und weniger Bürokratie.

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erstellt am 16.Jun.2017 | 15:13 Uhr

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