Premiere im Theater : Wenn Frauen das Regiment führen

Wer hilft ihr aus dem Mantel? Am Ende beide, einer rechts, einer links. Hans-Otto Schäpe, Heike Roher und Klaus Woldt (v.l.).
1 von 3
Wer hilft ihr aus dem Mantel? Am Ende beide, einer rechts, einer links. Hans-Otto Schäpe, Heike Roher und Klaus Woldt (v.l.).

Zum Auftakt der neuen Spielzeit der Niederdeutschen Bühne Rendsburg gab es drei Debüts. Irmgard Greve ist seit 40 Jahren dabei. Das Publikum spendete lang anhaltenden Beifall.

shz.de von
13. November 2013, 06:00 Uhr

Vier Premieren in einer – so könnte die erste Aufführung der neuen Spielzeit für die Niederdeutsche Bühne Rendsburg (nbr) auch beschrieben werden. Gleich drei Schauspieler standen in „Wieverregiment“ erstmals auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Im Kontrastprogramm wurde mit Irmgard Greve ein Urgestein der Bühne für 40-jährige Mitgliedschaft geehrt.

Die Geschichte des Lustspiels in drei Akten von Anton Hamik ist schnell erzählt und in dieser oder ähnlicher Form schon oft dargestellt worden. Junge Deensdeern kommt auf den verlotterten Hof von zwei Bauern, die sich lieber mit ihrem Hobby Fischen als in ihrem Beruf die Zeit vertreiben. Die tüchtige Frau mit kräftigem Mundwerk nimmt das Schicksal des Betriebs und der beiden nicht mehr ganz taufrischen Junggesellen in die Hände und hat nach einem Jahr alles im Griff – vom inzwischen mustergültigen Hof bis zu den feinen Herren, die ihre Luscherklamotten mit dem Schapptüch vertauscht haben.

Heike Rohwer und Klaus Woldt haben einmal mehr gemeinsam mit leichter Hand Regie geführt und sind selbst in zwei Charaktere mit Wiedererkennungswert geschlüpft. Sie spielt die gewohnt Kratzbürstig-Resolute, der Bühnenleiter verkörpert den Treudoofen mit pfiffigem Einschlag. Mit Hans-Otto Schäpe als sein ihm in der Hinsicht in nichts nachstehender jüngerer Bruder hat er einen wahren Zwilling in Sachen Faulheit bis Ehrerbietung gegenüber dem Regiment der „Deern“ gefunden.

Die drei Debütanten schlugen sich wacker. Während Ursula Jürgensen nicht immer leicht zu verstehen war – Lautstärke lässt sich bestimmt üben – gab Svend Hansen mit seiner hochdeutschen Rolle als Geldadeliger den Fremdkörper, was gewiss pure Absicht war. Jasmin Riedel kam als weiblicher Part des jungen Glücks nur anfangs etwas ins Stocken. Ihrem Liebsten alias Eggert Delfs nahm man den jugendlichen Liebhaber nicht so ganz ab.

Dem Publikum gefiel’s. Es geizte nicht mit Auftritts- und Szenenapplaus, Jubelrufen und lang anhaltendem Schlussbeifall. Und es durfte am „Dufttheater“ teilhaben. Die Gerüche des Tabaks aus Klaus Woldts Pfeife und der Spargelsuppe vom Stubentisch kamen zumindest in den vorderen Reihen an.

Vor 40 Jahren wurde Irmgard Greve vom damaligen Bühnenleiter Gerd Stange vom Fleck weg für ihre erste Rolle in „Twee Engels“ engagiert. Ihre Treue zur nbr wurde mit der Ehrennadel des Niederdeutschen Bühnenbundes in Gold, einer Urkunde und Blumen belohnt.

Weitere Aufführungen von „Wieverregiment“ gibt es im Stadttheater am Freitag, 15. November (20 Uhr), und Sonntag, 1. Dezember (19 Uhr).

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen