Wenn die Polizei zum Tierretter wird

Am Radweg an der L 123: Hartmut Ralfs Labradorhündin „Lisa“ beschnuppert die ausgesetzten Katzenbabys.
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Am Radweg an der L 123: Hartmut Ralfs Labradorhündin „Lisa“ beschnuppert die ausgesetzten Katzenbabys.

Fundtiere am Wochenende: Ordnungsämter sind nicht rund um die Uhr besetzt / Für Mittelholstein ist die Auffangstelle Neumünster zuständig

shz.de von
03. Juli 2015, 10:53 Uhr

Großen Einsatz zeigte Hartmut Ralf, als er beim Spazierengehen zwei ausgesetzte Katzenbabys an der Landesstraße 123 fand. Meezens stellvertretender Bürgermeister nahm die verwaisten Kätzchen mit nach Hause und brachte sie ins Tierheim nach Rendsburg. Wenn er über 110 die Polizei benachrichtigt hätte, wären die Fundtiere von einem Mitarbeiter des Amtes Mittelholstein in die Tierauffangstelle nach Neumünster gebracht worden – aber es war Sonntagvormittag, und Ralf wusste nicht, an wen er sich wegen der Fundkatzen wenden sollte.

„Die beiden waren völlig hilflos“, sagt Ralf über die beiden Katzenbabys, die er beim Gassigehen mit Labrador „Lisa“ am Radweg zwischen Meezen und Grauel fand, „die wären ganz schnell eingegangen.“ Eins der beiden sechs Wochen alten Kätzchen war krank und bewegungsunfähig, wurde aber von seinem fitteren Geschwisterchen nicht im Stich gelassen. „Es ist völlig verantwortungslos, Kätzchen so auszusetzen“, regt sich Ralf auf, „wer sich Tiere anschafft, darf sie nicht auf diese Weise entsorgen.“ Der Vorsitzende der AWG Meezen nahm die Katzenkinder mit nach Hause und überlegte, was nun zu tun sei. Da es Sonntagvormittag war, brachte ihn die Amtsbroschüre mit den Festnetz-Telefonnummern der Mitarbeiter der Amtsverwaltung in Hohenwestedt nicht weiter. Auf der Homepage des Amtes Mittelholstein klickte Ralf auf den Link zum „Zuständigkeitsfinder Schleswig-Holstein“, wo er darüber informiert wurde, dass für Fundtiere das Amt oder ein Tierheim zuständig sei. „Ich hab dann Tierheime im Kreis Rendsburg-Eckernförde gegoogelt, erfreut festgestellt, dass das Tierheim in Rendsburg sonntags von 16 bis 18.30 Uhr geöffnet hat – und da habe ich die beiden Katzenjungen dann hingebracht.“

Anderthalb Tage später wurde eins der Kätzchen (das kranke musste eingeschläfert werden) vom Tierheim Rendsburg nach Neumünster verfrachtet. „Wir haben mit der Tierauffangstelle in Neumünster einen Rahmenvertrag, den wir 2012 vom ehemaligen Amt Aukrug übernommen haben“, erklärt Amtsdirektor Stefan Landt, „dort kümmert man sich zu sehr günstigen Konditionen um die Aufnahme, Versorgung und Vermittlung der Tiere.“ Die Amtsverwaltung ist als örtliches Ordnungsamt für Fundsachen und Fundtiere zuständig – auch am Wochenende. „Weil wir aber keinen dauerhaften Bereitschaftsdienst haben und es auch keine Verpflichtung für uns gibt, rund um die Uhr als Ordnungsamt erreichbar zu sein, verlassen wir uns nach Feierabend und am Wochenende auf die Kooperation mit der Polizei“, führt Landt aus, „wenn also am Wochenende etwas passiert, was mit dem Ordnungsamt zu tun hat – egal ob Fundtiere oder zum Beispiel Umweltvergehen –, sollen sich die Bürger an die Polizei wenden, denn die ist dann für die Erstschadensabwehr zuständig.“

Die Hohenwestedter Polizeibeamten haben die Notfallnummern von den Mitarbeitern der Amtsverwaltung. „Die Polizei weiß auch, was mit Fundtieren zu tun ist“, vermerkt Landt. Ausgesetzte Tiere werden von Todenbüttels Gemeindemitarbeiter Peter Fürst, der auch den amtlichen Hundezwinger in Nienborstel betreut, zur Versorgung in die Tierauffangstelle nach Neumünster gebracht. „Was Herr Ralf getan hat, war völlig in Ordnung – er hat absolut nichts falsch gemacht“, betont der Amtsdirektor, „es ist sehr lobenswert, dass er für die Fundkatzen so viel Mühe auf sich genommen hat.“

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