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Schließung droht : Wenn der Kanal zum Tatort wird

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Schrumpfkurs bei der Wasserschutzpolizei: Die Rendsburger Beamten halten eine Schließung der Station am Kreishafen für „unvorstellbar“.

shz.de von
erstellt am 16.Apr.2014 | 06:00 Uhr

Zunahme des Sportbootverkehrs, Zunahme des Umschlags im Kreishafen, Zunahme der Seeunfälle, Zunahme der Rechtsvorschriften, Zunahme der Regelverstöße auf Schiffen – wer Jens Oltmann zur Situation auf dem Kanal befragt, bekommt vor allem eine Tendenz zu hören: mehr und öfter. „Wir haben alle Hände voll zu tun“, sagt der 47-jährige Stationsleiter der Wasserschutzpolizei Rendsburg. Die Nachricht, dass bei der Polizei zur See im Land jede dritte Stelle auf der Kippe steht, weil 122 der 8000 Stellen bei der Landespolizei eingespart werden müssen, sorgt bei den Beamten am Kreishafen für große Unruhe. „Rendsburg ohne Wasserschutzpolizei – das wäre für uns unvorstellbar“, sagt Oltmann. „Wir beteiligen uns nicht mehr an Spekulationen und sehen zu, dass wir die Aufgabenfelder vernünftig abdecken.“

Die vier am Kreishafen stationierten Beamten sind für etwa 30 Kanal-Kilometer von Breiholz bis Kleinkönigsförde und für 23 Kilometer Eiderwasser zuständig. Rechnerisch kommt es auf dem Abschnitt im Kern des Landes einmal pro Woche zu einem Seeunfall. „Der Druck auf die Reeder nimmt zu, das geht oft auch auf Kosten der Sicherheit“, sagt Oltmann. Immer öfter habe man es mit zum Teil schweren Verstößen zu tun. Manchen Kapitänen brennt im Zeitstress die Sicherung durch, wie kürzlich bei Sehestedt. Ein Containerschiff und ein kleineres Frachtschiff schrammten haarscharf aneinander vorbei. Die Auswertung der Positionsdaten ergab, dass zwischen beiden Schiffen nur 1,80 Meter lagen. Grund: Der Kapitän des kleinen Schiffes, der hätte Platz machen müssen, wich nur geringfügig aus, offenbar weil er sich provoziert fühlte. Demnächst wird er sich vor Gericht wegen Nötigung verantworten müssen.

Andere Einsätze der Wasserschutzpolizei sind weit weniger spektakulär und schaffen es nie in die Schlagzeilen. Rund 500 Schiffsanläufe pro Jahr hat die Rendsburger Wasserschutzpolizei zu überwachen. „Viele denken bei Rendsburg nicht an den Hafen, aber der Hafen hier brummt“, sagt Oltmann, dessen Station zum Revier Brunsbüttel zählt. Auch im Rendsburg Port gegenüber stehe mit der Ansiedlung des Bögl-Werks eine Zunahme des Umschlags bevor. „Wenn wir ein Schiff kontrollieren, dann sind wir schnell einen Vormittag beschäftigt, selbst wenn es nichts zu beanstanden gibt. Und wenn doch, bewegen sich die Sicherheitsleistungen schnell im vierstelligen Bereich.“

Die Arbeitszeiten richten sich nach den Hafenzeiten, am Verkehrsaufkommen auf dem Kanal oder nach besonderen Ereignissen wie dem Ruder-Cup oder Rendsburger Herbst. Auch Stapelläufe in den Werften werden von der Wasserschutzpolizei abgesichert. Zur Beginn der Sportbootsaison fahren die Rendsburger Beamten vermehrt Streife auf dem Kanal. Dafür stehen ihnen ein zwölf Meter langes Hafenboot und ein Schlauchboot zur Verfügung. Oltmann und seine Kollegen sind stets auf alles gefasst. Neulich ertappten sie einen Skipper, der das strenge Segelverbot missachtete und mitten auf dem Kanal kreuzte. Ein anderer hielt an einem roten Signal, obwohl er hätte weiterfahren dürfen – und sorgte damit für ein kleines Verkehrschaos. „Der kleinste Fehler kann auf dem Kanal erhebliche Folgen haben“, so Oltmann.

 

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