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Kuriose Tierfamilie in Mörel : Wildschwein „Banana“ geht den Fängern in die Schlinge - beim zweiten Versuch

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Wildsau „Banana“ fühlte sich in der Rinderherde sehr wohl. Nun wurde sie trotzdem eingefangen - mit einem Trick.

shz.de von
erstellt am 27.Dez.2015 | 17:36 Uhr

Beim zweiten Versuch hat es geklappt: Wildschwein „Banana“ ist eingefangen und in den Erlebniswald Trappenkamp abtransportiert worden. Drei Monate hatte die junge Bache im Kreise einer Limousin-Rinderherde gelebt. Ein „Schweineflüsterer“, eine Tierärztin, weitere Fanghelfer, Mais, Äpfel und Bananen als Lockmittel, eine Fangschlinge und eine Betäubungsspritze waren notwendig, um „Banana“ von ihrer gehörnten Wahlfamilie zu trennen. Es war höchste Zeit für das Einfangen, weil die Rinder in den nächsten Tagen aufgestallt werden sollen.

Die Besetzung des Wildschwein-Fangkommandos war fast die gleiche wie eine Woche zuvor. „Schweineflüsterer“ Marcel Zickermann und sein Kollege Gerd Lüthje vom Erlebniswald Trappenkamp, der Kreistagsabgeordnete Reimer Tank und Landwirt Niels Reese waren auch beim erfolglosen Fangversuch kurz vor Weihnachten (wir berichteten) schon mit von der Partie gewesen. Neu im Team waren Tierärztin Annette Lüthje sowie der Rest der Familie Reese. Neu war auch, dass das Einsatzkommando diesmal einen Plan B in Form eines Narkosegewehrs in der Hinterhand hatte.

„Sie lässt sich streicheln!“ Hobby-Landwirt Dirk Reese hat im Laufe von drei Monaten das Vertrauen von „Banana“ gewonnen.
„Sie lässt sich streicheln!“ Hobby-Landwirt Dirk Reese hat im Laufe von drei Monaten das Vertrauen von „Banana“ gewonnen. Foto: Kühl
 

Nachdem die erste Fang-Runde vor einer Woche an Wildsau „Banana“ gegangen war, hatten sich die Schweinefänger für die Revanche viel vorgenommen. „Der sportliche Ehrgeiz ist schon da“, meinte Zickermann, „heute wollen wir sie erwischen.“ Das Betäubungsgewehr blieb zunächst im Auto. „Wir wollen es erstmal nur mit der Schlinge versuchen“, erklärte der Betreuer des Trappenkamper „Saugatters“, „nur wenn es gar nicht anders geht, soll sie betäubt werden – wir wollen die Narkose eigentlich vermeiden, weil das bei Wildschweinen so eine Sache ist und jedes Tier anders darauf reagiert.“

Wie vor einer Woche wurde die Rinderherde samt „Banana“ Richtung Futtertraufe getrieben, und wie vor einer Woche versuchte Reimer Tank, die junge Wildschweindame mit einem Eimer Mais zu ködern. Annette Lüthje wartete dabei auf eine Gelegenheit, ihre Fangschlinge zum Einsatz zu bringen. „Banana“ hatte den ersten Fangversuch offenbar noch nicht vergessen und blieb auf Distanz. Außerdem sabotierten die Rinder die Fangaktion, indem sie sich ebenfalls aus dem Maiseimer bedienten.

Nach einer Stunde mit vergeblichen Lockbemühungen wurden schwerere Geschütze aufgefahren. Die Trappenkamp-Experten holten ihr Narkosegewehr, und Renate Tank brachte das Lockmittel, das bei „Banana“ immer wirkt und dem sie ihren Namen verdankt: Bananen. Weder Betäubungsgewehr noch Bananen wurden aber gebraucht, weil das Team dann doch noch die richtige Idee hatte, um „Banana“ zu überlisten: ein leckeres Stück Apfel, festgemacht an der Spitze der Fangschlinge. „Banana“ biss zu – und die Schlinge zog sich um ihren Oberkiefer fest. Zickermann packte die Bache an den Hinterbeinen und hielt sie fest, während Auto und Anhänger der Schleswig-Holsteinischen Landesforsten in Stellung gebracht worden.

„Bananas“ wütendes Protestgegrunze, das allen Beteiligten „durch Mark und Bein ging“ (Renate Tank), nützte nichts. Annette Lüthje verpasste dem Wildschwein mittels einer verlängerten Spritze ein Beruhigungsmittel, und dann wurde das Tier mit vereinten Kräften auf den Anhänger gehievt. Während die Ochsenherde dem Richtung Trappenkamp abfahrenden Anhänger nachblickte, schlief „Banana“ schon ganz entspannt in ihrer Transportbox.

Im Erlebniswald Trappenkamp warten zwei etwa gleichalte Wildschweine als neue Spielkameraden auf die Bache. Eine Integration in die 30-köpfige Rotte des Saugatters ist nicht geplant. In Mörel hatte „es einen regelrechten Wildschwein-Tourismus zu unserer Rinderkoppel gegeben“, berichtete Eva Marx-Reese, „vor ein paar Tagen waren Leute aus Kiel zum Gucken hier und auch ein Wildschweinfan aus Hamburg, der mit der Bahn bis Hohenwestedt gefahren war und dann zu uns geradelt ist, um ,Banana' zu sehen.“ Fans der Sau müssen nun nach Trappenkamp, wenn sie der Wildsau einen Besuch abstatten wollen.

 

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