Büdelsdorfer Pastorin erinnert sich : Wie ein DDR-Kind den Mauerfall erlebte

Am 3. Oktober 1990 war Christiane Zimmermann-Stock zehn Jahre alt.
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Am 3. Oktober 1990 war Christiane Zimmermann-Stock zehn Jahre alt.

Christiane Zimmermann-Stock wuchs in Mecklenburg auf. Erst als die Grenzen öffneten, fühlte sie sich „als Deutsche“.

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01. Oktober 2019, 19:20 Uhr

Dass „Hurra“ mit Doppel-R geschrieben wird, das wusste sie noch nicht. Aber der Bedeutung der Wiedervereinigung war sich die damals zehnjährige Christiane sehr bewusst: Am Tag der Deutschen Einheit pinselte sie „Hura, wir sind Deutsche“ auf einen Zettel. „Den hab’ ich dann an den guten Übergardinen bei meinen Eltern im Wohnzimmer festgemacht“, sagt sie.

„Hura, wir sind Deutsche.“ Diesen Satz schrieb Christiane als Zehnjährige auf einen Zettel und hängte ihn an die Übergardinen ins elterliche Wohnzimmer.
privat

„Hura, wir sind Deutsche.“ Diesen Satz schrieb Christiane als Zehnjährige auf einen Zettel und hängte ihn an die Übergardinen ins elterliche Wohnzimmer.

 

Heute ist Christiane Zimmermann-Stock 39 Jahre alt und Pastorin in Büdelsdorf. Ihre Kindheit verbrachte sie in Mecklenburg-Vorpommern und hat dort den DDR-Alltag erlebt – vielleicht etwas bewusster als andere Kinder. Sie wuchs in Bad Doberan auf. Ihre Eltern, beide Pastoren, hatten sich immer vom System der DDR abgegrenzt. „Alle meine Mitschüler waren bei den Pionieren“, sagt Christiane Zimmermann-Stock. Sie selbst nicht. „Beim Appell musste ich daher immer hinten stehen.“

Als junges Mädchen lernte sie Russisch und schrieb Briefe an ihre Freundin in der Sowjetunion. Ein richtiges Highlight war der Besuch ihres Großonkels. „Als er aus dem Westen kam, brachte er mir einen Monchhichi mit.“ Dass sie in Bad Doberan aufwuchs, war dabei nur tragischer Zufall. „Meine Familie mütterlicherseits stammt aus Nordrhein-Westfalen“, sagt die Pastorin. Doch in der Nachkriegszeit starb ihre Oma. Ihre Mutter kam daraufhin nach Mecklenburg-Vorpommern und wuchs bei ihrer Tante auf. Der Großvater war Kaufmann und blieb im Westen. „Wir wurden durch die Mauer getrennt“, sagt die 39-Jährige. Während die Schulfreundinnen ihre Großeltern besuchen konnten, wann immer sie wollten, war dies der kleinen Christiane verwehrt. Und immer hatte sie Angst, ihre Mutter würde vom Geburtstagsbesuch des Opas im Westen nicht zurückkehren.

Ein einschneidendes Erlebnis in ihrer Kindheit war der Tag der Währungsunion. Ihr Vater nahm sie an die Hand und spazierte mit ihr durch Bad Doberan. „Die Geschäfte waren voller Süßigkeiten“, sagt sie. „Und wir klebten mit unseren Nasen an den Schaufenstern.“

Nach der Schulzeit studierte Christiane Zimmermann-Stock Theologie in Rostock. Während ihrer Zeit als Vikarin lernte sie schließlich ihren heutigen Ehemann kennen – und kam mit ihm nach Schleswig-Holstein. Hier fielen ihr bei Geburtstagsbesuchen, die als Pastorin zu ihrem Alltag gehören, schnell die Unterschiede auf. Vor allem beim Frauenbild: War die Berufstätigkeit für DDR-Frauen Normalität, war sie im Westen Ausnahme.

Christiane Zimmermann-Stock ist Pastorin in der Büdelsdorfer Auferstehungskirche.
Dana Frohbös

Christiane Zimmermann-Stock ist Pastorin in der Büdelsdorfer Auferstehungskirche.

 

Zur Erinnerung an den Mauerfall findet am Donnerstag in der Büdelsdorfer Auferstehungskirche ein regionaler Gottesdienst statt. Er beginnt um 11 Uhr und wird von dem Landessuperintendenten i. R. Pastor Carl-Christian Schmidt aus Mecklenburg sowie dem Bischof der evangelischen Kirche in Estland, Tiit Salomäe, mitgestaltet. Anschließend gibt es bei einem Mittagsimbiss die Möglichkeit zum Austausch von Erinnerungen.

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