zur Navigation springen
Landeszeitung

23. August 2017 | 14:00 Uhr

Mutter-Kind-Kur : Wenn der Akku leer ist

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Der alltägliche Stress belastet viele Frauen. Ute Delfs vom DRK-Kreisverband Rendsburg-Eckernförde hilft Müttern, eine Kur zu beantragen. Die Zahl der Zusagen steigt.

Am Anfang wollten sich Frauen in der Kur einfach nur einmal satt essen und in einem eigenen Bett schlafen. Für die Trümmerfrauen der Nachkriegszeit war dies der reinste Luxus. Heute, über 60 Jahre nach der Gründung der Stiftung Müttergenesungswerk, steht der ganzheitliche Aspekt mit Therapie und Gesprächen im Vordergrund. Erschöpfte Mütter sollen neue Kraft tanken. Allerdings ist der bürokratische Weg zu einer Aus-Zeit vom Alltag steinig. Da hilft nur gute Beratung.

Ute Delfs unterstützt seit sieben Jahren Frauen bei dem Stress mit dem Antrag. Die Mitarbeiterin im DRK-Kreisverband Rendsburg-Eckernförde beantwortet im ersten Stock des alten Kreisbahnhofs in der Berliner Straße kostenlos alle Fragen rund um Formulare, Fristen und Ansprechpartner. Wann steht mir eine Kur zu? Welches ist die richtige Adresse für mich? Wie stelle ich den Antrag bei meiner Krankenkasse? Derzeit herrscht Hochbetrieb. „Ich habe in den ersten Wochen des neuen Jahres schon laufend Anfragen gehabt“, sagt die Beraterin. Die frühzeitige Beschäftigung mit dem Thema sei allerdings auch notwendig. Denn Kurtermine in den Sommerferien seien begehrt und sollten schon im Winter reserviert werden.

Im Rückblick auf die vergangenen Jahre sieht Ute Delfs einen positiven Trend. Nach heftiger Kritik von Politik, Rechnungshof und Wohlfahrtsverbänden wurden die Richtlinien für die Begutachtung der Anträge geändert. Seither steigen die Zahlen der Zusagen. Die DRK-Expertin in der Geschäftsstelle registrierte im Jahr 2012 bei 31 Bewilligungen nur sechs Absagen. Im vergangenen Jahr erhielten 21 Mütter, die von Ute Delfs betreut wurde, eine Zusage. Drei Anträge wurden abgelehnt. Bei negativen Bescheiden sollten Betroffene unbedingt Widerspruch einlegen. „Das lohnt sich oft“, weiß Ute Delfs.

Grundsätzlich gilt: Eine Mutter-Kind-Kur ist eine medizinische Maßnahme, die bei der Krankenkasse beantragt werden muss. Der Rat von Ute Delfs lautet: „Wichtig ist, dass die Frauen ihre Lage realitätsgetreu schildern. Es muss niemandem peinlich sein, hilfsbedürftig und belastet zu sein.“ Es müsse deutlich werden, dass die Mutter zur Genesung eine Zeitlang aus ihrem häuslichen Umfeld heraus muss. Denn Frauen meistern Familie, Haushalt und die vielen Dinge des Alltags gleichzeitig: Umsichtige Hausfrau, treusorgende Mutter und dann auch noch im Job volle Leistung bringen – die Mehrfachbelastung geht oft bis an die Schmerzgrenze. Viele leiden an Müdigkeit, Rücken- und Kopfschmerzen, psychosomatischen Beschwerden sowie chronischen Infekten. Kurz: Der Akku ist leer.

Auch das familiäre Umfeld kann krank machen. „Gerade alleinerziehende Eltern macht das stressige Leben zwischen Beruf und Familie zu schaffen“, berichtet Ute Delfs. Dazu können Existenzängste und finanzielle Sorgen kommen. Mütter ohne Partner stellen inzwischen ein Drittel der Kurteilnehmerinnen.

Viele Kassen haben ihre eigenen Kurhäuser und versuchen, vorzugsweise diese Häuser zu belegen. Auch die Wohlfahrtsverbände leiten Kliniken. Das Deutsche Rote Kreuz zum Beispiel führt Kureinrichtungen auf Amrum, Pellworm und in Plön. „Es sollte darauf geachtet werden, ob die gewünschte Klinik mit Blick auf die Symptome der betroffenen Frau auch wirklich die richtige Wahl ist“, sagt Ute Delfs.

Das DRK-Haus in Plön zum Beispiel hat einen Schwerpunkt im Angebot, der sich an Partnerinnen von Soldaten richtet. Auslandseinsätze bedeuten für die Frauen und Kinder oft eine lange Zeit der Trennung, verbunden mit großen Ängsten. Der Alltag mit den Kindern muss allein gestaltet werden und gleichzeitig gilt es, Stärke auszustrahlen, um die täglichen Krisen zu meistern. Diese Herausforderungen kennen übrigens auch Männer. Väter sind heute neben dem Beruf viel stärker als früher in familiäre Belastungen eingebunden. Daher gibt es auch Vater-Kind-Kuren, die allerdings noch Ausnahmefälle sind. Ute Delfs bestätigt diese Erfahrung: „Bei mir rufen in einem Jahr höchstens zwei bis drei Männer an, die sich beraten lassen wollen.“

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 29.Jan.2014 | 06:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen