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Kritik nach Gasexplosion : „Wir hätten alle tot sein können“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Nach dem Löscheinsatz in Langwedel fordert die Amtswehrführung Verwaltung und Gesetzgebung zum Nachbessern auf.

shz.de von
erstellt am 10.Jun.2017 | 09:55 Uhr

„Wir sind haarscharf an einer Tragödie vorbeigerauscht“, sagt Amtswehrführer Dirk Arendt. Es sei nur glücklichen Umständen zu verdanken, dass es bei der Gasexplosion in Langwedel am 22. Mai nur Leichtverletzte gegeben hatte. Nun fordert die Amtswehrführung die Kreisverwaltung zum Handeln auf: Auch kleine Betriebe müssen stärker kontrolliert werden.

„Wir hätten alle tot sein können“, sagt Arendt. Niemand in der Feuerwehr habe Kenntnis von dem 3000-Liter-Flüssig-Gastank gehabt, der im Verlauf des Feuers explodiert war. Damals war der Tank in einem gewaltigen Feuerball aufgegangen, Trümmerteile flogen mehrere hundert Meter weit und bohrten sich beispielsweise in das Mauerwerk von Nachbarhäusern. Es sei ein Glück gewesen, dass die Tragkraftspritze der Feuerwehr Langwedel versagte, sonst hätte eine Löschgruppe im Wiesengrund gestanden und die Druckwelle wäre genau über die Helfer hinweggegangen, meint Arendt. Dieses Szenario wolle er sich nicht ausmalen. Er selbst habe mit Nortorfs Wehrführer Thomas Schröder auf der anderen Seite des Hauses gestanden und sei durch die Explosion zu Boden gegangen. „Wenn wir mit Angst und Schrecken zu einer Einsatzstelle fahren müssen, dann hat irgendjemand geschlafen, aber nicht die Feuerwehr.“

Es könne nicht sein, dass ein 3000-Liter-Flüssig-Gastank in einem Gebäude eingebaut sei, und niemand außer dem Eigentümer davon Kenntnis habe, meint der Amtswehrführer. Unter anderem richtet sich die Kritik an die Kreisverwaltung, die zwei Brandschutz-Ingenieure beschäftigt, um Brandschutzbestimmungen zu kontrollieren.

Die Mitarbeiter des Kreises kontrollieren nur Gebäude der Kategorie vier und fünf sowie Sonderbauten, sagt der stellvertretende Kreisbauamtsleiter André Mundt. Gebäude der Kategorie drei seien bis zu sieben Meter hoch. Da könnten die örtlichen Feuerwehren noch mit ihren normalen Steckleitern retten. Für größere Gebäude werde andere Ausrüstung, beispielsweise eine Drehleiter, benötigt. Nur die Kategorie vier und fünf würden überprüft, für den Rest gebe es nicht genügend Personal. Im Landesbrandschutzgesetz stehe, dass der Kreis für die Prüfung baulicher Anlagen zuständig sei, sagt Dirk Arendt. Dass es eine Personalknappheit beim Brandschutz gebe, sei bekannt. Diesen Sparkurs könne er nicht nachvollziehen. Schließlich gehe es um Menschenleben.

Mit einer Änderung des Brandschutzgesetzes in den 1970er Jahren sei die Zuständigkeit auf die Kreise übertragen worden, sagt der stellvertretende Amtswehrführer, Thorsten Messale. Dass der Kreis mit nur zwei Mitarbeitern für das gesamte Kreisgebiet dieser Aufgabe nicht nachkommen kann, sei wohl jedem klar. Hier müsse nachgebessert werden.

Noch ein weiteres Problem stößt den Feuerwehrleuten übel auf. Jegliche Informationen über einzelne Betriebe basierten auf freiwilligen Angaben der jeweiligen Besitzer. So hielten vorbildliche Betriebe Pläne bereit und stellten sich der örtlichen Feuerwehr auch vor.

Die Amtswehrführung überlege, an das Ordnungsamt heranzutreten und ein offizielles Schreiben aufsetzen zu lassen. Damit wollen sie erreichen, dass Betriebe sich beispielsweise Pläne erstellen lassen, in denen festgeschrieben steht, wo Gefahrenstoffe in welchen Mengen gelagert werden. Bei größeren Betrieben wie dem Gusswerk oder dem Aldi-Lager in Nortorf sei das bereits vorgeschrieben. „Wir sind keine Bittsteller, die rumlaufen und nachfragen, ob man mal in den Betrieb schauen darf“, sagt Arendt.

Bei der Brandstelle in Langwedel habe es einen kaum zu überschauenden Wildwuchs an Bauten gegeben, sagt Arendt. Der Gastank sei hinter einer Mauer gewesen, das sei so nicht zulässig. Bei einem solchen Wildwuchs werde der Brandschutz schnell vergessen. Der Kreis bestätigte, dass der Bau von Gastanks nicht erlaubt sei. Die Tanks seien aber auch nicht genehmigungspflichtig, erläutert André Mundt. Der Unternehmer, der den Tank aufbaue, sei dazu verpflichtet, beim Aufbau die entsprechenden Bestimmungen einzuhalten. Wenn zu einem späteren Zeitpunkt der Bereich überbaut werde, sei der Bauherr des Betriebes verantwortlich. Eine baurechtliche Überprüfung erfolge dann meist nur aufgrund einer Anzeige.

„Es muss eine verbindliche Kontrolle vom Amt oder Kreis stattfinden“, sagt der Amtswehrführer, „oder die Gesetzgebung müsste eine entsprechende Vorschrift erlassen, die Betriebe dazu verpflichtet, diese Pläne vorzuhalten. Wir haben schließlich die Verantwortung für unsere Leute.“

Die Ermittlungen zur Brandursache laufen laut Polizei noch. Ein Gutachter habe die Brandstelle am Dienstag besichtigt.

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