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Rendsburg-Eckernförde : Wenn Macht missbraucht wird

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Der Kirchenkreis hat einen Leitfaden „Zum Umgang mit sexualisierter Gewalt“ veröffentlicht. Opferschutz hat oberste Priorität.

shz.de von
erstellt am 28.Feb.2015 | 12:00 Uhr

Was ist sexualisierte Gewalt? Wie gehe ich damit um und an wen kann ich mich wenden? Diese Fragen beantwortet der Evangelisch-Lutherische Kirchenkreis Rendsburg-Eckernförde mit seinem Leitfaden „Zum Umgang mit sexualisierter Gewalt“. Im Januar wurde das Faltblatt herausgegeben.

„Anlass, sich dieses Themas anzunehmen, waren die Entwicklungen und auch Missbrauchsfälle in der Kirche“, erklärt Pastorin Gudrun Bielitz-Wulff. Sie selbst befasst sich seit etwa 15 Jahren mit dem Thema und hat den entscheidenden Impuls für den Leitfaden gegeben, der vom Kirchenkreisrat beschlossen wurde. „Sexualisierte Gewalt zieht sich durch alle Lebensbereiche. Es ist gut, im Kirchenkreis etwas zu haben, wohin sich die Leute wenden können“, so Bielitz-Wulff. „Wir haben keine Hotline, sondern sind Menschen aus der Region, die Hilfe und Beratung vor Ort im Kirchenkreis anbieten.“

Angesprochen werden sollen alle Menschen in den Kirchengemeinden. Seien es Ehrenamtler, Konfirmanden, (Kita-)Mitarbeiter oder Menschen, die an den Angeboten in der Gemeinde teilnehmen. Hilfe bekommen sowohl Opfer als auch Vorgesetzte, die mit Verdachtsfällen umgehen müssen, sowie Menschen, die Sorge haben, selbst eine Grenzverletzung zu begehen. Generell gilt bei diesem Thema der Grundsatz der Evangelischen Kirche in Deutschland: „Allen Anschuldigungen und Verdachtsmomenten im Kontext von Verletzungen der sexuellen Selbstbestimmung im kirchlichen Bereich ist unverzüglich nachzugehen. Die Verhinderung sexualisierter Übergriffe und der Schutz der Opfer hat dabei oberste Priorität.“

Ziele sind zum einen Prävention durch Aufklärung und zum anderen der Umgang mit Verdachtsfällen. „Es gibt Vorkommnisse, die unterhalb der strafrechtlichen Relevanz liegen. Zu wenig für eine Anzeige und zu viel, um darüber hinweg zu gehen.“ Gerade diese Grauzone sei groß, doch auch diese Grenzverletzungen seien nicht in Ordnung, so die Pastorin. Welche Schritte man unternimmt, hänge dann immer vom Einzelfall ab. Ganz oft ginge es den Gesprächssuchenden auch darum, sich in einer zweifelhaften Situation Rat einzuholen. Gesprächsbedarf gebe es eigentlich immer dann, wenn zwischen den Beteiligten ein Machtgefälle vorhanden ist. „Ein Beispiel wäre ein jugendlicher Betreuer, der mit einem Mädchen aus seiner Gruppe eine Beziehung eingeht. Solche Situationen müssen beraten werden“, erläutert Gudrun Bielitz-Wulff. „Wir wollen die Situationen nicht dramatisieren, aber auch sichergehen, dass das Machtgefälle nicht ausgenutzt wird.“

In puncto Prävention können die Gemeinden im Kirchenkreis verschiedene Fortbildungen belegen. Fest vorgesehen sind Schulungen Jugendlicher, die als „Teamer“ Fahrten und Freizeiten betreuen wollen. „Hier geht es darum, den Jugendlichen aufzuzeigen, womit sie zu weit gehen und ihnen ein Gefühl dafür zu vermitteln, was Grenzverletzungen sind“, berichtet Bielitz-Wulff.

Wichtig sei als Betroffener, auf sein eigenes Gefühl zu hören, wenn man sich mit einer Situation unwohl fühle, und sich nicht zu scheuen, das Gespräch mit einer zuständigen Person zu suchen. Außenstehende sollten die Dinge ernst nehmen, die sie beobachten oder die an sie herangetragen werden.

Seit der Leitfaden erschienen ist, habe es aber noch keinen Gesprächsbedarf gegeben. „Zum Glück“, findet die Pastorin. Wer Fragen hat oder Flugblätter haben möchte, kann sich per E-Mail bei Gudrun Bielitz-Wulff melden unter gudrun.bielitz-wulff@kkre.de. Auf www.kkre.de kann der Leitfaden mit den wichtigsten Ansprechpartnern für alle Seiten auch im Internet abgerufen werden.

 

 

 

 

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