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Landeszeitung

16. Dezember 2017 | 21:47 Uhr

Windkraft-Pläne mit Spalt-Potenzial

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Hälfte der Dörfer mit Bürgerentscheid gegen neue Rotoren muss mit dem Bau von Anlagen rechnen / Politiker rechnen mit Gräben in Gemeinden

shz.de von
erstellt am 08.Dez.2016 | 11:08 Uhr

Der Bau von Windkraftanlagen droht wieder die Dörfer im Kreis Rendsburg-Eckernförde zu spalten. Mit der Ausweisung von neuen Vorranggebieten erntet die Landesregierung nur wenig Applaus in den Gemeinden. Besonders in den Orten, deren Einwohner sich per Bürgerentscheid bereits vor Jahren gegen Windkraft auf ihrem Gebiet ausgesprochen haben, herrscht Unverständnis.

Das betrifft 16 Gemeinden im Kreis. Acht davon haben Glück: Auf ihren Flächen wird dem Windkraftausbau künftig kein Vorrang eingeräumt. Brekendorf, Rodenbek, Mörel, Rade bei Hohenwestedt, Wattenbek, Haale, Embühren und Meezen können also aufatmen, denn zumindest in dem aktuellen Kartenmaterial der Staatskanzlei sind keine Flächen verzeichnet. Allerdings sind dort auch keine Gemeindegrenzen erkennbar.

Katerstimmung herrscht hingegen in den restlichen acht Gegner-Dörfern. Sie sind in den am vergangenen Dienstag bekannt gemachten Plänen (wir berichteten) hingegen durchaus berücksichtigt. Die Gemeinden Jahrsdorf, Nübbel, Wasbek, Ehndorf, Timmaspe, Groß Buchwald, Negenharrie und Gokels müssen mit zum Teil erheblichen Flächen rechnen. Das bringt viele Einwohner auf die Palme, denn sie sehen ihre demokratisch gefassten Beschlüsse kurzerhand von der Obrigkeit ausgehebelt. Der Chef der Staatskanzlei, Thomas Losse-Müller, verwies in der Dienstversammlung mit Bürgermeistern und Amtsdirektoren am Mittwoch im Kreishaus darauf, dass „die objektiven Kriterien nicht gegen die Ausweisung von Vorrangflächen sprechen“. Nach dem Gespräch stellte er fest, dass dennoch eine konstruktive Atmosphäre herrscht. Er sei zuversichtlich, dass die Akzeptanz in den Dörfern überwiegen werde, wenn die Pläne nun „sauber durchgezogen“ werden. Landrat Dr. Rolf-Oliver Schwemer warnte: „Die Sorge vor Ort ist groß.“ In rund zwei Dritteln der Gemeinden herrsche eine kritische Stimmung gegen über der Windkraft. Viele Menschen fürchten Gesundheitsgefahren, andere fühlen sich durch Rotoren in ihrer Nähe gestört. Andere bemängeln, dass die Hauptlast der Energiewende von Menschen im Norden getragen werde. „Die Akzeptanz für die Energiewende ist uns ein Stück weit verloren gegangen“, so der Landrat.

Auch die Gemeinde Gnutz im Nortorfer Land hatte sich bereits vor fünf Jahren gegen neue Windräder ausgesprochen. Eine Befragung hatte damals ergeben, dass 60 Prozent der Einwohner dagegen sind. Der Gemeinderat schloss sich daraufhin diesem Votum an, einen Bürgerentscheid gab es jedoch nicht. Jetzt herrscht Überraschung im Ort. Es sind zwei große Flächen im Westen der Gemeinde vorgesehen, während sie in der Fassung des Regionalplans von 2012 laut Bürgermeister Markus Mehrens noch regelrecht „umzingelt“ war. „Wir sind erstaunt, dass die Gebiete gen Westen gerückt sind“, sagte er auf Nachfrage der Landeszeitung. Dabei gebe es gerade in diesem Gebiet Argumente, die dagegen sprechen, etwa ein Biotop-Verbundsystem, eine 380-Kilovolt-Stromleitung und viele Zugvögel im Winter. „Das hatten wir in unserer Stellungnahme im Mai auch alles angegeben“, so Mehrens, geholfen habe es wohl nichts. Im Januar will er eine Einwohnerversammlung einberufen, dann soll Stellung bezogen werden. Mehrens weiß aber schon: „Die Windräder werden nicht ganz zu verhindern sein. Uns liegt aber daran, dass sie weiter weg vom Dorf aufgestellt werden.“ Wie in vielen anderen Gemeinden liege nun viel Arbeit vor ihm, dass der Graben, den die Windkraft zwischen Gegnern und Befürwortern hervorruft, nicht zu tief wird. „Das wird nicht einfach sein“, prophezeite Hans Kaack, Vorsitzender des Gemeindetag-Kreisverbands, nach der Dienstversammlung am Mittwoch. Thomas Losse-Müller verspricht sich vom sechsmonatigen Beteiligungsverfahren im Internet Klarheit, denn die Planer haben nicht alle Kriterien berücksichtigen können, die unter Umständen gegen neue Rotoren sprechen.

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