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Themenwoche (2): GARTEN der Vielfalt : Wie eine grüne Decke zum Einkuscheln

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

In der „Mühle 17“ in Bokel ist jeder willkommen – im Haus und im Garten. Vielfalt und Wohlfühlfaktor überzeugen zahlreiche Besucher.

Gärten sind Orte der Erholung, der Schönheit, aber auch von praktischem Nutzen. Eine Woche lange stellt die Landeszeitung die verschiedensten Anlagen und Gärtner aus der Region vor. Thema heute: Gärten mit großer Vielfalt.

Früher führte der Mühlenweg noch am Bokeler See entlang. Dieser existiert seit Jahren nicht mehr. Bis der Betrieb in der Mühle eingestellt wurde, befand sich dort eine Koppel. Als Thomas Jaspert und Freunde 2001 die ehemalige Mühle kauften, stand eines fest: „Der Garten wird als erstes gemacht.“ Entstanden ist ein kleines Paradies – nicht nur für die Familie, sondern für jedermann.

„Als wir das Grundstück gekauft haben, war hier nichts“, erinnert sich der Hausherr zurück. Ein Konzept hatte man damals nicht. „Aber wir wollten unbedingt einen Teich. Diesen haben wir dann bei der Unteren Naturschutzbehörde beantragt.“ Der Grundstein war gelegt, erste grobe Strukturen auf der rund 1000 Quadratmeter großen Fläche bildeten sich. „Ein Garten ist ja ein Ort der Erholung“, betont der Bokeler, „und da wir hier in der Umbauphase des Hauses im Zirkuswagen, also draußen, gelebt haben, musste zunächst der Garten fertig sein.“ Aufgrund der schlechten Bodenverhältnisse sei das Spektrum der zu nutzenden Pflanzen gering, feuchter, torfiger, moosiger und auch sandiger Grund sei nicht für alle Arten geeignet. „So hat man erstmal herumexperimentiert, was hier überhaupt wachsen kann“, berichtet der Botaniker. Viele heimische Pflanzen wachsen nun neben großen Bamben, „die gehen hier sehr gut“, freut sich Jaspert. Sogar die brasilianische Gunnera, die in ihrer Heimat eine Blattgröße von bis zu drei Metern erreichen kann, kommt im beschaulichen Bokel auf gut eineinhalb Meter.

Das besondere an seinem Garten? „Sobald man ihn betritt, ist man in einer anderen Welt. Es ist wie eine grüne Wolldecke, in der man sich einwickeln kann.“ Die meisten Besucher kämen nur deshalb zurück. „Es ist sehr wild hier, viele Nischen befinden sich im Garten, Frösche, allerhand Singvögel, Eidechsen, Schlangen, Maulwürfe oder Wühlmäuse fühlen sich hier pudelwohl.“

Nachdem der Garten fertig gestellt war, wurde das Wohngebäude um- und angebaut. Die heutige „Mühle 17“ ist ein Wohnprojekt, in dem Menschen aus verschiedenen Bereichen – darunter Kunst, Biologie, Pädagogik oder Zirkus und Heilkunst – zusammenleben. Sogar ein Aalmuseum mit Räucherkate befindet sich auf dem Grundstück. Touristen haben die Möglichkeit, im Mühlengarten zu übernachten – im Zelt oder im umgebauten Wohn- oder Zirkuswagen. „Jeder ist hier willkommen“, betont der gelernte Bildhauer. Das zeige sich auch daran, dass das Grundstück nicht eingezäunt ist, der Garten frei zugänglich. „Manchmal treffe ich hier sogar Leute, die ich noch nie zuvor gesehen habe.“

Die Idee eines offenen Gartens ist für Thomas Jaspert und seine Familie selbstverständlich. „Mittlerweile sieht man fast ausschließlich gleiche Sequenzen. Das heißt, jeder Garten ist eingezäunt, jedes Kind hat eine Schaukel, eine Sandkiste und eine Rutsche.“ Ein penibel gepflegter Garten, in dem kein Unkraut zu sehen ist, käme in der „Mühle 17“ nicht in Frage. „Unser Garten ist alltagstauglich. Und hier darf auch bewusst mal etwas kaputt gehen. Es ist schließlich ein Gebrauchsgegenstand für Menschen.“

Die Verbindung von Mensch und Natur setzt sich auch Abseits des heimischen Gartens fort. Ein Wanderweg führt an der Mühle und der Au entlang. Dort ist auf Wunsch der Landfrauen auch ein Liebesnest entstanden. Direkt am Wasser sorgt ein kleiner Unterschlupf für romantische Momente. Die Pflege des Weges übernimmt „irgendwie jeder mal“, so Jaspert. Rund 300 Meter lang ist der Weg entlang der Au. Am Ende angekommen wartet eine mongolische Jurte auf die Wanderer. Dort können Geburtstage gefeiert und kann auch mal übernachtet werden. Stühle am Wasser laden zum Verweilen ein. Ein idyllisches Fleckchen, mitten in Bokels Natur. Und zu entdecken gibt es dort noch vieles mehr. Ein Besucher habe mal gesagt, berichtet Jaspert, „es ist wie ein großes Wunderland hier.“

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erstellt am 17.Jun.2016 | 18:59 Uhr

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