Werkzeug statt Schulbuch

Zi Keng Zhu (15) hat sonst keinen so praktischen Unterricht wie in Rendsburg.
Zi Keng Zhu (15) hat sonst keinen so praktischen Unterricht wie in Rendsburg.

20 junge Chinesen für eine Woche zu Gast an der Schule Altstadt / Gegenbesuch für Frühjahr 2015 geplant

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09. Juli 2014, 19:32 Uhr

„In unserer Schule arbeiten die Jugendlichen nie mit Werkzeugen“, erzählte die chinesische Englischlehrerin Liufang Wang und sieht fasziniert zu, wie einer ihrer Schüler mit kräftigen Hammerschlägen ein Stück Metall in Form bringt. Zuhause in der 500 000 Einwohner-Stadt Xianju Zhejiang gehe es von 7 bis 17 Uhr ums Lesen und Lernen – da sei der Schüleraustausch mit der Schule Altstadt wie ein Urlaub für die 20 jungen Chinesen.

Gemeinsam mit ihren deutschen Gastgebern bauten sie Skulpturen aus Schrott. Mit tatkräftiger Hilfe von zwei Lehrern für technisches Werken, wurde auf dem Schulhof lautstark gestanzt, gehämmert, geschweißt und diskutiert – meist auf englisch und häufig auch mit Händen und Füßen. Mitten im Getümmel werkelte auch die 15-jährige Jiaxi Ye. Sie hatte sichtlich Spaß bei ihrem ersten Besuch in Deutschland und brachte sich beim praktischen Unterricht an der Schule Altstadt mit Begeisterung ein. Sie kam in der vergangenen Woche mit einer Schulkollegin bei Steen-Ole Wulff in Rendsburg unter. Der 14-Jährige hat schon bei mehreren Schüleraustauschen mitgemacht, Chinesen hatte er aber noch nie zu Gast.

Beim Volleyball, Bowlen und Grillen hat er Jiaxi gut kennen gelernt. Für sie ist besonders das deutsche Essen noch ungewohnt. Zuhause gebe es zum Frühstück nur Haferbrei, erzählte sie. „Die Welt der Brote und Brötchen ist den Chinesen weitgehend unbekannt“, sagte auch Lehrerin Maren Janke von der Schule Altstadt. Als Organisatorin des Austausches hatte sie deshalb extra einen Besuch in der Backstube eines Rendsburger Bäckers eingeplant.

Außerdem standen in den letzten Tagen unter anderem ein Ausflug nach Kiel, eine Kanutour auf der Untereider mit anschließendem Picknick und eine Stadtrallye durch Rendsburg auf dem Programm. Heute geht es für die Chinesen weiter: Eine einwöchige Europareise steht an, bevor es zurück nach Südchina geht. Dort werden die Rendsburger Schüler dann im Frühjahr 2015 zu Gast sein. Bis dahin wollen sie per Handy und Videochat in Kontakt bleiben.

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