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Landeszeitung

14. Dezember 2017 | 18:38 Uhr

Olympia : „Wie ein Sechser im Lotto“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Bob-Bundestrainer Christoph Langen lobt den Nortorfer Joshua Bluhm in höchsten Tönen. Am Wochenende geht er in Sotschi auf Goldjagd.

shz.de von
erstellt am 20.Feb.2014 | 06:07 Uhr

Die Olympischen Winterspiele im russischen Schwarzmeerkurort Sotschi befinden sich auf der Zielgeraden. Doch der Höhepunkt aus norddeutscher Sicht steht noch aus. Denn erstmals in der Geschichte der Olympischen Winterspiele wird auch Schleswig-Holstein vertreten sein. Der in Nortorf aufgewachsene Joshua Bluhm durchlebte in den vergangenen Monaten eine steile Karriere und sicherte sich im letzten Moment noch ein Ticket nach Sotschi. Als Anschieber von Bobpilot Thomas Florschütz wird Bluhm am Sonnabend und Sonntag im Viererbob an den Start gehen. Dabei hatte er zunächst keinen Gedanken an Eiskanäle verschwendet und träumte von den Fußball- oder Leichtathletikstadien dieser Welt. Doch der 19-Jährige überzeugte beim Bobsport und steht nun vor einem ganz persönlichen Highlight, wenn es am Wochenende um die Vergabe der Olympischen Medaillen im Viererbob geht. Die Landeszeitung hat einige ehemalige und aktuelle Weggefährten Bluhms nach ihrer Meinung zum sensationellen Aufstieg des Bob-Talents befragt.

Horst Flindt (vermittelte Bluhm 2011 zur Leichtathletikabteilung des TSV Bayer 04 Leverkusen): „Der Wechsel von der Leichtathletik zum Bobsport kam für mich schon überraschend. Ich war mir aber sicher, dass sich Bluhm mit seinem enormen Ehrgeiz irgendwann im Leistungssport durchsetzen würde. Letztlich befand er sich dann zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort, als er beim Stützpunkttraining in Paderborn war, wo Thomas Prange das Talent erkannte und den Kontakt zum Bobsport herstellte. Ich bin mir sicher, dass er auch Fußballprofi hätte werden können. Sein zweifelsohne vorhandenes Potenzial hat nur niemand erkannt. Er ist ja vor allem auf den ersten Metern wahnsinnig schnell. Dazu ist er ein guter Typ, pflegeleicht – einer, der für den Sport lebt.“

Thomas Prange (Leichtathletiktrainer beim LC Paderborn und selbst ehemaliger Bobfahrer; er stellte für Bluhm den Kontakt zum Bobsport her): „Im Herbst des vergangenen Jahres sagte ich zu Bluhm, dass es unglaublich schwer sei, in der Sprintdisziplin ganz vorne zu landen, da die Konkurrenz extrem groß ist. Für den Bobsport hat er aber die ideale Figur. Bereits vor zwei Jahren war er mir aufgefallen, da er zu diesem Zeitpunkt schon sehr groß und kräftig gebaut war. Für die Bob-Mannschaft ist Bluhm nun eine echte Verstärkung. Medaillenchancen haben die deutschen Mannschaften immer, aber es wird eine ganz enge Kiste.“

Christoph Langen (Bundestrainer des deutschen Bobkaders): „Das ist für uns wie ein Sechser im Lotto, dass so ein Mann wie Joshua Bluhm wie aus dem Nichts zu uns kommt und sofort überzeugen kann. Jetzt hoffen wir, dass bei Olympia das nötige Quäntchen Glück bei uns ist, um es auf das Treppchen zu schaffen.“

Matthias Böhmer (Bobpilot des Teams, zu dem Bluhm eigentlich gehört und mit dem er auch seine ersten Bob-Rennen absolvierte): „Er ist noch ziemlich jung und kann noch viel lernen. Aber er hat das bisher Erlernte sehr schnell umgesetzt. Es kommt nicht so oft vor, dass nach nur einem halben Jahr Training so viel bereits so gut umgesetzt wird.“

Torsten Grimm (Bluhms jahrelanger Fußballtrainer beim TuS Nortorf): „Joshua war ein ganz ruhiger und umgänglicher Spieler. Seine größte Qualität war immer die Schnelligkeit, und er hatte auch einen super Schuss. Im technischen Bereich war noch Luft nach oben.“

Ralf Sawierucha (ehemaliger Sportlehrer von Bluhm am Alexander-von-Humboldt-Gymnasium in Neumünster-Einfeld): „Das Sport-Profil war wie für ihn geschaffen. Beim Ausdauerlauf war Joshua allerdings nie vorne mit dabei. Dafür war er im Sprint nicht zu schlagen, und er wusste beim Thema ,Krafttraining’ bestens Bescheid. Ich erinnere mich noch sehr gut, dass er immer gut drauf war und gute Laune verbreitet hat.“

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