Kita-Streik : Wettlauf um die Plätze in den Kita-Notgruppen

Das Schild an der Eingangstür der Kindertagesstätte Neuwerk zeigt es an: Die Erzieher beteiligen sich an dem bundesweiten Streik.
Das Schild an der Eingangstür der Kindertagesstätte Neuwerk zeigt es an: Die Erzieher beteiligen sich an dem bundesweiten Streik.

In der Kita Neuwerk gibt es während des Streiks zwei Notgruppen. Wer dort einen Platz bekommen möchte, muss schnell sein.

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12. Mai 2015, 05:47 Uhr

Wohin mit meinem Kind? Diese Frage müssen sich Eltern auch in dieser Woche stellen. Denn der Streik der Erzieher geht in die nächste Runde. Bei der Stadt verlangen einige Eltern bereits die Kita-Gebühren zurück und fordern mit Nachdruck eine Lösung für die Unterbringung ihrer Kinder.

Drei Anfragen zur Rückzahlung sind bei Bernd Schauer, Fachbereichsleiter Bürgerdienste, bereits eingegangen. Doch den Eltern musste er eine Absage erteilen: „Nach unserer Satzung ist eine Erstattung nicht möglich. Die Beitragspflicht besteht weiter, auch im Falle eines Streiks“, sagte Schauer gegenüber der Landeszeitung. Auch die Frage, ob die Kita-Räume für eine selbst initiierte Betreuung genutzt werden dürfen, musste er verneinen. Privat könne man sich in jeder Form organisieren und bei der Betreuung unterstützen, in den Spielräumen der Tagesstätten ginge das aber aus Haftungsgründen nicht. Schauer: „Wir können ja nicht einfach erlauben, die Verantwortung der Kinder Fremden zu übertragen.“

Vom Streik betroffen ist von den städtischen Einrichtungen vorerst nur die Kita Neuwerk (Stand gestern Nachmittag). Da sich nicht alle Erzieher an dem Streik beteiligen, ist vormittags eine Notgruppe für Krippenkinder und nachmittags eine für Kindergartenkinder eingerichtet. Das Problem: Die Anzahl der Plätze ist begrenzt. Die Erzieher müssen sich daher täglich die Frage stellen: Wer ist auf die Betreuung angewiesen? Familien, in denen beide Elternteile berufstätig sind und in denen keine Verwandten die Aufsicht übernehmen können, haben nach Ansicht von Schauer Vorrang. Doch auch er sieht dabei ein großes Problem: Wie soll man das kontrollieren? „Das ist schwierig, deshalb gilt meist das Windhundprinzip“, sagt der Fachbereichsleiter. Die Empfehlung an die Eltern lautet: „Setzen Sie sich frühzeitig mit den Kitas in Verbindung, um zu klären, ob ihr Kind einen der Plätze in der Notgruppe bekommen kann.“

Einen dieser Plätze hat auch der einjährige Jönne gestern in der Krippe am Vormittag bekommen. Seine Eltern sind beide berufstätig. Sie sind darauf angewiesen, dass ihr Sohn am Vormittag betreut wird. Für den Streik der Erzieher hat Vater Matthias Bruhn aber vollstes Verständnis. Genauso wie Horst Reibisch, der seinen Enkelsohn gestern Mittag abholte: „Die Anforderungen an die Erzieher sind gewachsen. Das muss entsprechend honoriert werden. Sie sollten wie Grundschullehrer bezahlt werden“ – so seine Meinung.

Nicht nur die Erzieher kämpfen derzeit für bessere Löhne. Auch Sozialpädagogen beteiligen sich an dem Streik. In der Christian-Timm-Schule zum Beispiel gibt es heute nur eine eingeschränkte Nachmittagsbetreuung, da der zuständige Sozialpädagoge die Arbeit niederlegt. Auch im Rathaus bleibt heute ein Büro leer: Der Mitarbeiter, der sich um die Kulturarbeit im Stadtteil Mastbrook kümmert, beteiligt sich ebenfalls an dem Streik.

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