Wenn Wände nur kniehoch sind

„Tag des offenen Denkmals“ in Innien: Magret Hauschildt (links) erläuterte ihren Gästen die Besonderheiten von Kniestockhäusern.
„Tag des offenen Denkmals“ in Innien: Magret Hauschildt (links) erläuterte ihren Gästen die Besonderheiten von Kniestockhäusern.

Besonderer Baustil prägt Häuser in Aukrug-Innien / Informationen beim „Tag des offenen Denkmals“

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09. September 2018, 13:43 Uhr

Was denn ein „Kniestockhaus“ sei, musste Magret Hauschildt gestern beim „Tag des offenen Denkmals“ Besuchern aus verschiedenen Teilen Schleswig-Holsteins erklären. Aukrug-Innien ist mit einem Dutzend Exemplaren eine echte Kniestockhaus-Hochburg, und auch das Domizil der Hauschildts in der Bargfelder Straße in Aukrug-Innien ist ein Kniestockhaus par excellence.

„Bei einem Kniestockhaus geht das Obergeschoss nur bis zum Knie“, lautete die aufs Wesentliche reduzierte Erklärung von Magret Hauschildt. Draußen an der Fassade konnte man sehen, was damit gemeint war. Kniestockhäuser haben im Obergeschoss nur ein meist mittig gelegenes Zimmer, in dem man überall aufrecht stehen kann – die beiden anderen Räume der oberen Etage haben abgeschrägte Wände, so dass sie an der niedrigsten Stelle tatsächlich nur kniehoch sind.

Das Wohn- und Gewerbehaus der Malerfamilie Hauschildt wurde 1895 gebaut. Nebenan steht ein weiteres Kniestockhaus: 1878 vom örtlichen Müller errichtet. Ebenfalls noch in Sichtweite: „eins der schönsten Kniestockhäuser, fast schon eine Kniestock-Villa“ (Magret Hauschildt) in direkter Nachbarschaft der Aukruger Kirche. Außer in der Bargfelder Straße, gibt es in Innien auch in der Itzehoer Straße und in der Hauptstraße Kniestockhäuser. Entstanden sind sie alle in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Begünstigt wurde dieser Bauboom durch die unmittelbare Nähe zur örtlichen Ziegelei. Bis etwa 1930 sei dieser Baustil in Mode gewesen, berichtete Magret Hauschildt ihren Besuchern.

Was das Kniestockhaus der Hauschildts zu einem Unikat macht, ist sein kunstvoll gestalteter Flur. Hier hat der Urgroßvater von Magret Hauschildt all die Gebirgs-, Gletscher- und Küstenlandschaften an die Wand gemalt, die er auf seiner Wanderschaft Richtung Italien bereist hatte. Nachdem zwischenzeitliche Besitzer diese Kunstwerke einfach übermalt und übertapeziert hatten, nahm Werner Hauschildt 2003 die Restauration der 24 Ölgemälde seines Großvaters mit Erfolg in Angriff.

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