Bestanden : Wie man Straßen sicherer macht

Auf jeden Zentimeter kommt es an: Björn Rathje (von links) und Kevin Storr setzen die Rasenborde für den Gehweg.
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Auf jeden Zentimeter kommt es an: Björn Rathje (von links) und Kevin Storr setzen die Rasenborde für den Gehweg.

15 angehende Straßenwärter aus ganz Schleswig-Holstein legten in Westerrönfeld die praktische Abschlussprüfung ab.

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04. Juni 2014, 13:41 Uhr

Ganz genau hat Björn Rathje die Wasserwaage im Blick. Die Luftblase liegt genau zwischen den Markierungen – so wie es sein soll. Sofort macht sich der angehende Straßenwärter mit seinem Kollegen Kevin Storr daran, die Rasenborde weiter zu verlegen. Diese Aufgabe ist Teil ihrer praktischen Abschlussprüfung. Die beiden Auszubildenden legten sie gestern und am Montag zusammen mit 13 weiteren angehenden Straßenwärtern aus ganz Schleswig-Holstein ab.

Rathje und Storr arbeiteten konzentriert. Ihre Aufgabe lautete: Pflastern eines Gehwegs und Anlegen einer Entwässerungsrinne. „Das Besondere daran ist, dass wir zwei Gefälle eingebaut haben, die es mit zu berechnen gilt“, erklärte Berufsschullehrer Henning Klöpper. Nachdem die jungen Männer sich die Baupläne für den Gehweg genau angesehen hatten, begannen sie mit dem Setzen von Metallstäben, so genannten Schnurnägeln. Hier wurden die Schnüre gespannt, an denen entlang gepflastert wurden. Es ist Maßarbeit gefragt. Sind die Schnüre falsch gespannt, werden die Steine ungenau eingesetzt.

Das Pflastern war jedoch nur eine der sieben Stationen, die die Prüfer auf dem Gelände der Straßenmeisterei Westerrönfeld aufgebaut hatten. Zu den weiteren Prüfungsaufgaben zählten zum Beispiel das Abstecken eines Fundaments, die Baustellenabsicherung, das Fällen eines Baumes sowie eine Bauwerksbesichtigung. Dafür begutachteten die Prüflinge eine Brücke bei Jevenstedt. „Wir gucken, ob augenscheinlich nichts kaputt ist“, sagte der Arbeitsgruppenleiter Andreas Kapischke. Anhand eines Protokollbogens werden etwa die Fugen, die Entwässerung und die Schutzplanken kontrolliert. Extra für die Prüfung wurde der ein oder andere Mangel nicht beseitigt. „Wir haben das Unkraut in den Fugen nicht weggenommen“, sagte Matthias Paraknewitz, Leiter der LBV-Niederlassung in Rendsburg.

Azubi Björn Rathje von der Straßenmeisterei Westerrönfeld ließ sich bei der Besichtigung nicht beirren und erkannte die Schadstelle. Er weiß: Durch die Löcher in den Fugen kann salzhaltiges Wasser in das Bauwerk eindringen und es beschädigen. Der 20-Jährige schätzt an seinem Beruf besonders das Arbeiten in der frischen Luft und die abwechslungsreichen Tätigkeiten, die die Arbeit mit sich bringt. Während der praktischen Prüfung war er nicht nervös, aber etwas angespannt. „Ich habe versucht, das Beste herauszuholen.“

Neben dem praktischen Teil gibt es am Ende der dreijährigen Ausbildung auch einen schriftlichen Test, den alle 15 Azubis bereits geschrieben und bestanden haben. Dabei geht es nicht nur um Straßenbau, sondern auch um Landschaftsgestaltung, Winterdienst und Recht. Schließlich gehört nicht jede Straße in den Zuständigkeitsbereich der Landesbetriebe. Um zu wissen, welche Wege zu pflegen sind und welche von der Gemeinde oder den Anliegern betreut werden, sind juristische Kenntnisse nötig. „Während der Ausbildung wird das theoretische Wissen mit der Praxis verknüpft“, so Paraknewitz.

Nach der Freisprechung im Juli dürften die meisten der 15 Gesellen auf den Straßen des Landes unterwegs sein. Und wer weiß, was sie bei ihren Streckenkontrollen alles finden? Paraknewitz jedenfalls berichtet von kuriosen Fundstücken: „Radkappen, Waschmaschinen oder Windeln, bei uns können sie alles haben.“

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