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Alzheimertage : Wenn die Lücken im Gedächtnis größer werden

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Bei den Alzheimertagen wollen die Organisatoren mit Vorurteilen aufräumen.

Kurz nach dem Tod ihres Vaters bemerkte Ingrid Blank, dass ihre Mutter Irma sich veränderte. „Sie konnte nicht verstehen, dass mein Vater gestorben war“, sagt die Beisitzerin im Vorstand der Alzheimer-Gesellschaft. Als sich der Zustand der Mutter verschlechterte, sie immer weniger realisierte, was um sie herum geschah, war klar: Irma Blank würde nicht mehr lange in der eigenen Wohnung in Hamburg bleiben können. Die Tochter wollte sie in der Nähe haben. Eine Wohngemeinschaft für Demenz-Erkrankte in Rendsburg hatte einen Platz für die damals 83-Jährige. Sie lernte Freundinnen im gleichen Alter kennen. Ingrid Blank: „Dort blühte meine Mutter richtig auf.“

Demenz und Alzheimer – darüber sprechen Menschen ungern. „Viele haben einfach Angst davor, dass es sie selbst mal treffen könnte und verdrängen das Thema“, sagt Brigitte Voß von der Alzheimer-Beratungsstelle der Pflege Lebensnah. Gemeinsam mit der Alzheimer-Gesellschaft Rendsburg-Eckernförde und dem Kirchenkreis will sie dennoch den Versuch unternehmen, das Thema einer breiteren Öffentlichkeit näherzubringen. Unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Pierre Gilgenast finden vom 7. bis 21. September die Rendsburger Alzheimertage statt. Vier Termine haben die Organisatoren vorbereitet.

Sie wollen mit Vorurteilen aufräumen. Brigitte Voß: „Wenn ein 90-jähriger Mensch mal etwas vergisst, muss es nicht gleich Demenz sein.“ Genausowenig bedeutet die Diagnose Alzheimer oder Demenz, dass man keine Freude mehr am Leben haben kann. Ingrid Blank erinnert sich gern auch an die Zeit, als ihre vor zwei Jahren verstorbene Mutter bereits erkrankt war. Nahezu täglich sei die ältere Dame mit ihren beiden ebenfalls erkrankten Freundinnen zusammen gewesen. „Die waren unzertrennlich.“ Das muntere Trio ging regelmäßig gemeinsam einkaufen und kochte zusammen. Die Frauen haben zusammen Fliederbeersaft hergestellt und Mensch-ärgere-dich-nicht gespielt. Ingrid Blank: „Ich habe mit meiner Mutter auch in dieser Lebensphase sehr viele schöne Momente erlebt.“

Und genau das wollen die Organisatoren der Alzheimer-Tage anderen Betroffenen und ihren Angehörigen vermitteln: dass man sich nicht von der Außenwelt abschotten soll und dass man nahezu überall auf Menschen trifft, deren Gedächtnislücken infolge der Erkrankung größer werden. Liesel Mörsch, ebenfalls Beisitzerin im Vorstand der Alzheimer-Gesellschaft, musste miterleben, wie ihre Mutter innerhalb von zwei Jahren geistig verfiel. Ihr hat gut getan, regelmäßig eine Gruppe zu besuchen, in der sich Angehörige von Patienten über das Schicksal ihrer Verwandten austauschten und sich gegenseitig Rat und Unterstützung gaben.

Für Brigitte Voß von der Alzheimer-Beratungsstelle ist wichtig, die Patienten nicht auszugrenzen: „Wir wollen die Betroffenen inmitten der Gesellschaft haben. Sie gehören dazu.“

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erstellt am 01.Sep.2014 | 18:00 Uhr

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