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Rund Ums Schaf – Folge 1 : Wie zwei Städter aufs Schaf kamen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Ihr Anliegen ist es, die Vielfalt zu erhalten. Deshalb züchten Peter Furck und seine Frau Ute Kranefeld-Furck die Rauwolligen Pommerschen Landschafe. Diese Rasse steht auf der Liste der gefährdeten Arten.

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erstellt am 07.Jan.2016 | 11:36 Uhr

Auf dem Sofa türmen sich Wollberge. In der Ecke steht ein Spinnrad. Zum Frühstückskaffee gibt’s kalten Lamm-Braten und -Salami. Bei Ute Kranefeld-Furck und Peter Furck dreht sich alles ums Schaf und seine Produkte. Die stammen aus eigener Produktion – denn hinter ihrem Hof am nördlichen Ende von Haby weiden rund 70 Tiere, überwiegend Rauwollige Pommersche Landschafe.

Ein wenig kabbeln sie sich, ob es nun Zufall war oder die Land-Gene sich durchgesetzt haben. Fakt ist: Peter (62) und Ute (60) Furck haben sich schon als Studenten im Ruhrgebiet mit Wolle beschäftigt, sich dann jedoch in Schwaben ihren Lebensunterhalt als IT-Experte beziehungsweise Lehrerin für Deutsch und Englisch verdient. „Aber wir haben uns immer in ländlichen Gebieten wohl gefühlt“, erklärt Ute Kranefeld-Furck. Und es hat sie immer in den Norden gezogen.

Knapp sechs Hektar groß ist ihr Habyer Grundstück. Die große Wiese hinter dem Haus steigt langsam an, dahinter liegt Wald. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, erklären beide übereinstimmend. Jahrelang hatten sie bei Urlaubsfahrten gen Skandinavien nach einem Domizil im Norden gesucht. Als sie die Hoffnung schon aufgegeben hatten, standen sie vor sieben Jahren in Haby vor dem alten Bauernhaus. 2008 machten sie Nägeln mit Köpfen, verkauften das Haus in Schwaben und zogen in den Norden.

Ute serviert ihr selbstgebackenes Brot. Auf der Anrichte stehen von ihr hergestellte Waldorfpuppen. Peter empfiehlt ein Stück von dem Braten. „Das Fleisch schmeckt wildartiger“, erläutert er. Das liege unter anderem an der anderen Ernährung der Landschafe, die sehr genügsam sind und als Landschaftspfleger eingesetzt werden. „Deichschafe würden hier nicht leben können, unsere fressen Binsen, Brombeeren und zur Not auch Brennnesseln“, erläutert der Schafzüchter. Sieben bis acht Monate bleiben die Lämmer bei ihnen. „Sie können auch schon mal Geburtstag gehabt haben“, lacht Ute Kranefeld-Furck. Damit leben ihre Pommerschen Landschafe länger als die Fleisch-Schafe, die im Alter von drei bis vier Monaten ihr Schlachtgewicht erreicht haben.

Eine Schafzucht ist eigentlich nicht das Ziel des Paares gewesen. Doch als der Traum vom Landleben dann Wirklichkeit geworden war, mussten sie feststellen, dass ihre riesigen Grasflächen viel Pflege erfordern. Damals arbeitete Ute noch als Lehrerin, Peter erledigte seine Arbeit vom Homeoffice aus. „Warum das gute Gras verschenken“, sagten sie sich, als sie die erste Zeit die Nachbarn kostenlos mähen ließen.

Das Ehepaar beschäftigte sich mit Eseln, schaute sich Rinder an und Alpakas. Schließlich entschied es sich für Schafe, „denn die mag ich anfassen und riechen“, nennt Peter Furck einen Grund für die Wahl. Außerdem könnten die Tiere sommers wie winters im Freien stehen. Außerdem möchten sie etwas für den Erhalt alter Schafrassen und für die biologische Vielfalt tun. Was mit sieben Tieren anfing, ist inzwischen „ein Fulltime-Hobby für uns beide“, erklärt Peter Furck. Seinen Lebensunterhalt kann das Paar nicht davon bestreiten. „Dafür müsste man mindestens 600 Schafe haben.“ Sie verstehen sich als Selbstversorger. „Bevor wir unbekanntes Fleisch essen, essen wir lieber Fleisch unserer Tiere. Da wissen wir, dass sie ein gutes Leben hatten“, sagt Ute Furck. Auch Obst, Gemüse und die Früchte für Marmelade kommen vom eigenen Grundstück. „Wenn wir mehr produzieren als wir verbrauchen, dann geben wir gerne davon ab“, sagt Ute Kranefeld-Furck.

Schwer tun sich die beiden Züchter nach wie vor damit, Tiere für den Schlachter auszusortieren. „Bei der geringen Anzahl von Tieren hat man noch ein persönliches Verhältnis zu ihnen“, erklärt Peter Furck. Aber sie wissen: Gibt es keine Abnehmer für Fleisch und Wolle, dann ist der Erhalt einer Rasse schwierig. „Und wir nehmen Einfluss auf ihre Behandlung bei ihrem Ende“ , sagt Ute Kranefeld-Furck. Das heißt, sie sorgen beim Transport und Schlachter für so wenig Stress wie möglich.

Auch die grau-braune Wolle der Landschafe wissen die Furcks zu schätzen und verarbeiten sie selber. „Mit dreißig Jahren habe ich mir mein erstes Spinnrad gekauft“, erzählt Peter Furck. Spinnen hat für ihn eine fast meditative Komponente. Heute ist er Mitglied in einem Spinnkreis und gründet in Haby gerade seinen eigenen.

Zucht, um eine alte Rasse zu erhalten


Die Rauwolligen Pommerschen Landschafe werden auch als Landschaftspfleger eingesetzt. Alle drei bis vier Wochen kommen sie auf eine andere Weide – so werden sie ab und an für „Mäh“-Arbeiten auf der Streuobstwiese von Sehestedt eingesetzt. Das Umweiden hat aber noch einen anderen Grund: Im Schafdreck sitzen Parasiten, die die Tiere dann aufnehmen würden. Regelmäßiges Entwurmen wäre nötig. „Wir entwurmen nur gezielt“, sagen die Züchter aus Haby. Und bei Krankheiten behandeln die Furcks die Tiere möglichst mit homöopatischen Mitteln.

Ein Vorteil der alten Rasse: „Wir müssen bei der Geburt so gut wie nie eingreifen“, erklärt Peter Furck. Pommersche Landschafe sind „leichtlammig“ und haben eine lange Brunstzeit – von August bis Januar.

Das Ehepaar betreibt eine Herdbuchzucht, das heißt, es achtet darauf, dass es zu keiner Inzucht kommt, erlaubt keinen Mix und führt die Schafe der Körungskommission vor.

STECKBRIEF:

Rauwollige Pommersche Landschafe

Herkunft

> Das Rauwollige Pommersche Landschaf (so die konkrete Bezeichnung des Schafzuchtverbandes) ist ein mittelgroßes Schaf, das aus den Küstengebieten der Ostsee stammt.
> Ursprünglich war es in Pommern, Mecklenburg, Ostpreußen, Schlesien und Polen verbreitet. Weitere Bestände gibt es jetzt in Baden-Württemberg und bundesweit Einzeltiere.
> Wahrscheinlich ist diese Rasse aus der Kreuzung des Hannoverschen Schafes mit dem Zaupelschaf entstanden. Bestand
> Bis 1950 war das Pommernschaf auf kleineren Höfen weit verbreitet und der Bestand betrug mehr als 100  000 Tiere. 1982 war das Pommernschaf fast ausgestorben. Mit damals nur noch 60 bis 70 Schafen und sieben Böcken wurde unter intensiven Bemühungen die heutige Linienzucht begründet.

> Inzwischen gibt es bundesweit wieder rund 3500 Tiere bei etwa 150 Züchtern. Genutzt werden sie vorwiegend zur Landschaftspflege. Eigenschaften > Es sind sehr genügsame Tiere, die sich dem rauen Küstenklima bestens angepasst haben; sie sind sowohl auf mageren Sand- und Moorböden, als auch auf feuchten Weiden gut zu halten.
> Geschätzt wird ihr delikates und unverfälschtes Fleisch sowie die kräftige Mischwolle. Diese eignet sich mit ihrer besonderen Struktur gut zum Handspinnen.
> Der Wollertrag (das Bild zeigt Wolle von anderen Schafen) liegt bei vier bis sechs Kilogramm pro Schaf und Jahr. Besonderheiten > Die Lämmer werden schwarz geboren und hellen nach einiger Zeit unterschiedlich stark auf bis sie ein graues Fell bekommen. Nur Kopf und Beine bleiben dunkel.
Im Internet > Ute Kranefeld-Furck und Peter Furck mit ihrer Zucht: www.schafhof-haby.de > Über Pommernschafe in Deutschland: www.rauhwoller.de > Seltene Rassen in der Arche Warder: www.arche-warder.de > Die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH): www.g-e-h.de
Quellen: Schafzuchtverband und Arche Warder

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