zur Navigation springen

Bahnhof Rendsburg : Wer nach 20 Uhr ankommt, hat ein Toiletten-Problem

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Bahn will keine Sanitärcontainer aufstellen – und eine moderne Fahrradstation mit WC-Anlage kommt noch später.

shz.de von
erstellt am 14.Jun.2017 | 10:22 Uhr

Manchmal muss es sofort sein. Nur hoffentlich nicht im Bahnhof. Wer an den Gleisen im Rendsburger Stadtzentrum nach einem Klo sucht, sucht vergeblich. Die Bahn hat ihre hauseigenen Anlagen vor Jahren geschlossen. Zwar gibt es in der Umgebung halböffentliche Toiletten, die für 50 Cent pro Besuch zur Verfügung stehen. Eine befindet sich im Pavillon am ZOB, die andere im „Grill am Bahnhof“. Allerdings fehlt im Bahnhof selbst jeglicher Hinweis auf die externen Bedürfnisanstalten. Und spätestens ab 20 Uhr sind die kleinen Stätten der großen Erleichterung ohnehin fest verschlossen. Wer danach ankommt, darf nicht „Müssen“ müssen. Oder hat ein Problem.

Daran wird sich so schnell nichts ändern. Ungeachtet heftiger Kritik weigert sich die Deutsche Bahn nachzubessern. Das Unternehmen sieht sich nicht in der Pflicht. Am Montag erreichte die nächste Absage das Rathaus. Man werde am Bahnhof auch keine Toilettencontainer aufstellen. Diese Übergangslösung war erwogen worden, bis die moderne Fahrradstation mit WC-Anlage fertig ist. Nach den jüngsten Prognosen wird das wohl nicht vor dem kommenden Jahr der Fall sein. Die Bahn habe mitgeteilt, dazu sei man technisch nicht in der Lage, teilte Pierre Gilgenast gestern auf Anfrage mit. Ein Verantwortlicher für die Immobilien der Bahn habe immerhin in Aussicht gestellt, so Gilgenast, dass man behindertengerechte Toiletten ohne technische Anschlüsse aufstellen könne. Dies werde derzeit geprüft. Eine Anfrage der Landeszeitung zum Toiletten-Problem ließ die Pressestelle der Bahn am Dienstag unbeantwortet.

Bürgermeister Gilgenast wiederholte seine mehrfach geäußerte Kritik an dem Unternehmen, zuletzt im Senat vor wenigen Tagen. Er wählte für seine Verhältnisse drastische Worte: „Das kann doch nicht so schwierig sein!“, schimpfte der Rathauschef, sonst stets um den diplomatischen Ton bemüht. „Ich halte diesen Zustand für untragbar. Das Verhalten ist nicht kundengerecht. Die Bahn verweist bei den Toiletten auf die Betriebe in der Umgebung – das kann ja so nicht richtig sein.“

Burkhard Tesche vom „Grill am Bahnhof“ bezeichnete die Situation für Reisende als „unbefriedigend“. Man habe es mit einem Problem zu tun, „das die Bahn nicht gewillt ist zu lösen“. Er verlangt seit einigen Jahren 50 Cent von Reisenden, wenn sie in seinem Lokal aufs Örtchen wollen. „Generell können wir die Toiletten nicht offen halten, weil uns dadurch einfach Kosten entstehen“, begründete Tesche den Schritt. Der Gastronom zeigt sich jedoch oft großzügig und lässt Personen, die das nötige Kleingeld nicht zur Hand haben, kostenlos und auch nach Ladenschluss um 19 Uhr bei sich auf die Toilette gehen.

Erst mit der zukünftigen „Bike  &  Ride“-Station samt öffentlichem Lokus dürfte sich die Lage nachhaltig verbessern. Problem: Die Planungen treten seit Monaten auf der Stelle. Eine erste Ausschreibung scheiterte an der Preisfrage. Zu wenige Baufirmen hatten sich um den Zuschlag für das 650  000-Euro-Projekt beworben. Die zweite Ausschreibung wiederum verzögert sich, weil einer von drei Fördergebern das Geld nicht freigibt. Als Bremsklotz erwiest sich eine noch nicht abgeschlossene baufachliche Prüfung durch die landeseigene Gebäudemanagementgesellschaft GMSH. „Wir hoffen, dass wir im Herbst endlich loslegen können“, hofft Susanne Mau aus dem Rathaus.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen