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Horváth-Stück am Landestheater : „Wiener Wald“ mit Gebrauchsanweisung für Schauspieler

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Das Bühnenbild ist schlicht, der Regisseur setzt auf Kopfkino. Außerdem sollen die Zuschauer sich auf die Worte achten – so wünschte sich das auch der Autor Ödön von Horváth. Ensemble-Mitglieder gaben Einblicke in„Geschichten aus dem Wiener Wald.“

Sicher, ein paar Szenen spielen an der schönen, blauen Donau. Aber die „Geschichten aus dem Wiener Wald“ haben mit Walzerseligkeit nichts, aber auch gar nichts zu tun. Die Bezeichnung „Volksstück“ kann ebenfalls irritieren. Denn Ödön von Horváth dachte dabei nicht an einen Schenkelklopfer, sondern an ein Stück, „in dem Probleme auf eine möglichst volkstümliche Art behandelt und gestaltet werden“. So definierte er es selbst in seiner „Gebrauchsanweisung für Schauspieler“.

Die hatte Andreas Strähnz, Chefdramaturg des Landestheaters, gestern Vormittag mitgebracht, ebenso einige der Schauspieler und den Regisseur. Auf diese Weise wurden die rund 30 Besucher im Foyer des Rendsburger Theaters hervorragend „Eingestimmt“ (so der Titel der Vorabveranstaltungs-Reihe) auf die Premiere am kommenden Sonnabend.

Marianne (Nina Mohr) soll den Fleischereibesitzer Oskar heiraten. Doch sie verliebt sich in den schönen Lebenskünstler Alfred (Lorenz Baumgarten), der für sie die Kanzleiobersekretär-Witwe Valerie (Karin Winkler) verlässt. Landestheater-Neuzugang Baumgarten ist wie geschaffen für die Rolle des Hallodris. In einigen Kostproben überzeugte auch Karin Winkler, die mit diesem Stück ihren Einstand im Ensemble gibt. Seit fast 40 Jahren steht sie auf der Bühne, stellte bei „Mamma Mia“ in Hamburg fest, dass Musical „nicht ihr Ding“ ist und sagt: „Dies ist mein erster Horváth und er verlangt mir eine Menge Respekt ab.“ Denn der Dialog steht im Zentrum. Kurz und knapp bringt Horváth sein Anliegen auf den Punkt. „Das Sprechen selbst ist schon eine Handlung. Es ist wenig Illustration nötig“, beschreibt Regisseur Christian Wittmann den Stil. Genau deswegen war es immer wieder zu Missverständnissen gekommen, hatte der Autor eine Gebrauchsanweisung geschrieben: „Die Schuld liegt am Publikum. Es hat sich leider entwöhnt, auf das Wort im Drama zu achten.“

Hinzu kommt: „Jedes Wort muss hochdeutsch gesprochen werden, allerdings so, wie jemand, der sonst nur Dialekt spricht.“ Auf diese Weise entsteht ein ungewöhnlicher Satzbau, der die Worte noch lange nachklingen lässt, so Strähnz.

Ungewöhnlich ist auch, dass Ödön von Horváth seinen Dramen schnelle Schnitte wie im Film verpasste – denn er liebte das Kino. Ein aufwändiges Bühnenbild würde keine raschen Wechsel möglich machen. Darum entschied man sich im Landestheater für ein schlichtes Bild: „Die Zimmer oder der Wienerwald entstehen im Kopf des Zuschauers“, ist sich Regisseur Wittmann sicher.


„Geschichten aus dem Wiener Wald“,

Premiere: Sonnabend, 8. Februar, 19.30 Uhr, Theater Rendsburg. Karten und weitere Termine unter www.sh-landestheater.de


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erstellt am 02.Feb.2014 | 18:12 Uhr

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