Tunnelsanierung : Wirtschaft fordert politischen Druck

Jede Menge Autos auf der Strecke, nur wenige Arbeiter auf der Baustelle: Der Wirtschaft gehen die Bauarbeiten am Kanaltunnel nicht schnell genug voran.
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Jede Menge Autos auf der Strecke, nur wenige Arbeiter auf der Baustelle: Der Wirtschaft gehen die Bauarbeiten am Kanaltunnel nicht schnell genug voran.

Vertreter der Industrie- und Handelskammer hoffen auf eine Beschleunigung der Bauarbeiten.

shz.de von
20. Juni 2014, 13:03 Uhr

Die Empörung der Wirtschaft über die Dauerbaustelle Kanaltunnel wird größer – daran kann auch die am Mittwoch bekanntgewordene Entscheidung des Bundes zur Rader Hochbrücke nichts ändern. Zwar nahmen die Vertreter der Industrie- und Handelskammer (IHK) erfreut zur Kenntnis, dass jetzt umgehend mit der Planung eines Brücken-Neubaus begonnen werden könne, doch mindestens genauso wichtig sei es, bei der Sanierung des Kanaltunnels endlich Tempo zu machen.

Dies wurde gestern in einem Pressegespräch deutlich, an dem IHK-Vizepräsident Georg Schäfer, der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Rainer Bock und die Vollversammlungsmitglieder Dr. Henning Bähren, Peter Althaus und Helge Spehr teilnahmen. Sie forderten die Bundestags- und Landtagsabgeordneten der Region dazu auf, auf die zuständigen Behörden Druck aufzubauen: „Die Politik ist der einzige Hebel, der helfen kann.“ Es müsse unter anderem darüber nachgedacht werden, ob die für die Oströhre zuständigen Firmen auch die geeigneten Partner seien, um die Weströhre zu sanieren.

Georg Schäfer, der den Tunnel mehrmals täglich passieren muss, machte aus seinem Unmut keinen Hehl: „Ich habe am Kanaltunnel in den vergangenen Tagen lediglich einen einzigen einsamen Arbeiter gesehen, der an einer Ziegelwand die Fugen ausgekratzt hat.“ Er würde gern den Eindruck gewinnen, dass es auf dieser Baustelle einen Fortschritt gebe, „aber diesen Eindruck habe ich in keinster Weise.“ Laut Schäfer hat sich die Tunnelbaustelle zu einer schweren Hypothek für die Wirtschaft der Region entwickelt.

Das Hauptproblem: Die Kunden aus der Region südlich des Kanals überlegten es sich mittlerweile sehr genau, ob sie die Fahrt nach Rendsburg auf sich nähmen. Einzelhändler Peter Althaus: „Von Osterrönfeld aus ist man ja mittlerweile bald schneller in Kiel als in Rendsburg.“ Stadtwerke-Chef Helge Spehr, der als Werkleiter des Umwelt- und Technikhofs den Zustand der Rendsburger Straßen im Blick hat, malte ein düsteres Bild von der Infrastruktur. Durch die Sperrung der Rader Hochbrücke für Laster im vergangenen Jahr seien die Straßen durch den Umleitungsverkehr stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Eine exakte Kalkulation liege zwar nicht vor, der Schaden dürfte laut Spehr jedoch eine siebenstellige Summe ausmachen.

Dr. Henning Bähren (Punker GmbH) hob die Bedeutung des Tunnels als Ausweichstrecke für die Hochbrücke hervor. Er zweifelte die Darstellung der Behörden an, wonach sich die Tunnelsanierung nicht schneller bewältigen lasse. Anfang 2016 soll der Verkehr wieder durch beide Röhren rollen.

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