Rendsburg : „Wir wollen schnell und unbürokratisch helfen“

Der Rendsburger Rechtsanwalt Markus Göldner möchte helfen, finanzielle Ungleichheit in der Gesellschaft zu mildern.
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Der Rendsburger Rechtsanwalt Markus Göldner möchte helfen, finanzielle Ungleichheit in der Gesellschaft zu mildern.

Markus Göldner, Schirmherr des DRK-Kinderhilfsfonds, über seine neue Aufgabe.

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31. Juli 2015, 17:21 Uhr

Unterstützung für Kinder im gesamten Kreis Rendsburg-Eckernförde bietet der DRK-Kinderhilfsfonds. Neuer Schirmherr ist jetzt der Rechtsanwalt und Notar Dr. Markus Göldner (55), verheiratet, vier Kinder. Er kommt aus der Region Kiel, ist aber schon seit vielen Jahren in Rendsburg tätig. Im Gespräch mit LZ-Redakteurin Sabine Sopha erklärt Markus Göldner seine Motivation für das Ehrenamt und warum ein solcher Kinderhilfsfonds seiner Meinung nach notwendig ist.

Dr. Göldner, weshalb engagieren Sie sich ehrenamtlich?
Ich halte es für eine sinnvolle Angelegenheit, ein Stück an der Umverteilung mitzuwirken. Gerade jene, denen es ganz gut geht, sollten auch ein bisschen was zurück geben von dem, was sie von der Gesellschaft erhalten haben.

Sie werben also auch für eine Stärkung des Ehrenamtes...

Genau, dadurch, dass man ein Vorbild ist. Jeder von uns kann sich im Rahmen seiner Möglichkeiten einsetzen – auch in kleinem, bescheidenem Maße. Als ich beim Deutschen Roten Kreuz in Kiel war, gehörte die Wasserwacht dazu. Deren Jugendliche verbringen ihre ganzen Ferien, tausende von Stunden, ehrenamtlich als Rettungsschwimmer, anstatt an irgendwelchen Daddelmaschinen zu sitzen. Einfach aus Spaß an der Freude. Das finde ich beeindruckend.

Warum haben Sie sich bei Ihrem Ehrenamt als Schirmherr für den DRK-Kinderhilfsfonds entschieden?
Vom Elternhaus her bin ich christlich geprägt. Am DRK hat mich immer überzeugt, dass es die humanistische Ausrichtung gibt, das Element der Nächstenliebe, das sich in der Religion wiederfindet. Aber auch, dass hier völlig unabhängig Gutes getan wird, ohne Bindung an irgendeine Partei, an irgendeine Konfession, an irgendeine Überzeugung – bis auf die Überzeugung, dass es darum geht, Menschen zu helfen. Das ist wunderbar. Außerdem lag es für mich nahe, da ich schon einmal für das Deutsche Rote Kreuz tätig war – im Vorstand des Kieler Kreisverbandes. Nun ist das hier ein kleines Projekt innerhalb des Kreises Rendsburg-Eckernförde. Doch eben in einem solchen kleinen Feld mitwirken zu können, das gefällt mir gut.


Dieser Kinderhilfsfonds des Roten Kreuzes hilft Jungen und Mädchen im gesamten Kreisgebiet. Nun sollte man ja meinen, dass es Kinderarmut in unserem Wohlstandsstaat nicht gibt.

Nach den gängigen Kriterien definiert sich Armut nach den Bezugsgrößen in der Gesellschaft. In unserer Gesellschaft ausgeschlossen zu sein von Teilhabe an Bildung und an Dingen des täglichen Bedarfs, das bedeutet Ausgrenzung und Isolation. Vor diesem Hintergrund gibt es auch bei uns nach wie vor arme Menschen und insbesondere arme Kinder, die sich noch schlechter selbst helfen können als Erwachsene.

Wie erfährt der Kinderhilfsfonds, wo es fehlt?

Über unsere Kooperationspartner, Schulen und Kindertagesstätten. Es geht darum, deren Mitarbeiter dafür zu sensibilisieren, dass es noch eine Geldquelle gibt, wenn die staatlichen Mittel ausgeschöpft sind. Dann kann der Kinderhilfsfonds über das pädagogische Fachpersonal oder die DRK-Ortsvereine direkt gebeten werden, einzuspringen. Die Idee, die dahinter steht, ist es, unbürokratisch, schnell und unter Abbau von Hürden und Formalismen helfen zu können. Das funktioniert beim Deutschen Roten Kreuz nach meiner Erkenntnis gut.

In welchen Fällen? Können Sie einige Beispiele nennen?
Zum Beispiel durch Einzelmaßnahmen wie die Anschaffung von Sportzeug, durch eine Fahrradunterstützung, Taschengeld für eine Klassenfahrt oder einen Ganztagesausflug. Es gibt Kopier- und Kunst-Geld. Auch die Anschaffung von Verbrauchsmaterial wird unterstützt, ebenso wie die Grundausstattung für die Einschulung und vieles andere mehr. Ich kann mir vorstellen, dass es ziemlich bitter für ein Kind ist, den ersten Schultag ohne Schultüte zu erleben. Das alles sind kleine Maßnahmen und man denkt, 50 Euro für eine Schultüte seien doch für jedermann erschwinglich – aber leider Gottes ist es eben nicht so.

Verfügt der Fonds über ausreichend Mittel für alle Anfragen?
Der Fonds ist gut aufgestellt. Wir arbeiten natürlich weiter daran, Spenden zu sammeln. Zu viel Geld für diese Aufgabe kann man gar nicht haben. Meine Aufgabe sehe ich darin, weitere Mittel einzuwerben. Wir wollen ja auf der einen Seite protegieren, dass die Hilfe in Anspruch genommen wird, aber auf der anderen Seite muss die Kasse dann natürlich wieder gefüllt werden.


Wie und wo wollen Sie für den Fonds werben?
Unser Büro ist auf Bau- und Architektenrecht spezialisiert. Wir sind Anwälte und Notare für Immobilienrecht und arbeiten für die Immobilienwirtschaft. Sie können sich vorstellen, dass es da natürlich einige institutionelle Kunden gibt, die man bitten kann, einen Obolus zu entrichten. Oder die fragen: Habt ihr nicht eine Idee, wo wir helfen können?

Rechtsanwalt und gleichzeitig Helfer – ist das nicht ein Widerspruch?

Nein, wir selbst sind ja auch noch als Wirtschaftsmediatoren tätig. Wenn es immer nur darum geht, Streit aus Prinzip zu führen oder andere zu ruinieren, dann ist man in unserem Büro nicht richtig aufgehoben. Wir sind ja viel im Land unterwegs. Da merkt man schon, ob es Menschen ehrlich meinen. Man kann auf Dauer nur bestehen, wenn man authentisch wirkt. Wir wollen Ausgleich, wollen uns deeskalierend in jedweder Hinsicht einsetzen. Das ist unsere Welt.


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