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Rathaus Rendsburg : Wenn Bürgernähe zur Gefahr wird

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Aus der Redaktion der Landeszeitung

Zunehmende Gewaltbereitschaft bei Besuchern: Rendsburg schafft für 12.000 Euro eine hausinterne "Alarmierungsanlage" für die Mitarbeiter des Fachdienstes Ordnung und Verkehr an.

shz.de von
erstellt am 30.Aug.2013 | 13:00 Uhr

"Bürgernähe" - dieses Wort war Pierre Gilgenast stets wichtig. Er wolle Hemmschwellen zwischen der Verwaltung und den Bürgerinnen und Bürgern abbauen, kündigte der Verwaltungschef zu Beginn seiner Amtszeit an. Klingt gut, ist auch gut - doch es birgt ein Problem: Aufs Amt kommen nämlich auch Menschen mit Wut im Bauch. Sie fühlen sich ungerecht behandelt, zum Beispiel wenn es um Kürzungen von Sozialleistungen oder das Knöllchen aus dem Parkhaus geht. Wer auf Bürgernähe setzt und aus der Stadtverwaltung keine Bastion machen will, ist Anfeindungen ausgesetzt. Das ist das Dilemma der Mitarbeiter im Rathaus.

Die Abteilung Ordnung und Verkehr bekommt aus diesem Grund demnächst technische Verstärkung. 12.000 Euro investiert die Stadt in eine sogenannte "Alarmierungsanlage". Sie wird angeschafft, "um zunehmend aggressiver und unkontrollierter auftretenden Besuchern begegnen zu können". So steht es im Nachtragshaushalt 2013, der am Dienstag Thema im Bauausschuss war.

Der Bürgermeister bestätigt den Trend zur Gewaltbereitschaft bei einigen Besuchern und betont, dass es sich um Ausnahmen handele. "Wir sprechen über Einzelfälle. Aber das Aggressionspotential ist in den vergangenen Jahren gestiegen", sagt Gilgenast. "Es kommt häufiger vor, dass Besucher laut werden und dass die Sätze in Richtung Drohung kippen." Die Anschaffung sei auch eine Reaktion auf die bundesweiten Fälle, in denen Gewalt eskalierte, so der Chef der Verwaltung. Im April wurde der Landrat von Hameln wegen einer drohenden Zwangsräumung ermordet. Und knapp ein Jahr ist es her, dass in Neuss eine Mitarbeiterin des Jobcenters durch einen Messerangriff tödlich verletzt wurde.

Es muss nicht erst zum Entzug eines Kampfhundes kommen, bis Nerven blank liegen. "Manchmal reicht ein ,Ticket‘ über fünf Euro, um Menschen wild werden zu lassen", sagt Matthias Galow, Leiter Fachdienst Ordnung und Verkehr. Auch die verwehrte Gaststättenlizenz oder ein stillgelegtes Auto lassen Wut mitunter in Angriffslust umschlagen.

Bei der jetzt in Auftrag gegebenen Anlage handelt es sich um ein hausinternes Akustik-Signal, das sich vom Schreibtisch auslösen lässt. Gleichzeitig blinkt eine Lampe auf dem Flur. "Die Kollegen werden alarmiert", sagt Gilgenast. Im Bürger- und Sozialbüro gibt eine ähnliche Anlage schon. "Alarm schlagen wir aber erst, wenn jemand Gewalt anwenden will", erklärt Galow. Ein Gespräch, in dem es mal laut werde, sei noch kein Grund, gleich auf den Knopf zu drücken. Vielmehr setze man darauf, dass es gar nicht erst zum Streit komme. Die Beschäftigten im Rathaus werden regelmäßig geschult, sich deeskalierend zu verhalten, Konflikte friedlich zu lösen.

Auch im Kreishaus ist die Sicherheit der Mitarbeiter Thema. "Der Kreis erarbeitet bis Jahresende ein Konzept, um möglichen Bedrohungen bzw. Gefahren jeglicher Art besser begegnen zu können", sagt Sprecher Martin Schmedtje. "Hierbei sollen die unterschiedlichen Bedürfnisse der Fachbereiche berücksichtigt werden." Neben Verhaltensempfehlungen und Schulungen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter könnten auch technische und bauliche Maßnahmen Bestandteil des Konzeptes werden. Schmedtje weiter: "Wir nehmen die Ereignisse der letzten Monate sehr ernst."

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