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Neue Kirchenglocke : Wenn Hitze und Qualm die Halle füllen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Ausflug nach Hessen: Bergenhusener Delegation erlebte den Guss ihrer neuen Kirchenglocke in der Gießerei Rincker hautnah mit. Erstaunt waren die Teilnehmer über die hohen Temperaturen in der Gießerei.

Es ist eine kleine Schar, die sich von Bergenhusen aus auf den Weg gemacht hat, um dem Guss der neuen Glocke für die Dorfkirche beizuwohnen. Die alte Stahlglocke ist zu sehr verrostet, um ihrer Aufgabe noch nachkommen zu können. Pastor Martin Baltzer ist offensichtlich genauso gespannt wie seine neun Gemeindemitglieder, die sich mit ihm auf den Weg ins über 600 Kilometer entfernte hessische Sinn im Lahn-Dill-Kreis aufgemacht haben.

Im Glockenmuseum auf der Burg Greifenstein holt man sich zunächst Informationen über die Geschichte der Glocken – von China, wo bereits vor mehr als 3500 Jahren Glocken hergestellt wurden, bis heute über alle möglichen Formen und Herstellungsarten geht der Exkurs. Im Museum hört man auch die Unterschiede zwischen einer Bronzeglocke und den vielen Versuchen mit Ersatzlegierungen, die alle nicht so klingen, wie man sich einen sauberen Glockenklang vorstellt.

An der Gießerei Rincker warten bereits Besucher aus zwei andere Gemeinden, die auch den Guss ihrer Glocken miterleben wollen. Sechs Formen stehen in der Grube. Es herrscht eine schweißtreibende Hitze in der Halle und ein ohrenbetäubender Lärm, denn im bis zu 3,8 Tonnen Schmelze fassenden Ofen donnert der Ölbrenner und schickt lodernde Flammen aus der Öffnung auf der Oberseite.


Glocken werden freitags um 15 Uhr gegossen


 

Es ist eine alte Tradition, dass Glocken an einem Freitag um fünfzehn Uhr, der Todesstunde Christi, gegossen werden. Aber heute verzögert es sich etwas, denn die Glockenspeise hat noch nicht die richtige Temperatur. Kurz nach drei ist es aber soweit: Meister Hanns Martin Rincker steht mit seinem Bruder Fritz Georg und seinen Mitarbeitern in der Grube und gibt das Zeichen: das Ungetüm von Ofen wird langsam gekippt und aus dem Mundloch fließt die Legierung dünn wie Wasser in die Kanäle, die zu den Formen führen. Bis auf leise Kommandos von Rincker und dem Zischen des Metallstroms ist es still im Raum. Denn die Gießer müssen hören, ob der Guss richtig abläuft oder irgendwelche Gefahren drohen. Aus den Windpfeifen entweichen zischend Luft und Gase, die beim Guss entstehen, die Luft füllt sich mit Lehmstaub und Qualm. Eine nach der anderen werden die Formen gefüllt. Der Füllstand der Kanäle wird reguliert, damit keine Schlacke in die Öffnungen gerät. Glucksend zeigen die Windpfeifen an, dass eine Form gefüllt ist und die nächste Glocke in Angriff genommen werden kann. Funken sprühen und rund um die Lavaströme des heißen Metalls scheinen die Männer zu tanzen, wenn sie den Strom und den Zufluss in die Formen regulieren. Es ist ein eingespieltes Team, das ruhig und sicher seiner Arbeit nachgeht. Nach knapp zehn Minuten ist der Guss vollendet und die restliche Bronze in einen seitlichen Auffangbehälter geströmt.

Rincker lässt die Tore öffnen und frische Luft strömt wieder in die Halle. Der Meister stellt sein Team vor, in dem der Sohn seines Bruders die vierzehnte Generation verkörpert. Er soll die Familientradition fortsetzen, die nachweislich schon vor mehr als 400 Jahren begann.

Zum Glockenguss, zur Geschichte der Gießerei und den heutigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erfahren die Besucher beim anschließenden Rundgang mehr.

Ganz still im Hintergrund beobachtete ein Mann das Ganze: Hanshermann Klink hat der Gemeinde die Glocke gestiftet.

 

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