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Interview : „Wir sehnen den Digitalfunk herbei“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Verwaltung und Feuerwehr sind auf Einführung der modernen Kommunikation längst vorbereitet.

„Digitalfunk“ ist ein Reizwort im Land – spätestens nachdem die Polizei große Schwierigkeiten mit der Technik hatte. Nun soll die moderne Kommunikation auch bei Feuerwehr und Rettungsdiensten Einzug halten. Doch die Einführung ist gerade um zwei Jahre verschoben worden. Über die Hintergründe haben Kreiswehrführer Mathias Schütte und der zuständige Fachbereichsleiter der Kreisverwaltung, Dr. Thilo Rohlfs, mit den LZ-Redaktionsmitgliedern Dirk Jennert und Tilmann Post gesprochen.

Wie steht es um die Einführung des Digitalfunks im Kreis?

Rohlfs: Der Digitalfunk ist die Zukunft. Wir erwarten die Einführung sehnlichst. Jeder Monat, in dem wir noch mit dem analogen Funk arbeiten müssen, stellt uns vor große Herausforderungen. Das Netz mit der alten Technik aufrecht zu erhalten wird zunehmend schwieriger, denn Ersatzteile werden nicht mehr produziert. Es gibt nur noch zwei Länder in Europa, die noch analog funken – das sind Deutschland und Albanien.

Wie alt ist die analoge Technik?

Schütte: Der analoge Funk stammt aus den 1970er-Jahren und ist seitdem sukzessive modernisiert worden.

Was sind denn die Herausforderungen, die sich durch die Verzögerung ergeben?

Schütte: Die Ersatzbeschaffungen kosten viel Geld, weil wir sicherstellen müssen, dass die alte Technik noch zwei Jahre durchhält. Monetär lässt sich das aber nicht ausdrücken. Man kann sagen, dass ein neues Funkgerät 1500 Euro kostet – wenn eine Wehr nun noch eines kaufen muss, kann sie es nur noch zwei oder drei Jahre benutzen. Das lohnt sich kaum.

Welche Vorteile hat der Digitalfunk?

Rohlfs: Er bietet viel mehr Möglichkeiten. Zum Beispiel ist das digitale Funknetz abhörsicher. Einzelne Geräte lassen sich sperren, falls sie verloren gehen, damit schieben wir Missbrauch einen Riegel vor. Zudem lassen sich mehr Wege der Datenübertragung nutzen, denn neben dem Sprechfunk sind auch Kurznachrichten und Telefongespräche möglich.

Schütte: Ein sehr großer Vorteil ist, dass Hintergrundgeräusche ausgeblendet werden – die Sprachqualität verbessert sich also. Zudem lassen sich Funkkreise bilden, wenn mehrere Feuerwehren an einem Brandort arbeiten, aber unabhängig voneinander kommunizieren müssen.

Gibt es Nachteile?

Schütte: Zunächst einmal sind beide Systeme sehr zuverlässig. Beim Digitalfunk kann es innerhalb von geschlossenen Räumen dazu kommen, dass die Verbindung abreißt. Das ist bei Versuchen zum Beispiel in Tiefgaragen oder Einkaufszentren festgestellt worden. Um das zu verhindern, müssen im Gebäude Funksignalverstärker eingebaut werden.

Hakt es denn am Kreis und den Feuerwehren, dass sich die Einführung verzögert?

Rohlfs: Fakt ist, dass wir den Digitalfunk so schnell wie möglich wollen. Wir stehen Gewehr bei Fuß und sind dazu bereit. Wir haben bereits 2012 die Voraussetzungen im Haushalt geschaffen, als wir 200  000 Euro für die kreiseigenen Gerätschaften berücksichtigt haben. 2014 haben wir vom Kreistag grünes Licht bekommen für die Einrichtung der „Servicestelle Digitalfunk“ in Kooperation mit Kiel und dem Kreis Plön. Die Stelle soll den Übergang vom analogen zum digitalen Funk organisieren, mit einer Außenstelle in der Kreisfeuerwehrzentrale an der Berliner Straße in Rendsburg. Die Herausforderung ist, 2700 Geräte einzuführen. Die Ortsfeuerwehren kommen dann zur Inbetriebnahme dorthin, um die Geräte programmieren und später auch warten zu lassen. Wir sind also vorbereitet und nur noch dabei, letzte Details zu klären. Wir haben immer alles auf die Einführung 2016/2017 ausgerichtet, dieser Termin war uns 2012 genannt worden. Die Verschiebung um zwei Jahre ist allein auf Schwächen im Ausschreibungsverfahren der landeseigenen Anstalt „Gebäudemanagement Schleswig-Holstein“ zurückzuführen. Es ist vor der Vergabekammer von einem nicht berücksichtigten Bieter angefochten worden. Deshalb ist so viel Zeit verloren gegangen.

Schütte: Hintergrund dafür ist, dass das Leistungsverzeichnis der Ausschreibung in einigen Punkten offenbar missverständlich formuliert war.

Wäre es denkbar, dass Sie schon früher beginnen?

Schütte: Das würde organisatorische Probleme aufwerfen. Die Händler für die Geräte können nicht alle 350 Fahrzeuge im Kreisgebiet auf einmal ausstatten. Um die Technik in einem Auto einzubauen, braucht ein Mitarbeiter einen Tag – am Ende kommen wir also schon auf mindestens ein Jahr. Aber wir sind nicht in der Bringschuld, sondern können beruhigt sagen, dass wir unseren Zeitplan einhalten können.

Müssen denn alle Feuerwehren zu einem Stichtag umstellen?

Schütte: Nein, zunächst stellen nur die rund 20 Einsatzleitwagen auf Doppelbetrieb um, der Rest funkt dann noch analog. Dann wird sukzessive nach Amtsgebieten umgestellt. Die Übergangsphase dauert bis zu zwei Jahre.

Ein anderes Thema: Verwaltung und Feuerwehr legen einen Schwerpunkt auf den Katastrophenschutz. Sind wir im Kreis gegen jedes Unheil gewappnet?

Rohlfs: Der Katastrophenschutz ist seit drei Jahrzehnten auf allen Ebenen vernachlässigt worden, insbesondere auch beim Land und beim Bund, das muss man ganz klar sagen. Wir sind dabei, das aufzuarbeiten, und haben bereits einige Erfolge erzielt. Ich denke dabei zum Beispiel an die Vorbereitung auf einen flächendeckenden Stromausfall über mehrere Tage, den „Schwarzfall“.

Schütte: Es ist in diesen 30 Jahren kaum investiert worden. Die Probleme, die dadurch entstehen, treten jetzt wieder in den Fokus. Zum Beispiel hat es bis vor kurzem so gut wie keine Allradfahrzeuge in den Wehren gegeben. Die Autos kamen bei Schneeverwehungen kaum aus den Gerätehäusern. In den vergangenen vier Jahren haben wir nun bereits fünf solcher Fahrzeuge beschafft, aber in dieser kurzen Zeit können wir nicht alle Versäumnisse aufarbeiten.

Zum Abschluss: Wie steht es um die Mitgliedersituation bei den Feuerwehren?

Schütte: Wir liegen bei konstant rund 8000 Feuerwehrleuten im Kreis, also im ganz dunkelgrünen Bereich. Bei der Jugendfeuerwehr haben wir sogar einen kleinen Zuwachs auf 1100 Mitglieder. Derzeit ist die Lage also sehr stabil. Auch in den Einsätzen halten wir die vorgeschriebene Hilfszeit von zehn Minuten bis zum Einsatzort ein.

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