Gastronomie in Rendsburg : Wirte ärgern sich über neue Regeln

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Fachkräfte fehlen und neuen Regelungen zum Mindestlohn schränken Gastronomen und Hotelbetreiber ein. Einige ziehen bereits erste Konsequenzen.

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06. Mai 2015, 04:40 Uhr

Seit der gesetzliche Mindestlohn vor vier Monaten eingeführt wurde, bereitet er einigen Unternehmern Kopfzerbrechen. Bereits vor Wochen wurden bundesweit Beschwerden laut, dass die Arbeitszeitregelung zu starr und nicht mit der Realität vereinbar sei. Kritik kommt besonders aus dem Hotel- und Gaststättengewerbe. Dort wirken sich die neuen Regelungen auf die Öffnungszeiten aus.

Ein Beispiel ist die „Alte Markthalle“ am Altstädter Markt, die von Montag bis Freitag erst am Nachmittag öffnet. Im Sommer 2014 hatte Markthallen-Chef Norman Grenda noch um 12 Uhr die ersten Bestellungen entgegen genommen. Nun bleibt die Küche bis 14 Uhr kalt. „Wir arbeiten jetzt im Ein-Schicht-Betrieb und sparen dadurch Personal“, erklärt der Gastwirt. Problem Nummer eins ist aus seiner Sicht der Mindestlohn. Man dürfe nicht vergessen, dass zu den 8,50 Euro noch Lohnnebenkosten von fast 32 Prozent kämen, so Grenda. Früher habe er mit acht bis zehn Aushilfen gearbeitet, heute seien es nur noch zwei. „8,50 Euro für Einsteiger und Aushilfen sind kaum möglich“, sagt Grenda. Er strebt die Festanstellung von Mitarbeitern an. Allerdings – und hier kommt Problem Nummer zwei ins Spiel – seien kaum noch gut ausgebildete Leute zu bekommen. Vielen Mitarbeitern, auch den qualifizierten, fehle die Leidenschaft für die Gastronomie und die Bereitschaft, abends und am Wochenende zu arbeiten. Grenda ist seit 23 Jahren Inhaber der „Alten Markthalle“, zurzeit beschäftigt er acht Mitarbeiter.

„Die Qualität am Tisch muss bleiben“, betont der 50-Jährige. Deshalb will er den dringend benötigten Fachkräftenachwuchs selbst ausbilden und danach weiter beschäftigen. Er hat bereits Gespräche mit der Bundesagentur für Arbeit geführt. Auch eine zweijährige Ausbildung, die zum Abschluss als IHK-Fachkraft Gastgewerbe führt, sieht der Gastronom als einen Weg, dem Fachkräftemangel zu begegnen.

„Wenn Sie einen guten Koch finden, ist das wie ein Sechser im Lotto“, sagt Petra Stangenberg, Geschäftsführerin des Hotels „Conventgarten“. Der Fachkräftemangel sei zwar vorhanden, Stangenberg hatte damit in ihrem Betrieb jedoch noch keine Probleme. Das Mindestlohngesetz zwang jedoch auch so zu Einschnitten. Die Restaurant-Öffnungszeiten wurden verkürzt, um dem Arbeitszeitgesetz gerecht zu werden (siehe Infokasten). „Diese Regelung ist nicht zeitgemäß. Da hat der Gesetzgeber nicht zu Ende gedacht“, kritisiert die Hotel-Chefin. „Weil die Mitarbeiter nach zehn Stunden Feierabend machen müssen, brauchen wir ab 22 Uhr eine zweite Schicht, sonst sind wir nicht dienstleistungsorientiert. Wir sind sehr unflexibel geworden.“ Als Beispiel nennt sie Hochzeitsfeiern: Der schönste Tag im Leben könne ja nicht plötzlich zu Ende sein, weil die Kellner Feierabend machen müssten.

Das unterstreicht auch Stefan Scholtis, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Schleswig-Holstein. „Der Gast bestimmt die Arbeitszeiten. Das Gastgewerbe ist nicht wie die Industrie, wir können nicht von acht bis 16 Uhr arbeiten.“ Er fordert deshalb ein flexibleres Gesetz, das besser an die Arbeitsabläufe angepasst ist. So sollte es nach Meinung von Scholtis zum Beispiel möglich sein, drei Mal pro Woche von acht auf zwölf Stunden aufzustocken – vorausgesetzt Arbeitgeber und Mitarbeiter sind einverstanden. „Saisonkräfte wollen in ein paar Monaten möglichst viel Geld verdienen und nicht nach acht Stunden nach Hause geschickt werden“, erklärt der Dehoga-Landeschef das Interesse mancher Arbeitnehmer an längeren Arbeitszeiten. Er plädiert für flexiblere Regeln im Sinne der Kunden. Es sei ein Unding, Gäste abzuweisen.

So sieht es auch Peter Rieck vom „Hotel-Restaurant Hansen“ in der Bismarckstraße. Wenn Arbeit da sei, müsse sie auch gemacht werden. „Wir können nicht um 22 Uhr auf Selbstbedienung umstellen, wenn die Gäste weiter feiern wollen.“ Rieck erwartet, dass „hier das letzte Wort noch nicht gesprochen ist“.

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