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Nübbel : Wie Thorge mit den Delfinen schwamm

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Aus der Redaktion der Landeszeitung

Familie Holm aus Nübbel reiste im Dezember nach Teneriffa zu einer Therapie mit den Tieren. 8000 Euro Spenden machten es möglich.

shz.de von
erstellt am 16.Jan.2016 | 06:00 Uhr

Martina und Stefan Holm und ihre Kinder Marvin, Ramona und Thorge sind eine Familie, die zusammenhält – und sie leben in einem Dorf, das hinter ihnen steht. Mit der Unterstützung von Freunden, Nachbarn, Vereinen, Unternehmen und anderen Einwohnern konnten sie im Dezember eine ganz besondere Reise nach Teneriffa antreten.

Der achtjährige Thorge leidet am Angelman-Syndrom. Die geistige Behinderung basiert auf einem angeborenen Gen-Defekt auf dem Chromosom 15. Sie wird unter anderem begleitet von ausgeprägten Schlafstörungen, eingeschränkten motorischen Fähigkeiten, epileptischen Anfällen und Hyperaktivität. „Thorge geht zur Reittherapie. Die Arbeit mit den Tieren hilft ihm sehr“, berichtet Vater Stefan Holm. Auf Umwegen haben die Eltern von der Möglichkeit einer Delfintherapie auf Teneriffa erfahren. Das Besondere daran: Die Tiere sind freilebend und entscheiden selbst, ob sie die Nähe zum Menschen suchen oder nicht. Da die gesamte Familie daran teilhaben sollte, lagen die Kosten allerdings bei 8000 Euro. Eine Summe, die die Familie aus eigener Kraft nicht hätte stemmen können.

Unter anderem ein Bericht in der Landeszeitung setzte eine Welle der Hilfsbereitschaft in Gang. In nur vier Monaten, zwischen September und Dezember 2014, waren die 8000 Euro zusammengekommen. „Es waren alles Spenden, ganz viele kamen aus Nübbel. Manchmal haben wir sogar einen Umschlag mit Geld im Briefkasten gefunden“, erzählt Martina Holm. „Diese Hilfsbereitschaft war einfach der Wahnsinn.“ Und so konnte die Familie am 4. Dezember vergangenen Jahres die Reise auf die Kanaren-Insel Teneriffa antreten.

Den Organisatoren des „Human Dolphin Research“ sei es wichtig, dass die ganze Familie mitreist. „Unsere anderen beiden Kinder, Marvin und Ramona, mussten schon sehr zurückstecken. Wenn man ein behindertes Kind hat, kann man nicht allen gerecht werden“, beschreibt Martina Holm die Situation. So gab es außer den Stunden auf und im Wasser auch Einzelgespräche und Runden, an denen die ganze Familie teilnahm. „Da hat dann mal jemand einen Blick von außen auf unsere Familie geworfen und beobachtet, wie wir miteinander umgehen“, erzählt Stefan Holm. „Es hat sehr gut getan, mit jemandem zu sprechen, der einem auch mal andere Wege aufzeigt“, ergänzt seine Frau. Durch die Begleitung einer Freundin, die ihren Aufenthalt selbst bezahlt hat, konnten sich Eltern und Geschwister auch mal Auszeiten gönnen, die ansonsten selten sind.

Die schönsten Momente hatte die Familie allerdings auf dem Wasser. „Von sieben Touren, die wir gemacht haben, haben wir sechsmal Delfine oder Grindwale gesehen“, erinnert sich Stefan Holm, der die Erlebnisse sehr genoss. „Einmal hatten wir ziemlichen Wellengang. Da hat man richtig gemerkt, wie viel Spaß die Wale in den Wellen hatten.“ Auch Martina Holm, die von sich selbst behauptet, keine sonderliche Wasserratte zu sein und wenn, am liebsten Boden unter den Füßen hat, erinnert sich gern. „Ramona und Marvin haben jedes Mal gestrahlt, wenn sie aus dem Wasser kamen. So glücklich und zufrieden habe ich sie schon lange nicht mehr gesehen.“

Und Thorge? Der sei ohnehin wasserfanatisch, erzählen seine Eltern. „Er hat die Zeit sehr genossen. Im Wasser war er ganz ruhig und die Tiere haben seine Nähe gesucht“, berichten die beiden. „Es war jedes Mal ein richtiger Kampf, ihn wieder ins Boot zu holen.“ Während der Reise sei deutlich zu spüren gewesen, dass Thorge ruhiger war als gewöhnlich. „Er wird weiterhin reiten gehen“, erzählt sein Vater. Die Symptome seiner Behinderung können sich verändern, manche verschwinden, andere neu auftauchen. Zur Delfintherapie wird die Familie wohl nicht mehr fahren. „Es wird nicht mehr so wie es war. Thorge wird auch langsam zu schwer, um ihn im Wasser zu händeln“, sagt Martina Holm. „Das war eben ein einmaliges Erlebnis.“

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