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Landeszeitung

17. Dezember 2017 | 15:23 Uhr

Aukrug : Wie der Knick zu seinem Namen kam

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

„Warum Knicks überhaupt Knicks heißen“: Aukruger Bund für Naturschutz informierte sich über die alte Kulturtechnik.

Warum Knicks überhaupt „Knicks“ heißen, ist vielerorts längst in Vergessenheit geraten. 100 Jahre alte Knick-Harfen sind kulturhistorische Relikte und Belege dafür, dass in früheren Zeiten am Feldrand Baumschösslinge herabge-„knickt“ wurden, um möglichst dichte „lebende“ Einzäunungen zu schaffen. Um die Erinnerung an genau diese Knick-Technik und die damit verbundene Zaunfunktion am Leben zu erhalten, will der Aukruger Bund für Natur- und Landschaftsschutz im kommenden Winter auf drei seiner Flächen in Aukrug traditionelle Knicks wie anno dazumal errichten.

„Wir wollen diese alte Kulturform des Knickens erhalten und auch praktisch darstellen, damit sie nicht in Vergessenheit gerät“, sagt Vereins-Chef Jörg Rowehl mit Blick auf das neueste Projekt des Aukruger Bundes für Natur- und Landschaftsschutz. „Diese traditionelle Knickpflege ist nicht nur historisch interessant, sondern auch aus Naturschutzsicht sehr wertvoll.“ Die in den vergangenen Jahrhunderten übliche Form des Knickens ist etwas ganz anderes als das Auf-den-Stock-Setzen, welches heutzutage als Knicken verstanden wird. Um sich über die historischen, heimatkundlichen und regionalen Aspekte des traditionellen Knickens zu informieren, buchten Rowehl und seine Mitstreiter vom Aukruger Bund einen Workshop bei Jürgen Golz vom Nabu Schenefeld.

„Fast jedes Kind in Schleswig-Holstein weiß, was ein Knick ist – dass aber die Bezeichnung Knick ursprünglich mit dem Verb ‚knicken‘ (im Sinne von ‚umbiegen‘) zu tun hat, das wissen außer Heimatkundlern vermutlich nur noch einige alte Landwirte“, erklärte Golz einleitend. „Früher wurden durch Anschneiden und Umlegen des Aufwuchses dichte, lebende Einzäunungen der Felder hergestellt.“ Auf seinem Redderhof im Pöschendorfer Ortsteil Hohenesch erläuterte Golz seinen Gästen aus Aukrug zunächst im Rahmen eines Lichtbildvortrags, wie und warum in früheren Zeiten geknickt wurde. Die Hauptfunktion der Knicks bestand noch etwa bis zum Zweiten Weltkrieg in der Einzäunung. Zu diesem Zweck wurden Bäume und Sträucher der Wallhecke miteinander verflochten, nachdem man die jungen Schösslinge seitlich angeritzt, herabge-„knickt“ und in der Erde verankert hatte. Daher stammt also die landestypische Bezeichnung „Knick”. Die heruntergebogenen Schösslinge wuchsen zu einem dichten Zaunsystem zusammen, aus dem die Seitentriebe oft nach oben wuchsen und dabei „harfenförmige” Gestalt annahmen. Knickharfen sind somit erhalten gebliebene kulturhistorische Relikte der alten Zaunfunktion.

Genau solche Knickharfen besichtigten die Workshop-Teilnehmer dann nach dem mehr als vierstündigen Theorieteil – und zwar in Aukrug-Homfeld. „Die Knicks dienten als Einpferchungen, damit die Viecher da blieben, wo sie bleiben sollten“, vermerkte Golz, als die Gruppe eine über 100 Jahre alte Knickharfe am Rande einer Weide inspizierte. Auf dem Weg zur nächsten, noch eindrucksvolleren Knickharfe erläuterte der Nabu-Experte, dass die traditionelle Knickpflege früher in ganz Europa gebräuchlich war: „In anderen Ländern ist dieses Wissen noch nicht ausgestorben – in England wird das sogenannte hedge laying sogar heute noch betrieben.“ An dem Knickharfen-Prachtexemplar an der Spurbahn zwischen Homfeld und Waldhütten, zu dem Rowehl die Exkursionsgruppe dann führte, konnte der Fachmann eine leicht abgewandelte Einzäunungsfunktion veranschaulichen. „Auch am Rand von Viehtriften hat man Knicks angelegt, um zu verhindern, dass die Rinder in die Wälder ausbrachen.“

Nach der Knick-Theorie und der Knickharfen-Besichtigung gab Golz den Aukrugern zum Abschluss auch noch eine praktische Einweisung ins Knicken. Im kommenden Winter wollen die Bund-Mitglieder das beim Workshop Gelernte dann in die Tat umsetzen. „Am Hölln-Weg und auf den Flächen Rempen und Neuth werden wir für die Öffentlichkeit junge Knicks nach traditioneller Art anlegen“, kündigte Rowehl an. Die neuen Knicks sollen als Anschauungsobjekte für eine so gut wie vergessene, aber ökologisch sehr wertvolle Bewirtschaftungsform dienen. „Solche Knicks bieten Lebensräume für eine Vielzahl von Tieren und Pflanzen“, bemerkte Golz. „Für Brutvögel gibt es viel mehr Möglichkeiten zum Nesterbau.“

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