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Wenn ein Schwabe und drei Schweden Musik machen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Erich Schmeckenbecher und die Gruppe Väsen spielten bei der Folk-Baltica in der ACO-Wagenremise

Gleich dreimal gab es beim Konzert der Folk-Baltica in der ACO-Wagenremise Grund zum Feiern: Das Festival findet zum 10. Mal statt, das Trio Väsen besteht seit 25 Jahren, und Erich Schmeckenbecher, Zupfgeigenhansel der ersten Stunde, „lebt“ seit 40 Jahren auf der Bühne.

Das Urgestein der deutschen Folk- und Liedermacherszene weckte das Lebensgefühl der 70-er Jahre aus noch weit früheren Zeiten. „Üb immer Treu und Redlichkeit“ ist sein Lieblingslied und zugleich Lebensrezept: „. . .und weiche keinen Finger breit von Gottes Wegen ab. Dem Bösewicht wird alles schwer, er tue, was er tu, ihm gönnt der Tag nicht Freude mehr, die Nacht ihm keine Ruh“ – war die Grundtendenz seiner Lieder. „Da hat auch schon mal jemand mitgesungen – im Süden – oder singt man hier nicht mehr? Traut euch!“, ermutigte der Schwabe das still seinen edlen Gitarrenklängen lauschende Publikum. Zaghafte Stimmen aus dem Hintergrund, das Lied hat 15 Strophen. Zum Schluss sang er doch wieder allein und freute sich über den Auftrittsort: „Hier scheint ein Kleinbonum zu sein. Ungewöhnlich in der neuen Welt, in der Geld zur Religion geworden ist.“ Als Beweis zitierte er einen Zeitungsausschnitt, in dem ein Erlebnisbad zum Event einer „Kristallnacht“ einlädt.

Für Erich Schmeckenbecher spielen Texte eine große Rolle. Auch nach 40 Jahren wirken seine Auftritte trotz aller Gelassenheit und Professionalität keinesfalls routiniert oder heruntergespielt. Seine Botschaft präsentierte er lebendig und glaubwürdig. Im besten Sinne ein singender Literat mit großer Begeisterung für die Romantik und natürlich für seinen Landsmann Friedrich Schiller.

Ganz ohne Worte kam Väsens Musik aus. Mit verschmitztem Humor moderierte die Gruppe ihren Auftritt mit fantasievollen Geschichten. Ihren Namen („Aufsehen“) trägt sie zu Recht. Ausschließlich mit akustischen Instrumenten, jedoch elektronisch verstärkt, verbindet Väsen die Vergangenheit schwedischer Fiddler-Tradition mit unserer Zeit. Virtuosität: Selbstverständlich. Zusammenspiel: 25 Jahre gemeinsame Erfahrung sind kaum zu toppen. Lust am Spiel: Immer. Kein Wunder, dass sich die Begeisterung aufs Publikum übertrug. Bewunderung für die Fingerfertigkeit von Olov Johansson, der gekonnt sein Streich- und Tasteninstrument spielte; für Mikael Merin, der sichtlich Freude am Spiel hatte, und für Roger Tallroth an der zwölfsaitigen Gitarre. Damit hatte Väsen hörenswertes Aufsehen erregt.


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