1:0 für die Sprache : Wenn Dichter mit Worten spielen

Markerschütternder Auftakt: Theresa Hahl alias Ronja Räubertochter vor dem Kupolofen.
Markerschütternder Auftakt: Theresa Hahl alias Ronja Räubertochter vor dem Kupolofen.

Der Iron Slam“ im Kunstwerk Carlshütte war wieder ein voller Erfolg. 200 Besucher waren nach dem WM-Spiel Deutschland-Frankreich gekommen, um einen Abend mit Witz, Ironie und Intelligenz zu erleben.

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04. Juli 2014, 18:21 Uhr

Einen „unglaublich abwechslungsreichen Abend“ versprach Moderator und Organisator Björn Högsdal dem Publikum vor dem Kupolofen in der Carlshütte. Dieses Versprechen wurde voll erfüllt: Der „Iron Slam“ zeigte auf spritzige, frische und intelligente Weise, was man alles mit Sprache machen kann. Oder, um es mit dem Oldenburger Metrophobia-Team Blanke/Bruhns zu sagen: „Wo sonst kannst du eine Welt erschaffen, die dir selbst gefällt?“ Sie forderten: „Fang an, es ist Zeit! Meinetwegen stolpere. Hauptsache du gehst!“

Und so machte der markerschütternde Ronja-Räubertochter-Schrei „aus der Abstellkammer des Schreckens, die einst ein stolzer Segler war“ den Anfang – präsentiert von Theresa Hahl aus Bochum. Weiter ging es mit der halsbrecherischen Duo-Performance eines Märchens von Sarah Bosetti und Daniel Hoth. Es folgte Nachdenkliches mit Annika Blanke und Christian Bruhns. Alles lebendige Texte, maximal sechs Minuten lang und von den Autoren selbst präsentiert. Sie vermittelten Erkenntnis vom Feinsten: „Sich zufrieden geben ist kein Synonym für Zufriedenheit.“

Dabei kam die Fantasie nie zu kurz. Thorsten Wolf träumte davon ein unsichtbarer „Ninja“ zu sein. Ein Ninja ist ein verkleideter und dadurch unsichtbarer Partisanenkämpfer im vorindustriellen Japan, der als Kundschafter, Spion oder Saboteur eingesetzt wurde. Außer Witz und Ironie gab es tief durchdachte „Philosophie auf Garagendächern“ mit Erkenntnissen wie „Die erste Liebe stirbt nie, aber sie liegt auch gerne mal im Koma“ oder „Wir stehen mit dem Regenschirm in der Informationsflut bis zum Hals“. Man weiß nun, dass Sarah Bosetti nichts über das Leben anderer hören will, denn „das eigene ist mir schon langweilig genug.“

Aufgrund von Krankheitsfällen waren an diesem Abend Umbesetzungen nötig gewesen. Weil die sonst üblichen Publikumsbewertungen ausfielen, wirkte sich das sogar positiv auf den Verlauf aus: Er wurde kompakter und geschlossener.

Beendet wurde der Abend nach knappen drei Stunden mit dem zweiten Auftritt von Jan Phillip Zymny, dem deutschen Poetry-Slam-Meister. Wenn es in seinen Geschichten keine Kekse gibt ist er traurig. Denn: „Ich mag Kekse!“ - was man ihm auch ansieht. Er hat gar kein Problem damit und weiß: „Es gibt kein richtig oder falsch, nur anders.“ Gelungener Schluss eines vergnüglichen, geistreich und intelligent gewürzten Abends, der mit über 200 junggebliebenen Besuchern zwischen 18 und 80 durch eine kleine Zeitverschiebung von 10 Minuten nach hinten die Herausforderung von König Fußball angenommen und bestens bestanden hatte. 1:0 für die Sprache.

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