Kinderbetreuung : „Wir wollen auf diese Wiese!“

Erzieherin Lena Richter steht vor der Weide, die der Kindergarten pachten möchte.
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Erzieherin Lena Richter steht vor der Weide, die der Kindergarten pachten möchte.

Waldkindergarten wartet weiter auf Hütte / Erzieher wickeln Dreijährige bei Kälte draußen / Verein will Weide für Lagerfeuer pachten

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03. Januar 2018, 12:02 Uhr

Der Fünfjährige erinnert sich gut: Er fiel in eine Pfütze. Seine Regenhose hatte ein Loch. Er wurde pitschnass. Mitten im Wald musste eine Erzieherin ihm trockene Sachen anziehen. „Das war kalt.“

Der Rendsburger Waldkindergarten „Die Tummetotts“ verbringt den zweiten Winter ohne Hütte im Gerhardshain. Seit mehr als einem Jahr kämpft der Trägerverein „Kind und Demokratie“ für einen Rückzugsort. Bürokratische Hürden verhinderten das Projekt. Inzwischen wäre der Vorsitzende Martin Richter-Sojka schon froh, wenn die Stadt ihm eine Wiese für ein Lagerfeuer verpachtete.

Von den 14 Waldkindern sind vier erst drei Jahre alt. Die Erzieherinnen Lena Richter und Sarah Arend wickeln sie bei Wind und Wetter. Die Kleinen stehen währenddessen. Auf dem Waldboden zu liegen, wäre zu kalt. Hinterher werden sie mit einer Decke warmgekuschelt. Für ein dreijähriges Mädchen sind diese Umstände zu hart. Die Eltern bringen es nur bei warmem Wetter. „Sie sind voll hinterher, dass die Hütte kommt“, sagt Lena Richter. Sie möchte sich mit den Kindern dort nur kurz aufhalten, außerdem Bücher und Kleidung lagern. In einem Bollerwagen führt sie bloß trockene Socken, Leggins und Unterhosen mit sich. Werden die Füße eines Kindes nass, zieht sie ihm trockene Strümpfe an und streift Gefrierbeutel drüber, mit denen das Kind in die nassen Schuhe steigt. Für komplette Garnituren an Wechselkleidung ist der Wagen zu klein. Einmal musste Richter zwei Kinder früher abholen lassen, weil sie durchnässt waren. Bei Windgeschwindigkeiten von mehr als 50 Kilometern pro Stunde dürfen sich die Kinder wegen Astbruchgefahr zudem nicht im Wald aufhalten und müssen sich in den Garten des Nordkollegs zurückziehen.

Der Vorsitzende berichtet: „Wir haben den Waldkindergarten im November 2016 in der Annahme eröffnet, dass wir eine Schutzhütte aufbauen können.“ Für knapp 8000 Euro kaufte er ein fünf mal fünf Meter großes Holzhaus, um es auf einer Weide an der Ecke Am Gerhardshain/Raiffeisenstraße zu errichten. Die Stadt hat sie an einen Landwirt verpachtet, der dort Vieh hält und ein 30 mal 40 Meter großes Stück abgeben würde. Doch die Behörden lehnten eine Hütte und einen Bauwagen ab, weil die Wiese im sogenannten Außenbereich liegt.

Richter-Sojka will das Weidenstück nun pachten, damit die Erzieherinnen im Abstand von 40 Metern zum Wald ein Lagerfeuer anzünden können. Mitte Januar trifft sich ihr Mann mit Bürgermeister Pierre Gilgenast. „Wir hoffen, dass wir das Stück Wiese bekommen und die Stadt die Umzäunung finanziert.“ Der Landwirt schätzt die einmaligen Kosten auf 6000 bis 7000 Euro.

Langfristig setzt Richter-Sojka auf eine Änderung des Baugesetzbuches, mittelfristig auf einen Klarstellungserlass aus dem Innenministerium, der eine Hütte übergangsweise zu waldpädagogischen Zwecken erlaubt. Daniel Günther sagte im Landtagswahlkampf Unterstützung zu. Doch nach dem Regierungswechsel hörte Richter-Sojka aus Kiel nichts mehr.

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