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Wenn ein Mittelstürmer über Gülle spricht

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

„Moin! Dat deit mi leed, wenn ju tööft hebbt“, sagte Matthias Stührwoldt, als er im Sport- und Jugendheim ans Mikrofon trat. Um Punkt 20 Uhr hatte der plattdeutsche Abend der Hohenwestedt-Woche starten sollen. Klar, dass Verkehrsvereins-Chef Fritz Humfeldt und seine Schriftführerin Frauke Lübs im Foyer des Sport- und Jugendheims immer nervöser wurden, als um 20 Uhr mehr als 250 erwartungsfrohe Besucher auf den Beginn der Veranstaltung warteten, der Künstler aber noch nirgends zu sehen war. Um 20.02 Uhr fuhr ein truckartiger Geländewagen mit Plöner Kennzeichen in der Rektor-Wurr-Straße vor, Stührwohldt parkte in der Kurve der alten Busumfahrt. Und um 20.06 Uhr konnte Humfeldt seinen Stargast zur Bühne führen. „Wi hebbt Glück: De Landwirt is dor“, sagte der Vorsitzende des Verkehrsvereins, „wi weern all n beeten bang: Kümmt he noch?“ Stührwohldt entschuldigte sich: „Die Kühe mussten erst gemolken werden.“ Er habe für die Strecke Stolpe-Hohenwestedt 40 Minuten veranschlagt, sich dabei aber offenkundig ein bisschen verkalkuliert: „Das tut mir leid, dafür mach ich dann fünf Minuten länger.“

Dass sie mit der geringfügigen Verspätung noch gut bedient waren, konnten die Besucher des plattdeutschen Abends erahnen, als Stührwoldt eine halbe Stunde später die Geschichte von der Kuh in der Gülle vortrug. Pfingsten 2013 sei er von einer Hochzeitsgesellschaft als plattdeutscher Entertainer gebucht worden, erzählte der Nebenerwerbs-Schriftsteller. Als er schon von seinem Hof losfahren wollte, habe er eine Unruhe im Kuhstall bemerkt und dann feststellen müssen: „Eine Kuh steckte bis zum Hals in der Gülle.“ Mit dem Frontlader habe man das verunglückte Tier aus dem Schlamassel herausgezogen und gerettet. Das Hochzeitspublikum musste eine 45-minütige Verspätung des Stargasts hinnehmen – und zusätzlich olfaktorische Unannehmlichkeiten: „Der ganze Saal hat nach Gülle gestunken.“ Diese Gülle-Geschichte habe sich zu 100 Prozent genau so zugetragen, sagte Stührwoldt: „In der Regel sind die Geschichten zu drei Vierteln wahr und zu einem Viertel gelogen.“ Den exakten Anteil von Dichtung und Wahrheit könne der Autor im Einzelfall aber irgendwann gar nicht mehr so genau auseinander halten. Weshalb man vielleicht auch Stührwoldts Berichte von seinen Glanztaten im Trikot der Altliga des TSV Wankendorf nicht für bare Münze nehmen sollte, zumal allein seine Feststellung „Ich bin Mittelstürmer“ schon für Lacher sorgte. Andererseits klang das Geheimnis seiner beachtlichen Torquote auch wieder sehr überzeugend: „Ich bin erfolgreich, weil ich nicht mehr gedeckt werde.“

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