Fastenzeit : Wenn das Steak im Traum erscheint

Nach dem Ende der Narrenzeit steht Verzicht bei vielen Menschen hoch im Kurs. Was lässt sich am ehesten entbehren?  Foto: epd
Nach dem Ende der Narrenzeit steht Verzicht bei vielen Menschen hoch im Kurs. Was lässt sich am ehesten entbehren? Foto: epd

Auch Jugendliche aus Rendsburg fasten - der Verzicht auf Gewohnheiten wie den Verzehr von Fleisch oder Süßigkeiten kann ganz schön schwer fallen.

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05. März 2013, 11:43 Uhr

Rendsburg | Wenn man Christen fragt, ob sie vor Ostern fasten, wird man in den meisten Fällen ein "Nein" als Antwort bekommen: Das sei altmodisch und heute mache man das nicht mehr. Tatsächlich sehen viele die Aktion als Tradition im Christentum an. Aber wer hätte gedacht, dass gerade Jugendliche in Rendsburg sie praktizieren?

Christian Ventzke besucht das Gymnasium Kronwerk. Er ist katholisch und geht regelmäßig zur Kirche: "Das Fasten gehört zu meiner Religion. Ich verzichte 40 Tage lang auf Fleisch, also von Aschermittwoch bis Ostern." Der 15-Jährige aus Büdelsdorf fastet zum zweiten Mal. "Ich sehe den Sinn darin, zu erkennen, dass es nicht selbstverständlich ist, Fleisch oder Ähnliches zu haben", erklärt Christian.

Die Beweggründe für das Fasten unterscheiden sich: Kjell Schwarz, der evangelisch ist: "Ich verzichte seit Aschermittwoch auf Fleisch und Süßes, einfach weil ich mich selbst beherrschen will." Der 16-jährige Schüler aus Schülp, der ebenfalls das Gymnasium Kronwerk besucht, habe nämlich letztes Jahr bereits sehr gute Erfahrungen mit der Fastenzeit gemacht: "Ich fühlte mich irgendwie gesünder. Außerden bin ich dann wenigstens während dieser Zeit nicht mitschuldig an dem großen Thema Massentierhaltung." Doch seine Hauptintention ist eine andere: "Ich halte es für wichtig, dass christliche Traditionen erhalten bleiben und nicht völlig in Vergessenheit geraten.

Für mich spielt die religiöse Seite schon eine Rolle." Und ist der Gang zur Kirche auch selbstverständlich? "Ich würde mich absolut nicht als regelmäßigen Kirchgänger bezeichnen, aber ein bisschen gläubig bin ich schon." Anders als Christian fastet er ohne seine Familie. Aber er hat einen Freund, Hendrik Langner, der es zusammen mit ihm durchzieht: "Kjell hatte letztes Jahr sowieso schon gefastet und dieses Jahr hat er mich gefragt, ob ich mitmachen möchte. Ich wollte auch sehen, wie sich das auf den Körper auswirkt, weil ich ein Mensch bin, der sehr gern Fleisch isst."

Eigentlich lande bei ihm täglich Fleisch auf dem Teller. Daher fällt es dem 17-Jährigen aus Büdelsdorf besonders schwer: "Mit dem Fleisch ist das sehr hart. Ich habe sogar viele Träume darüber. Zu Hause scherzt meine Familie oft. Dann sagen sie Lasst uns heute doch Rumpsteak essen!" Mit den Süßigkeiten dagegen habe er keine Probleme - ganz im Gegensatz zu Kjell, seinem besten Kumpel und Klassenkameraden zugleich. "Ich esse auch sonst sehr wenig Fleisch, aber der Verzicht auf Süßigkeiten fällt mir wirklich schwer. Ich denke oft daran, wie gut jetzt ein Schokoriegel schmecken würde."

Für Janna Otto aus Rendsburg gibt es beim Fasten keinen Bezug zur Kirche. Obwohl sie evangelisch ist, fastet sie aus Neugierde: "Ich habe von Freunden gehört, dass sie es machen, und dann wollte ich es auch ausprobieren, weil ich es ganz interessant finde", erzählt die 17-Jährige aus Rendsburg."

Janna verzichtet wie auch Kjell und Hendrik auf Fleisch und Süßes. Doch anders als die beiden habe sie damit überhaupt keine Probleme: "Da ich auch vorher weder übermäßig viel Fleisch noch Süßigkeiten gegessen habe, ist es mit dem Durchhalten nicht so schwer." Hoffen wir, dass es bis Ostern so bleibt.

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